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Licht aus, Spot an - Vom Casting ans Filmset


Angefangen hat für Insa alles mit dem Ausfüllen eines Formulars bei einer Casting-Agentur. Das war vor einem Jahr. Heute flimmerte ihr Werbespot weltweit über die Bildschirme. Bym hat sich für euch in der "Castbar" umgesehen und bei Insas Agentur-Chefin Katja mal ganz genau nachgefragt: Wie wird man zum Werbestar?
Am Anfang von Insas Erfolg stand ein Videocasting
Am Anfang von Insas Erfolg stand ein Videocasting
© Annkathrin Herbst

Licht aus, Spot an - Vom Casting ans Filmset

Insa wird zur Waschmittel-Mutti

Ihr Text surrt Insa in Endlos-Schleife durch den Kopf. In verschiedenen Betonungen murmelt sie ihn vor sich hin: "Oh, wie kriegen wir DAS nur wieder sauber?" - oder doch lieber - "Oh, wie kriegen wir das nur wieder SAUBER?"

Wenn ihr vor ein paar Monaten jemand gesagt hätte, dass sie mal hier landen würde, hätte sie laut gelacht. Denn Insa sitzt gerade in einem Wohnmobil und lässt sich von der Visagistin für einen Werbespot zur Waschmittel-Mutti umstylen. Die Odyssee mit der Kostümbildnerin hat sie schon erfolgreich hinter sich gebracht. In neun verschiedene Outfits musste sie schlüpfen, bis der Regisseur endlich sein Okay gab.

Insa wirbt auch für Chips
Insa wirbt auch für Chips
© Annkathrin Herbst

Gerade fixiert die Visagistin ihre Frisur mit ein paar letzten Sprühern Haarspray, da klopft es an die Wohnmobil-Tür. Der Aufnahmeleiter steckt den Kopf herein: "Alle Schauspieler bitte ans Set!" Jetzt geht's los. Der Werbespot wird in einem Privat-Haus gedreht. Überall herrscht das blanke Chaos: Techniker, Beleuchter, Aufnahmeleiter und Tonmeister wuseln durcheinander, Kabel liegen herum, Funkgeräte rauschen.

Insa kämpft sich bis zur Küche des Hauses durch. Hier findet der Dreh statt. Schwere Scheinwerfer leuchten das Filmset aus und erhitzen die Luft auf gefühlte 40 Grad. Kameramann und Regisseur geben noch ein paar Anweisungen. Dann heißt es: "Ruhe, bitte". - Die erste Klappe fällt. – "Und Bitte!" Der kleine Junge gegenüber von Insa holt tief Luft und pustet die Kerzen auf einer Sahnetorte aus - und die Sahne auf das weiße Hemd von Insas Schauspiel-Mann. "Oh, wie kriegen wir DAS nur wieder sauber?" Eine andere Schauspielerin weiß Rat und hält Insa ein Waschmittel hin. - "Und Cut".

Seit ein paar Wochen flimmert der Werbespot nun täglich weltweit über die Bildschirme. Und genau das war es, worauf Insa gehofft hatte, als sie vor einem Jahr in der kleinen Casting-Agentur "Castbar" ein Anmeldeformular ausfüllte und Fotos für die Setcard machte. Eine zeitlang war nichts passiert, doch dann, vor ein paar Monaten, ging plötzlich alles ganz schnell. Agentur-Chefin Katja rief an: "Insa, du bist zu einem Casting eingeladen!", sie hatte vorgesprochen und die Rolle tatsächlich bekommen. Zwei weitere folgten. Und die waren richtig gut bezahlt. Ihren Job als Synchronsprecherin will Insa trotzdem nicht aufgeben. "Ich sehe das Drehen eher als Hobby. Es macht unheimlich viel Spaß, für einen Tag mit den ganzen Leuten zusammen zu kommen und ein bisschen Filmset-Luft zu schnuppern. Aber nach einem langem Drehtag in einer fremden Stadt ist es auch schön, am Abend wieder nach Hause zu kommen." In zwei Wochen steigt Insa wieder für ein paar Tage aus ihrem Alltag aus. Dann geht es für ihren nächsten Job nach Frankreich. Dieses Mal steht Sonnencreme auf dem Programm.

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Katja leitet die Casting-Agentur "Castbar"
Katja leitet die Casting-Agentur "Castbar"
© Annkathrin Herbst

Interview mit der "Castbar"-Agentur-Chefin Katja

BRIGITTE Young Miss: In deine Agentur "Castbar" kommen Leute, die gern als Darsteller bei Film- und Fotoproduktionen mitmachen wollen. Wen nimmst du in deine Kartei auf?

Katja: Ich nehme fast jeden auf, völlig unabhängig von Alter oder Aussehen. In der Werbung werden schließlich alle gebraucht. Wichtig ist Ausstrahlung und ein bisschen Schauspieltalent.

BRIGITTE Young Miss: Wie kann ich mich bei dir bewerben?

Katja: Entweder per Post oder per E-Mail. Dann bitte mit Foto und Steckbrief. Ganz wichtig ist, dass die Telefonnummer dabei steht. Wenn ich tolle Fotos im Briefkasten habe, aber keine Möglichkeit, den Absender zu kontaktieren, ist das natürlich ungünstig.

BRIGITTE Young Miss: Wie sollten denn gute Bewerbungsfotos aussehen?

Katja: Die Bewerbungsfotos müssen nicht von einem professionellen Fotografen gemacht worden sein. Sie sollen nur einen ersten Eindruck vermitteln. Wichtig ist, dass sie unterschiedliche Gesichtsausdrücke zeigen und ein Profilfoto und ein Ganzkörperfoto sollten auch dabei sein. Manche Frauen schicken uns auch Unterwäschefotos. So etwas brauchen wir nicht!

BRIGITTE Young Miss: Und was passiert, wenn dir die Bewerbungsfotos gefallen?

Katja: Dann lade ich sie zu mir ein. Mir ist wichtig, die Bewerber persönlich kennen zu lernen. Nur so kann ich entscheiden, für welchen Job sie sich eignen. Dann ist noch ein bisschen Papierkram zu erledigen und danach geht’s ab ins Foto-Studio, um Fotos für die Setcard zu machen. So kann ich dann auch gleich feststellen, wie fotogen der Bewerber ist. Denn es kann schon mal vorkommen, dass die eingeschickten Fotos richtig gut waren, dass aber der Bewerber vor der Casting-Kamera plötzlich verkrampft. Dann ist er für Film- und Fotoproduktionen nicht so geeignet.

Im Foto-Studio über den Büroräumen macht Katja die Fotos für die Setcards
Im Foto-Studio über den Büroräumen macht Katja die Fotos für die Setcards
© Annkathrin Herbst

BRIGITTE Young Miss: Kostet es etwas, in deine Kartei aufgenommen zu werden?

Katja: Nein, das kostet keinen Cent. Jede Casting-Agentur, die dafür Geld verlangt, ist unseriös.

BRIGITTE Young Miss: Was muss ein Darsteller noch beachten?

Katja: Auf jeden Fall muss er spontan sein. Wenn ich anrufe und sage "übermorgen ist ein Casting", sollte er flexibel genug sein, den Termin wahr zu nehmen. Außerdem sollte er offen, sympathisch und unkompliziert sein. Ich kann niemanden weitervermitteln, der am Set rum zickt. Wer von sich selbst sagt, dass er schüchtern sei, ist in diesem Job auch nicht gut aufgehoben.

BRIGITTE Young Miss: Welche Aufträge vermittelst du?

Katja: Alles rund um die Werbung. Von Werbespot bis zur Printkampagne.

BRIGITTE Young Miss: Ihr macht Foto- und Videocastings?

Katja: Genau. Wenn ein Kunde für eine Printwerbung anruft, caste ich natürlich auf Fotogenität, bei einem Kunden für einen Werbespot auf Telegenität.

Katja nimmt Anfragen von Fotografen und Produktionsfirmen entgegen und castet Darsteller nach deren Wünschen
Katja nimmt Anfragen von Fotografen und Produktionsfirmen entgegen und castet Darsteller nach deren Wünschen
© Annkathrin Herbst

BRIGITTE Young Miss: Gibt es im Moment einen bestimmten Typen, der besonders oft für Werbezwecke gebucht wird?

Katja: Im Moment besteht eine recht große Nachfrage nach Frauen und Männern zwischen 30 und 40 Jahren.

BRIGITTE Young Miss: Gehst du auch selbst auf die Straße, um Darsteller zu finden?

Katja: Gelegentlich schon. Das ist zwar kein fester Bestandteil meiner Arbeit, aber wenn mir auf der Straße ein Gesicht auffällt oder ich denke, Mensch, der hätte gut in die letzte Kampagne gepasst, dann spreche ich ihn an und gebe ihm meine Karte.

BRIGITTE Young Miss: Was kann man denn bei einer Buchung so verdienen?

Katja: Das ist ganz unterschiedlich. Das fängt bei 100 Euro für ein nicht so bekanntes Produkt mit einem Arbeitseinsatz von zwei, drei Stunden an und kann in die Zehntausende gehen. In der Werbung wird nämlich neben der Grundgage noch für die so genannten Buy-Outs gezahlt. Das heißt, jedes Mal, wenn die Werbung geschaltet wird, gibt es dafür Geld. Diese nachträglichen Zahlungen können sich bis zu ein paar Jahren hinziehen.

BRIGITTE Young Miss: Kann man allein von Aufträgen der Casting-Agenturen leben?

Katja: Nach großen Aufträgen kannst du von der Gage schon ein paar Monate leben. Die meisten machen das aber eher als Hobby zwischendurch, neben einem festen Job. Schließlich weißt du nie, wann du das nächste Mal gebucht wirst.

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