Kritik im Job? So reagieren Sie richtig!

Der Chef zerreißt Ihren Entwurf, eine Kollegin lästert über Ihren unordentlichen Schreibtisch. Niemand hört so was gern. Aber Kritik im Job ist kein Grund, sich unterkriegen zu lassen.

Kritische Hinweise können (sachlich überdacht) durchaus ganz nützlich sein fürs eigene Fortkommen. Denn Kritik ist in Wahrheit Feedback, und ohne Feedback läuft im Job gar nichts. Wir brauchen es, aber wir müssen es entschlüsseln.

"Ich stehe zu mir"

Was besonders schmerzt: Kritiker machen klar, wer wo steht. Sie oben, die Gemaßregelten unten. Selbst wenn im Team alle gleichberechtigt sind, entsteht durch Kritik eine gewisse Hierarchie. Aber jetzt kuschen und buckeln? Ungeeignet. Sich fit machen für Kritik ist so wichtig wie die täglichen Vitamine gegen Schnupfen. Und es ist gar nicht mal schwer. Der wichtigste Satz, der selbst gegen aggressivste Kritikviren immun macht: Ich stehe zu mir! Dieser Satz gilt immer. Auch dann noch, wenn einem schon der Stuhl vor die Tür gestellt wurde - was ja die vernichtendste aller Kritik-Varianten ist. Ich stehe zu mir ist der ideale Schutzschild gegen den Generalangriff auf unser Selbstbewusstsein.

Wie Sie das hinkriegen? Stellen Sie sich Ihr angegriffenes Ego als eine schutzlose Person vor, der jemand Unrecht tut. Und sagen Sie ihr: Keine Angst, ich stehe zu dir. Was auch passiert: Du bist okay! Und wenn die Kritik berechtigt ist? Dann erst recht. Bedeutet ein Fehler etwa den Weltuntergang? Müssen wir uns für eine verfehlte Präsentation erschießen? Natürlich nicht. Die Kritik ist ein Stöckchen, das uns jemand hinhält. Wie wir drüberspringen, ist unsere Sache: Wir können zusammenbrechen, ängstlich zurückweichen, uns entsetzlich ärgern - und dem anderen eine Art Machtrausch bescheren. Oder wir stehen zu uns und prüfen das Stöckchen genau. Vielleicht hilft es uns ja ans Ufer, hin zu einer besseren Idee. Ich steh zu mir - ein Trick, den Sie allerdings besser für sich behalten sollten. Wer tatsächlich mal Murks produziert hat, sollte nicht ausstrahlen: Mir doch egal, was andere von mir halten. Also jetzt kein Widerspruch, sondern Einsicht zeigen: Ich werde drüber nachdenken. Und Kopf hoch! Lächeln wie fürs Passfoto. Hinterhältige Angriffe lässt man so ins Leere laufen. Und ernsthafte Kritiker erkennen daran Leistungsbereitschaft und Selbstvertrauen.

Reagieren Sie richtig!

Es gibt tausend Gründe für Kritik. Berechtigte: Sie kommen ja schon wieder zu spät! Unangebrachte: Mit der Frisur können Sie hier aber nicht bedienen! Fiese: Wo haben Sie bloß Ihr Gehirn abgegeben? Motivierende: Wunderbarer Einstieg. Aber der Schluss... Hinterhältige: Eins können Sie wunderbar, immer genau danebenliegen.Und aufrichtige: Sie haben den Kern noch nicht ganz getroffen.

Wer die Übung Ich stehe zu mir! beherrscht, kann in solchen Situationen schneller reagieren. Das ist schon deshalb wichtig, weil Kritik sich selten so langfristig anmeldet, dass wir erst mal auf dem Klo verschwinden und die richtige Antwort überlegen können.

Bei fairen Hinweisen: freundlicher Dank und die beanstandeten Dinge ändern. Gegen übertriebene, unsachliche Kritik hilft die Methode "Zitieren und Wiederholen": Es war also eine Katastrophe, was ich abgeliefert habe. Der Angreifer fühlt sich höchstwahrscheinlich bei seiner Übertreibung ertappt und relativiert das Ganze von allein: Na ja, so schlimm war es nun auch wieder nicht. Und eine Variante, die Sie in die Offensive bringt: Sie meinen also, ich habe keinen Moment nachgedacht?

Versäumnisse? Geben Sie den Fehler zu: Es tut mir Leid, ich werde das abstellen. Nicht zurückschlagen: Aber Sie haben das doch auch schon mal vergessen. Angriff ist hier nicht die beste Verteidigung. Zumal, wenn Sie wissen, dass etwas nicht ganz in Ordnung war.

Wichtig bei jeder Entgegnung: kein "Aber"! Dieses Widerwort bringt den Kritiker erst so richtig in Schusslaune. Er lädt nach, beweist nun leidenschaftlich, wie berechtigt seine Anmerkungen sind. Ein kurzer Dank dagegen nimmt jedem Angriff sofort die Spitze: Gut, dass Sie mir das so deutlich gesagt haben, damit kann ich nun viel besser weitermachen.

Sehr effektiv bei dümmlicher Anmache ist Schlagfertigkeit: Sie haben einen Fleck auf der Hose. - Richtig beobachtet, hinten ist noch einer!

Aus Fehlern lernen

Grundsätzlich gilt für den Umgang mit allen Typen von Kritikern die asiatische Weisheit: Die Hand, die du nicht abhacken kannst, schüttle sie! Soll heißen: den Gegner zum Freund machen. Dem Kritiker ist es oft selbst unangenehm, was er da vorbringt. Darum ist er wahnsinnig erleichtert, wenn er nicht, wie erwartet, auf Feindseligkeit, sondern auf Verständnis stößt: Toll, dass Sie die Sache noch mal gecheckt haben. Vier Augen sehen eben mehr als zwei. Ebenso kann Respekt, falls angebracht, das Klima nur verbessern: Ich verstehe Ihre Kritik schon; aus Ihrer Sicht muss es ja so aussehen. Angriffe nahe der Gürtellinie - Sie Niete, das kann selbst mein Fünfjähriger noch besser - sollten Sie allerdings entsprechend parieren: Vielleicht haben Sie in der Sache Recht, aber so lasse ich nicht mit mir reden. In solchen Fällen gilt noch mehr als sonst: Ich stehe zu mir. Das heißt auch: Ich behalte meine gute Laune. Aus Fehlern kann man lernen. Und wenn es der war, überhaupt mit diesem cholerischen Menschen zusammenzuarbeiten.

Wer Kritik richtig abfängt, kann im Job Punkte machen. Oft sind es nur kleine Änderungen, die den Kritiker glücklich machen. Das habe ich mir aber ganz anders vorgestellt, bekam beispielsweise eine junge Reisejournalistin zu hören, nachdem sie ihre erste Reportage abgegeben hatte. Tief erschüttert dachte sie zunächst, nun müsse sie das Metier wechseln. Aber dann hat sie sich hingesetzt, an drei oder vier Stellen im Text etwas gestrichen, hinzugefügt und umgestellt. Nächster Kommentar: Toll! Dieses Stück ist wirklich rund! Da merkt man doch gleich, dass Sie sich jetzt richtig viel Arbeit gemacht haben.

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