Ungeduld? Dann bist du unterfordert

Gute Ideen haben und damit erfolgreich sein: Wie du deine persönlichen Stärken im Job ausbauen kannst, weiß die Hamburger Autorin Carola Kleinschmidt. Hier verrät sie ihre Strategien.

Ihnen fällt die gute Antwort immer erst Stunden später ein? Schlagfertigkeit kann man üben.

BRIGITTE: Woran erkennt eine Frau im Joballtag, dass sie ihre Fähigkeiten nicht voll ausschöpft?

Carola Kleinschmidt: Ein typisches Zeichen ist Ungeduld. Wenn sie ständig genervt ist von dem Gefühl, dass alles zu langsam oder nicht gut genug geht. Andere Kolleginnen kommen ihr lahm vor, sie ist schneller, hat mehr Ideen und behält als Einzige im größten Chaos den Überblick. Bei einigen Frauen ist es aber genau umgekehrt: Statt sich zu langweilen, setzen sie ihr Potenzial ein, obwohl es gar nicht gefragt ist. Das kann dann zu Konflikten führen, etwa weil die Kolleginnen sich ausgebootet fühlen oder die Chefin das Gefühl hat, da will eine schlauer sein als sie.

Wenn Frauen ohne Gehaltszulage mehr leisten als in der Jobbeschreibung steht, erklärt sich das nicht auch aus dem Bedürfnis nach Anerkennung?

Ja. Ein Mann würde die Extra-Aufgabe klar definieren und beschreiben: Das kann ich nur, weil ich besonders gut bin und weil ich die Weiterbildung gemacht habe - und dafür will ich jetzt auch mehr Geld. Es geht also nicht nur darum, das Potenzial zu erkennen und zu entwickeln, man muss es auch artikulieren und Forderungen daran knüpfen.

Leider sind Frauen oft besser darin, ihre Schwächen hervorzuheben.

Dem eigenen Potenzial kann man mit biografischer Arbeit auf die Spur kommen. Fragen Sie sich: Wie bin ich geworden, was ich bin? Was hat mich weitergebracht? Rufen Sie sich detailliert in Erinnerung, wie Sie es geschafft haben, im Job ein Projekt an sich zu ziehen, Ihren 30. Geburtstag rauschend zu feiern oder wie Sie die Wohnung gefunden haben. Wichtig ist, dass Sie ein klar definiertes Ziel hatten und am Ende erfolgreich waren. Das bringt Sie auf Ihr Potenzial.

Es zählt also nicht, wenn ein Erfolg auf Glück beruht?

Nein, daraus lässt sich nichts lernen. Es kommt tatsächlich auf den Weg an, mit der Sie Ihr Ziel erreicht haben. Vielleicht haben Sie intensiv recherchiert, um die schöne Wohnung zu finden, Sie haben systematisch in Ihrem großen Freundeskreis nachgefragt oder Sie sind auf der Suche nach Umzugswagen durch die Straßen gelaufen und haben dann beherzt nach dem Vermieter gefragt. Es geht darum zu erkennen, ob Fähigkeiten wie Spontaneität, Recherche oder soziale Kompetenz Sie zum Ziel führen.

Aus Glück lässt sich nichts lernen, nur aus dem Weg zum Ziel

Aber nicht jede kann so analytisch über sich nachdenken.

Freunde wissen intuitiv, wen sie in welchen schwierigen Situationen um Hilfe bitten. Man kann sie fragen: "In welchen Situationen fühlst du dich durch mich unterstützt?" Dann kommt vielleicht eine Antwort wie: "Wenn ich mich nicht entscheiden kann, komme ich gern zu dir, du bist immer so glasklar in der Analyse."

Müssen wir überhaupt noch besser werden? Betreiben wir nicht sowieso zu viel Selbstoptimierung?

Wer zufrieden ist, braucht auch nicht an sich zu arbeiten. Aber gerade für Frauen mit 40, 50 stellt sich die Frage nach der Zufriedenheit oft immer drängender. Es gibt natürlich unterschiedliche Ziele: Vielen Frauen geht es um mehr Balance zwischen Leben und Freizeit. Andere wollen ihr Potenzial entfalten, weil sie sich für neue Aufgaben interessieren und weiterkommen wollen.

Aber wer das eigene Potenzial ausbaut, bekommt damit nicht automatisch anspruchsvollere Aufgaben.

Nein, aber jede kann für sich gucken, wo ihre - neu entdeckten - Stärken gebraucht werden und ob es im Rahmen ihres Jobs passende Aufgaben gibt. Dafür ist es sinnvoll, Listen zu machen, also etwa abends aufschreiben, was gelungen ist, was gut klappt. Vielleicht wird dabei klar, dass man gut Englisch kann, auch ohne Zertifikat, weil man oft Serien in Originalsprache guckt. Und vielleicht ist das eine Qualifikation für ein firmenintern ausgeschriebenes Projekt im Ausland.

Das nützt nichts, solange niemand davon weiß ...

Wenn ich meine Stärken kenne, kann ich sie auch offensiv einsetzen. Will ich zum Beispiel eine Präsentation übernehmen, kann ich lange grübeln, wie sich das einfädeln ließe. Ich kann aber auch meinem Chef sagen: Ich bin interessiert, und ich bin die Richtige dafür, weil ich Leute begeistern kann. Je überzeugter eine Frau von ihren Qualifikationen ist, desto besser kann sie andere von sich überzeugen.

Interview: Claudia Kirsch
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