Sich verkaufen: PR in eigener Sache

"Du bist echt gut. Aber das musst du ja nicht gleich an die große Glocke hängen...". Eigentlich ganz sympathisch, was uns die innere Stimme im Job zuflüstert. Aber nicht gerade ausschlaggebend für mehr Anerkennung und Erfolg. Können wir uns selbst besser verkaufen?

Auf Konferenzen

1. Auf wichtigen Konferenzen solltest du dich höflich zurückhalten und nur reden, wenn du dazu aufgefordert wirst.

Es liegt tatsächlich nicht allen, bei Besprechungen laut zu werden. Stimmt ja auch: Die Leute, die sich auf Konferenzen wild um jeden Begriff streiten, geben kein schönes Bild ab. So möchte man nicht sein. Außerdem würde es auch nicht viel bringen. Ein ruhig und besonnen vorgetragener Gedanke würde glatt untergehen.

Eine gute Idee viel versprechend anzubringen ist vor allem eine Sache des Timings. Gut geeignet ist das letzte Drittel einer Konferenz - wenn den Laut- und Wichtigsprechern die Puste ausgeht, die Lösung des Problems aber weiterhin offen im Raum steht. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt zu sagen, was Sie sich überlegt haben, welche Vorteile diese Vorgehensweise hätte, wo noch nachgebessert werden müsste und welchen Zeitplan Sie kalkuliert haben. Danach können Sie noch in Ruhe anhören, wie die Lautsprecher darüber streiten, wer Ihre Idee sowieso immer schon hatte - aber dann wird beschlossen, was Sie vorgeschlagen haben.

Bei Projekten

2. Bei spannenden Projekten solltest du dich nicht aufdrängen. Das tut man nicht, und die Kollegen finden das auch nicht besonders sympathisch.

Sie müssen gar nicht laut "Hier!" schreien. Neue Projekte werden in der Regel nicht wie auf dem Fischmarkt vergeben. Bevor es losgeht, werden Arbeits- oder Entwicklungsgruppen gebildet. In solche Teams kommen Sie am ehesten, wenn Sie zuvor durch gute Ideen aufgefallen sind, wenn Sie Ihrer Chefin signalisieren, dass Sie Lust auf Neues haben und bereit sind, sich noch neben Ihrem Job Gedanken zu machen.

Ob Sie bei dem anstehenden Projekt eine entscheidende Rolle spielen werden, hängt zunächst von Ihnen ab: Nicht alles, was neu und spannend ist, passt auch zu Ihren persönlichen Stärken. Wenn Sie aber merken, dass Sie dort ungeahnte Talente entwickeln könnten, dann sprechen Sie mit Ihren Vorgesetzten darüber. Falls die es bis dahin nicht schon selbst gemerkt haben.

Mit besonderem Engagement

3. Abends lange arbeiten, zusätzliche Aufgaben und jede Form von besonderem Engagement behältst du besser für dich. So was hängt man nicht an die große Glocke, gehört sich einfach nicht.

Wirklich: Wer mag schon, wenn die Kollegin zum x-ten Mal überdeutlich darauf hinweist, wie lange sie gestern Abend wieder gesessen hat, um wegzuarbeiten, was den Tag über liegen geblieben ist. Wer mag schon, wenn jemand unerträglich eitel von einem Samstagnachmittag im Büro berichtet, an dem man ja so viel erledigen kann, weil nicht dauernd jemand stört.

Andererseits kann es auch nicht sein, dass Sie fortgesetzt bis in die Abendstunden bei der Arbeit sind und niemand davon Notiz nimmt. Darüber müssen Sie mit Ihrer Chefin oder Ihrem Chef reden. Und vorher gut überlegen, was Sie mit diesem Gespräch erreichen wollen: runter von Ihren Überstunden? Dann sagen Sie es auch klar und deutlich, und sagen Sie ebenso klar und deutlich, welche Aufgaben Sie in Zukunft nicht mehr machen werden.

Oder geht es Ihnen darum weiterzukommen? Dann sollten Sie zum Ausdruck bringen, dass Ihre Mehrarbeit genau diesen Grund hat: dass Ihr bisheriger Job Sie nicht länger ausfüllt und dass Sie durchaus bereit sind, künftig mehr und andere Aufgaben zu übernehmen. Nicht "mehr" im Sinne von noch länger arbeiten, sondern im Sinne von mehr Verantwortung.

Mit unserem Marktwert

4. Es gibt Leute, die machen eine Weiterbildung, haben einen Coach oder bewerben sich einfach mal so, um ihren Marktwert zu testen. Lass bloß die Finger davon, so was bringt dich nur auf dumme Gedanken.

Stimmt schon, es können einem wirklich alle möglichen Gedanken kommen, wenn man sich überlegt, was man eigentlich noch so alles tun könnte - außer dem Job, den man gerade macht. Ist ein Risiko. Aber das muss ja grundsätzlich nicht dumm sein. Schon an Weiterbildung gedacht? Hört sich anstrengend an, aber vielleicht könnte sich auf der einen oder anderen Veranstaltung herausstellen, wo die eigenen Stärken auf dem Stellenmarkt gerade gefordert sind und wie wir ein wenig an unseren Schwächen arbeiten könnten.

Am Rande solcher Veranstaltungen trifft man am Ende noch ein paar Leute, die ähnlich interessiert sind und interessante Sachen zu berichten haben: wie, wann und warum sie sich einen Coach genommen haben, wann, wie und warum sie sich aus einem festen Job heraus einfach mal so beworben haben und welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben. Man muss die Wochenenden ja nicht ständig so verbringen, aber ab und zu? Wer weiß, wann Sie in die Verlegenheit kommen, sich gut verkaufen zu müssen. Vielleicht schon morgen...

Mit unterdrückter Kritik

5. Alles, was in einer Firma schlecht läuft, hat bestimmt einen guten Grund. Aber sprich besser nicht mit deinen Chefs darüber. Höchstens mit deinen Kolleginnen in der Kantine.

Tatsächlich wird in der Mittagspause gelästert, nicht immer fair, nicht immer fein. Zumeist über Kollegen. Das ist in Grenzen auch gut so, das dient der Psycho- Hygiene - irgendwo muss man ja hin mit dem Frust. Darüber hinaus gibt es aber in jeder Organisation Dinge, die nicht rund oder schlichtweg falsch laufen. Dafür gibt es speziell ausgebildete und extrem erfahrene Experten. Sie zum Beispiel. Niemand kennt Ihren Job besser - keine neue Erkenntnis, aber sie stimmt: Vorgesetzte, die zwei bis drei Hierarchiestufen über Ihnen arbeiten, können nicht wissen, warum bestimmte Abläufe nicht funktionieren. Das wissen Sie einfach besser. Und Sie wissen sicher auch, wie man es besser machen kann. Das sollte Ihr Vorschlag beim nächsten Mittagessen mit Kolleginnen in der Kantine sein und das erste Thema bei Ihrem nächsten Chef-Gespräch.

So was ist beste PR in eigener Sache, weil es Ihnen nur um den Job geht, nicht um Personen. Und weil Abläufe, die nicht rund laufen, alle nerven. Genau das können Sie dann übrigens auch getrost denjenigen mitteilen, die argwöhnen, Sie wollten sich ja nur persönlich profilieren.

Bei der Karriere-Frage

6. Bevor du auch nur ansatzweise über so etwas wie "Karriere" nachdenkst, solltest du erst mal gründlich überlegen, ob du deinen jetzigen Job überhaupt richtig im Griff hast.

Gar nicht mal verkehrt, so vorzugehen. Vielen Leuten, die Karriere gemacht haben, hätte diese Überlegung ganz gut getan, wie wir alle wissen. Und genau das sollte der wirkliche Ansatzpunkt für Ihre KarriereÜberlegungen sein: Haben Ihre Vorgesetzten ihren Job jederzeit im Griff? Sind die wirklich so doll? Betreiben sie undurchschaubare Zauberei, oder machen sie vielleicht einfach auch nur ihren Job - allerdings unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der eben durch eine andere Arbeitsplatzbeschreibung gekennzeichnet ist?

Was noch hilfreich ist: Erinnern Sie sich mal an die Zeit, als Sie neu in der Firma waren und die traumwandlerische Sicherheit und Souveränität Ihrer Kolleginnen bewundert haben. Und wie Sie dachten: Das schaffe ich nie . . . Jetzt machen Sie Ihren Job mit ebendieser Sicherheit und Souveränität. Und den nächsten auch und den übernächsten. Oder wollen Sie etwa nicht?

Mit unserer Ehrlichkeit

7. Sollte dich jemand aus der Firma fragen, ob du dir grundsätzlich mal eine weiterführende Position vorstellen könntest: Sage einfach, du wüsstest ja nicht, was dich da erwartet. Ehrlich währt am längsten.

Korrekt, ehrlich währt am längsten. Sie wissen nicht im Detail, was Sie erwartet, wenn Sie in einen neuen Job wechseln, schon gar nicht, wenn Sie einen Schritt nach oben machen. Und tatsächlich müssen Sie genau abwägen: Wie viel Neues reizt mich, wie viel Neues macht mir Angst, wie viel Neues lähmt mich schon bei der bloßen Vorstellung, etwas könnte neu sein? Das sollte jedoch Ihre ganz private und rein persönliche Abwägung sein.

Rein professionell gesehen, ist ein Jobangebot ja zunächst ein Ausdruck von Wertschätzung: Wir kennen Sie, wir haben von Ihnen gehört, wir arbeiten gern mit Ihnen zusammen. Dafür sollten Sie sich bedanken und versprechen, das Angebot sorgfältig zu prüfen: indem Sie mit Ex- Kolleginnen sprechen, die diesen Schritt schon hinter sich haben. Indem Sie sich vorstellen, dass Sie gerade den neuen Vertrag unterschrieben haben, und in sich hineinhorchen, wie Sie sich jetzt, in diesem Augenblick, wohl fühlen würden. Und indem Sie überlegen, warum gerade Sie dieses Angebot bekommen haben: weil die für den Job niemand anderen gefunden haben? Oder weil Sie echt gut sind? Überlegen Sie mal. Ganz in Ruhe.

Text: Mark Kuntz BRIGITTE Heft 25/2006

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