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Schulden: Was tun?


Vor allem junge Leute geraten immer öfter in Schulden. Was tun? Die acht größten Schuldenfallen - und wie Sie sie entschärfen können.

Die Situation ist brenzlig: Schätzungsweise 130 000 junge Leute unter 20 haben massive finanzielle Probleme - mehr als doppelt so viele wie 2004. Im Schnitt stehen sie mit 7000 bis 10 000 Euro bei fünf bis zehn Gläubigern in der Kreide. Für Fachleute ist das lediglich die Spitze eines Eisbergs. Wirklich verlässliches Zahlenmaterial gibt es nicht. Dafür kennen wir die acht häufigsten Schuldenfallen - ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Besserung...

Erste eigene Wohnung

Maklerprovision und Kaution beim Vermieter werden fällig, von der Wohnungseinrichtung ganz zu schweigen. Und ein Kredit ist bekanntlich schnell zu haben.

Handy- und Downloadgebühren

Wie lange telefoniert? Wie oft Fotos als MMS verschickt? Wie viele Apps runtergeladen? Das weiß man mit Sicherheit erst, wenn die Rechnung kommt. Sehr teuer können zum Beispiel Klingeltöne werden, für die im Fernsehen oder online gewor- ben wird. Wer zum Download eine SMS schickt, vereinbart damit oft, ohne es zu wissen, ein Klingelton-Abo.

Fitness-Center

Typischer Fall: Man schließt einen Vertrag ab über zwei Jahre oder mehr - und geht nur ein paarmal ins Fitness-Studio. Werden dann keine Beiträge gezahlt, geht der Vertrag an ein Inkassobüro. Damit sind die Kosten für die gesamte Vertragslaufzeit fällig, plus Vollstreckungskosten und Zinsen.

Spontankäufe

Das Super-Fahrrad, die tolle Jeans, der MP3-Player... Völlig uncool, auf so einen Kauf hin noch lange zu sparen. Mit einer Girocard ist das doch alles kein Thema. Bis zum nächsten Kontoauszug.

Versandhaus-Order auf Pump

Heute bestellen - erst in drei Monaten mit der Ratenzahlung beginnen. Das ist inzwischen bei vielen Bestelladressen üblich, kann aber durchaus problematisch werden. Wenn zwei oder drei solcher Verträge laufen, verliert man schnell den Überblick bei den diversen Verpflichtungen.

Dispokredit

Das Geld reicht zwar wieder nicht, aber man bleibt trotzdem flüssig, weil die Bank einen Dispokredit einräumt. Der kostet dann allerdings 12 % und mehr Zinsen - und vom Geld bleibt immer weniger übrig. Deshalb sollte man den Dispo nur nutzen, wenn man das Konto einmal (und kurzfristig!) überzieht. Auf keinen Fall den Lebensunterhalt darüber finanzieren! Achtung, Azubis: Viele Banken geben einen Dispo in dreifacher Höhe der monatlichen Ausbildungsvergütung. Da dauert es sehr lange, bis Kredit und Zinsen vom vergleichsweise sehr geringen Gehalt zurückgeführt werden können. Nebeneffekt für die Banken: Sie schaffen Kundenbindung, denn die jungen Leute dürften wegen negativer Schufa-Auskunft anderswo kaum ein Konto bekommen.

Geld- und Kreditkarten

Da gibt man im Handumdrehen viel zu viel Geld aus und merkt es nicht. Denn fällige Beträge werden meist erst nach Tagen oder Wochen abgebucht. Vorsicht auch beim Kreditrahmen, den Kartenunternehmen gewähren. In der Regel zahlt man für diese Darlehen noch höhere Gebühren als für Dispokredite. Bei jungen Leuten sehr beliebt - und sehr gefährlich: die Revolving-Karte. Im Gegensatz zu anderen Karten, bei denen die fällige Summe vom Girokonto abgebucht wird, kann man hier den angesammelten Betrag in Raten zurückzahlen. Der Rest bleibt als Schuld auf dem Kartenkonto. Und auf diesen Betrag fallen immerhin bis zu 20 % Zinsen an!

Wahlweise Abzocke

Mit 0900- und anderen Gewinnspielnummern geht's oft richtig zur Kasse. Ganz zu schweigen vom teuren Handy-Payment: per Handy aus dem Internet etwas runterladen, dann mit der Monatsrechnung bezahlen. Und wenn junge Frauen die Autoleasing- Verträge ihrer Freunde oder Ratenkaufverträge für Freundinnen mit unterschreiben, haften sie auch für alles.

Raus aus der Schuldenfalle - was Sie tun müssen:

- Wenn möglich, Kaufverträge widerrufen. Das geht z. B. bei Haustür-, Versand- oder Teilzahlungsgeschäften innerhalb einer bestimmten Frist. - Zahlen Sie ab sofort nur noch bar. - Führen Sie ein Haushaltsbuch, damit Sie wissen, wo Ihr Geld bleibt. - Tilgen Sie so schnell wie möglich Ihren Dispokredit. - Sparen Sie für Notfälle eine kleine Summe auf einem Tagesgeldkonto an.

Zu tief drin im Schuldensumpf?

- Vereinbaren Sie möglichst bald einen Termin bei einer Schuldnerberatungsstelle von Wohlfahrtsverbänden, Stadt oder Gemeindeverwaltungen (längere Wartezeiten sind möglich!). Dort bekommen Sie Hilfe und Begleitung. - Gehen Sie privaten Kreditverleihern aus dem Weg, die besonders reißerisch in Tageszeitungen inserieren. Das sind meist Betrüger, durch die Sie noch viel tiefer in die Misere geraten.

Finanztipps: Helma Sick Beratung: Gudrun Bünte, Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatung AWO/DGB in München Foto: fotolia.com Ein Artikel aus BRIGITTE 16/10

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