Schlagfertigkeit kann man lernen! 5 Übungen für den Job

Schlagfertig im Job

Ihr wollt schlagfertiger werden? Den Kampf mit Witz und Worten kann man lernen: 5 Übungen, die euch auf jeden verbalen Angriff vorbereiten.

Übung 1: die Killerphrasen-Abwehr

In dieser Übung arbeiten wir daran, wie man auf Killerphrasen kontert. Ihr wisst schon, Killerphrasen sind dazu da, jedwede Veränderung im privaten oder beruflichen Umfeld zu torpedieren. Da die Killerphrase ein Allgemeinplatz ist und sich nie beweisen lässt, kann man auch nicht ernsthaft darauf antworten. Man käme sofort in Beweisnot oder in die Verteidigungsposition. In all diesen Fällen hätte man verloren.

So geht’s: Setzen wir uns also mit Killerphrasen auseinander! Und sammeln ein paar Repliken fürs Repertoire.

"Das haben wir immer schon so gemacht."

Mögliche Antworten: 1. Hat's auch mal geklappt? 2. Ui, Sie müssen ja sehr leidensfähig sein. 3. Eben, und nun machen wir mal was anderes. Wird ja sonst langweilig. 4. Erfolg macht Ihnen Angst, oder? 5. In die Luft pusten und sagen: "Hier staubt's." 6. Wenn ich in Ihr Gesichter blicke, sehe ich Innovationsfähigkeit, Kreativität und den unbedingten Willen zur Veränderung. Den werden Sie auch brauchen. 7. "Das Reh springt hoch, das Reh springt weit, warum auch nicht, es hat ja Zeit" (Heinz Erhardt). 8. Hildegard Knefs Refrain singen: "Von da an ging's bergab."

Ihr seht, worauf es hinausläuft? Natürlich sind die Antworten 7 und 8 nur in bestimmter Atmosphäre, in bestimmten Branchen oder Situationen möglich. Aber möglich sind sie. Und wenn sie nicht möglich sein sollten, macht es Spaß, sie sich auszudenken. Das übt auch die Schlagfertigkeit.

Jetzt seid ihr dran: Hier ein paar Killerphrasen für euch frisch auf den Tisch: "Das ist nicht zielführend." "Dazu müssen Sie zuerst die Menschen ändern." "Sie sind zu jung." "Sie sind zu alt." "Ich kenne den Laden hier. Bei den gewachsenen Strukturen lässt sich nichts machen." "Das können Sie doch nicht beurteilen." "Das haben wir schon probiert. Da ging es auch nicht."

Übung 2: die Philosophie-Methode

Impulse und freie Assoziationen kommen bei der Philosophie-Methode zum Einsatz. Diese dient dazu, auf Beleidigungen, Unverschämtheiten, Vorwürfe, unfreundliche Bemerkungen aller Art möglichst absurd zu antworten.

Ein Beispiel: Stell dir die im Folgenden beschriebene Situation vor. Jemand sagt zu dir mit viel Sarkasmus: "Ich hätte Ihnen gar nicht zugetraut, dieses Projekt von Anfang bis Ende zu stemmen."

Du verliebst dich spontan in das Wörtchen "gar" und antwortest: "Gar oder nicht gar. Das ist hier die Frage? Was bedeutet 'gar'? Halb gar, ganz gar, ganz und gar? Ein Problem von höchster Komplexität."

Dein Gegenüber wird glauben, deine Gehirnzellen würden Hip-Hop tanzen, und konstatiert wütend: "Sagen Sie mal, sind Sie durchgeknallt? Sie sind nicht mehr ganz klar. Oder? Hat Sie wohl doch überfordert, das Projekt."

Du erwiderst völlig durchgeistigt: "Mal! Ein Muttermal ist ein Mal. Ein Wundmal ist ein Mal. Mal sehen, wo der Unterschied liegt zwischen Mal und Mahl. Ein Mahl kann man essen. Kann man auch ein Mal essen? Ich weiß es nicht. Ich bin ein Wicht. Mahlzeit!" Sie denken, Sie machen sich damit zum Affen? Nein, nicht zum Affen. Zum Narren. Und der Narr spiegelt die Torheiten der anderen.

Jetzt bist du dran: Schreibe nun auf, was man dir so im Laufe der letzten Monate vorgeworfen hat. Wir alle werden ständig mit den Raubautzigkeiten unserer Mitmenschen konfrontiert. Da kommt eine Menge Übungsstoff zusammen. Nimm dir irgendein unscheinbares Wort heraus und "philosophiere" darüber, weise lächelnd. Wenn du in Schwung kommst, macht das sehr viel Spaß. Und noch mehr, wenn du dich mit einer Person deines Vertrauens gegenseitig Beleidigungen an den Kopf wirfst und darauf mit der Philosophie-Methode reagierst.

Übung 3: die Judo-Methode

Wenden wir uns der Judo-Methode zu. Hierbei geht es - wie bei der Sportart Judo - nicht darum, den anderen einfach umzuhauen. Vielmehr soll die Angriffskraft des Gegners für den eigenen Angriff genutzt werden. Oder einfacher: Die Vorwürfe, Unterstellungen und Beleidigungen werden inhaltlich ohne Wenn und Aber akzeptiert. Jawohl, du hast richtig gelesen. Ab sofort vergist du alle Rechtfertigungsversuche, sondern bestätigst einfach die Vorwürfe. Allerdings äußerst übertrieben und damit humorvoll - als paradoxe Intervention.

Zwei Beispiele:

"Haben Sie zugenommen?" - "Und wie! Ich habe mir jetzt ein Familienzelt als Wintermantel bestellt. Très chic."

"Ich finde, Sie trinken zu viel!" - "Ich weiß! Der Verein Deutscher Winzer behauptet, meine Bestellungen hätten 50 Prozent seines Umsatzes ausgemacht. Ich bin jetzt seine Werbe-Ikone. Wegen meiner roten Nase!"

Und jetzt bist du dran: Erfinde nach dem Judo-Prinzip Antworten, erst einmal im stillen Kämmerlein. Und dann, wenn du dich traust, probierst du die Antworten am lebenden Objekt aus. Es wird sprachlos sein!

Übung 4: die Columbo-Methode

Die Columbo-Methode hat ihren Namen tatsächlich vom TV-Kommissar Columbo. Du wirst dich vielleicht erinnern: Kommissar Columbo wirkte bei der Lösung seiner Fälle immer leicht vertrottelt. Und devot. Im Gespräch mit seinen Gegnern - und späteren Opfern seines kriminalistischen Spürsinns - bewunderte er rückhaltlos deren scheinbare Fähigkeiten und Überlegenheit. Die Columbo-Methode gibt dir also die Möglichkeit, auf verbale Angriffe mit konsequenter Bewunderung des Angreifers zu reagieren. Ironisch natürlich!

Ein Beispiel: Der Chef zum Mitarbeiter: "Wenn Sie keine besseren Lösungen haben, frage ich mich, was Sie in unserem Unternehmen zu suchen haben. Sie sind einfach ein Loser." Antwort: "Ich kann noch so viel von Ihnen lernen. Ihre Art, Dinge auf den Punkt zu bringen und ohne Umschweife sofort zur Sache zu kommen, macht Sie einfach zur idealen Führungskraft. Ich bin sehr, sehr froh, nach so langer Zeit endlich ein Vorbild gefunden zu haben."

Und jetzt bist du dran: Bitte erfinde nun auf die Beleidigungen und Vorwürfe, die als Beispiele bei der Beschreibung der Judo-Methode genannt sind, Antworten im Columbo-Stil. Solltest du das Gefühl haben, so auf keinen Fall jemandem kontern zu dürfen, ist das okay. Verwirf trotzdem keine Idee. Vielleicht ist sie tatsächlich im Moment nicht realitätstauglich. Aber wer weiß, irgendwann kommt die passende Gelegenheit für deine wunderschöne Replik.

Übung 5: die Gaga-Methode

Hier geht es darum, völlig ohne Sinnzusammenhang irgendeine Antwort zu geben.

Ein Beispiel: Du wirst angeraunzt, zum Beispiel im Bus: "Nun bewegen Sie doch mal Ihren Hintern zur Seite. Hier kommt ja keiner durch." Darauf kannst du jetzt antworten mit: "Toi, toi, toi!" "Der frühe Vogel fängt den Wurm." "Ich wollt, ich wär ein Huhn ..." "Ringförmiger Darmverschluss, gratuliere!" "Pausbäckige Putte!"

Und jetzt bist du dran: Diese Gaga-Antworten kommen scheinbar leicht daher. Tatsächlich aber ist es sehr schwer, sie im passenden Moment zu erfinden. Stehen sie doch in keinem Zusammenhang zum vorher Gesagten. Sie kommen tief aus unserem humoristischen Innenleben. Versuche es einmal! Schaue als Anregung in deine Sprichwörter, Klischee- und Witzesammlung. Gerne alleine und noch viel lieber in fröhlicher Runde. Du wirst Tränen in den Augen haben vor Lachen.

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Text: Jumi Vogler

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