Steuererklärung: Schummeln erlaubt?

Bei der Steuererklärung ist Schummeln leicht, vor allem bei den Werbungskosten. Warum man es trotzdem lassen sollte - und was steuerlich absetzbar ist.

Ein wichtiger Unterschied zwischen Mathe für die Schule und Mathe fürs Leben: In der Schule versucht man, die Zahl auszurechnen, die in der Lösungsskizze des Lehrers steht. Bei der Steuererklärung versucht man, eine möglichst hohe Zahl auszurechnen, die man als absetzbare Kosten geltend machen kann. Statt einer guten Note wird man dann mit einer Steuerrückzahlung belohnt. In beiden Fällen ist es allerdings unangenehm, wenn man beim Schummeln erwischt wird.

Dabei ist gerade bei der Steuererklärung das Schummeln leicht, schließlich gibt es keinen Lehrer, der ständig den Blick über unsere Köpfe schweifen lässt. Während ich meinen Schuhkarton mit den Belegen durchwühle, die sich im vergangenen Jahr angesammelt haben, ergeben sich gleich zig Gelegenheiten: Ich könnte das Zugticket nach Stuttgart als Dienstreise absetzen - obwohl ich dort nur eine Freundin besucht habe. Ich könnte einen Schmöker mit dem Argument absetzen, ich hätte ihn für berufliche Zwecke gebraucht - obwohl ich ihn extra für den Strand gekauft habe. Oder den Beleg von dem Abend in der Kneipe mit einer Kollegin - obwohl wir da nicht über die Arbeit gesprochen haben.

Damit wäre ich zwar nicht in guter, aber zumindest in großer Gesellschaft: Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft (DStG) schätzt, dass etwa 50 Prozent der Deutschen weniger Steuern zahlen, als sie eigentlich müssten. Und das ist wahrscheinlich noch eine vorsichtige Schätzung. Oder haben Sie noch nie Ihren Weg zur Arbeit um zwei, drei Kilometer weiter gemacht, als er tatsächlich ist? Noch nie der Putzfrau das Geld bar und ohne Rechnung in die Hand gedrückt? Noch nie einen nichtrauchenden Mitreisenden beschwatzt, eine Stange Zigaretten aus dem Duty-Free-Laden für Sie zu transportieren? Im Grunde sind wir alle potenzielle Zumwinkels.

Andererseits: Wie wahrscheinlich ist es, dass die Finanzbeamten von den vielen Millionen Steuererklärungen dieses Jahr ausgerechnet meine genauer prüfen? Jede Erklärung, heißt es bei der Hamburger Finanzbehörde, wird auf Plausibilität geprüft. Das bedeutet: Wer von einem geringen Gehalt plötzlich teure Reisen absetzt oder wer für die Fahrt zum Arbeitsplatz mehr Kilometer berechnet als im Vorjahr, gerät ins Visier der Beamten.

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Je mehr ein Steuerzahler absetzt, desto eher schöpft das Finanzamt Verdacht, und wer in Norddeutschland wohnt, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit überprüft als jemand in Süddeutschland: Für die reicheren südlichen Bundesländer lohnt es sich nämlich nicht, jeden Steuer-Cent einzutreiben, weil sie einen Teil davon über den Bund-Länder-Finanzausgleich wieder abgeben müssten.

Am gründlichsten werden in ganz Deutschland die Einkommensmillionäre überwacht. Aber viele Steuersünder werden auf einem ganz anderen Weg überführt: "Ein erheblicher Teil der Straf- und Bußgeldverfahren wird durch anonyme Anzeigen ehemaliger Geschäfts- oder Ehepartner angestoßen", sagt der Berliner Steuerrechts-Experte Andreas Böhm. Trotzdem: Rund 90 Prozent der Steuerhinterziehungen werden nie aufgedeckt, schätzt die DStG.

Ich bin weder Einkommensmillionär noch habe ich mir - soweit ich weiß - Feinde gemacht, die mich beim Finanzamt anschwärzen würden. Ich nehme die Quittung für den Krimi noch einmal aus meiner Belegkiste. Seit Jahren nehme ich mir vor, eines Tages einen Roman zu schreiben. Ist doch klar, dass ich da die Konkurrenz im Auge behalten muss. Vielleicht sollte ich einfach mal testen, ob das Finanzamt die Begründung schlucken würde?

Keine gute Idee, findet Rechtsanwalt Böhm. Schon ein einziger Beleg, den das Finanzamt nicht anerkennt, reicht theoretisch aus, damit aus dem braven Bürger ein Steuersünder wird. Zumindest, wenn er vorsätzlich handelt. Das ist aber schon dann der Fall, wenn er vom Steuerrecht keine Ahnung hat und Belege einfach auf gut Glück einreicht. Denn der Staat setzt voraus, dass seine Bürger sämtliche Steuergesetze kennen. Wer nicht regelmäßig im Bundesgesetzblatt schmökert, muss eben einen Experten fragen.

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Mein Kopfkino springt an. Muss ich dann damit rechnen, dass ich auch Besuch von den Steuerfahndern bekomme? Dass fremde Beamte sich durch meine Wäscheschubladen wühlen und mich unter neugierigen Blicken der Nachbarn abführen? "Ziemlich unwahrscheinlich", beruhigt mich Dieter Ondracek von der DStG. Denn in der Regel fahren die Beamten erst dann los, wenn sich der Staat um mindestens 5000 Euro geprellt sieht. Puh. Das Buch hat ja insgesamt nicht mal zehn Euro gekostet.

Trotzdem würde ich nicht ungeschoren davonkommen, wenn meine Schummelei aufflöge, warnt Ondracek. Noch ein Unterschied zwischen Mathe in der Schule und Mathe bei der Steuererklärung: Das Finanzamt belässt es nicht bei einem Klassenbucheintrag. Stattdessen wird ein saftiges Bußgeld fällig.

Und außerdem: Wer Steuern hinterzieht, ist schuld an künftigen Steuererhöhungen. 30 Milliarden Euro gehen dem Staat jährlich an Einnahmen verloren, weil die Bürger Steuern hinterziehen. 30 Milliarden - knapp genauso hoch ist das Plus in der Haushaltskasse nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer. Ich fand es auch blöd, als im letzten Jahr plötzlich alles um zwei Prozentpunkte teurer wurde. Aber rein theoretisch hätten uns die ganze Steuererhöhung sparen können, wenn stattdessen alle Leute ordentlich ihre Steuern zahlen würden.

Ziemlich utopisch, ich weiß. Trotzdem gewinnt an dieser Stelle die Idealistin in mir die Oberhand. Ich werfe meine Buchquittung, meinen Fahrschein nach Stuttgart und meinen Bewirtungsbeleg in den Mülleimer. Schließlich fand ich Schummeln auch schon in der Schule blöd.

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Werbungskosten - so ist es richtig

  • Bücher, Reisen oder Gastronomierechnungen können als sogenannte Werbungskosten von der Steuer absetzbar sein. Was das ist, steht in § 9 Absatz 1 Einkommenssteuergesetz: "Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen".
  • Wer nur Freunde besucht, kann demnach das Zugticket nicht einreichen - anders ist es, wenn ein Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch in eine andere Stadt fährt.
  • Wer einfach nach Dienstschluss mit Kollegen in die Kneipe geht, verbessert zwar das Arbeitsklima, aber etwas konkreter muss der Bezug zur Arbeit schon sein: Als Werbungskosten absetzbar wäre etwa eine Restauranteinladung an den Geschäftspartner nach einem erfolgreichen Geschäftsabschluss.
  • Wer einen Krimi absetzen will mit dem Argument, er wolle selbst einen schreiben, muss das schon nachweisen können. Direkten Bezug zur Arbeit hat dagegen Fachliteratur: ein Rhetorik-Ratgeber, wenn man beruflich häufig Vorträge halten muss, ein Wörterbuch, wenn man mit Texten in Fremdsprachen arbeitet oder das Abo einer Fachzeitschrift.

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Steuerspartipps 2008

  • Handwerker: Sie haben in letzter Zeit Ihr Wohnzimmer streichen oder Ihre Badezimmerfenster austauschen lassen? Dann können Sie die Handwerkerkosten von der Steuer absetzen. Mieter und Eigentümer dürfen 20 Prozent der Rechnungssumme (maximal 3.000 Euro ohne Materialkosten!) für Arbeiten in der selbstgenutzten Wohnung geltend machen.
  • Computer: Auch Überstunden am heimischen Computer haben ihre Vorteile. Wer nämlich außerhalb seiner Arbeitszeit für berufliche Zwecke einen Computer benötigt, kann mindestens die Hälfte des Kaufpreises als Werbungskosten geltend machen. Kostet der Rechner mehr als 410 Euro, müssen die Anschaffungskosten auf drei Jahre verteilt werden.
  • Kinderbetreuung: Kinder können im wahrsten Sinne eine Bereicherung sein. So dürfen Berufstätige oder Alleinerziehende ein Drittel der Betreuungskosten (maximal 4000 Euro) für jedes ihrer unter 14 Jahre alten Kinder geltend machen. Haben sie Kinder im Alter zwischen drei und fünf Jahren können auch Eltern, die nicht arbeiten, zwei Drittel der Betreuungskosten absetzen.
  • Altersvorsorge: Wer privat fürs Alter vorsorgt, kann schon heute davon profitieren. Rund 28 Prozent der eigenen gesetzlichen Rentenversicherungsbeiträge können im Rahmen des Sonderausgabenabzugs steuerlich geltend gemacht werden.
  • Kilometergeld für Vermieter
  • Eigentümer von Mietwohnungen und Mietshäusern dürfen Fahrtkosten absetzen. Wenn sie beispielsweise zum Baumarkt fahren, um Material für Renovierungsarbeiten zu kaufen, oder gelegentlich ein Auge auf das Haus oder die Wohnung werfen, dürfen sie jeden gefahrenen Kilometer mit 0,30 Euro geltend machen.

Noch mehr Steuertipps finden Sie unter konz-steuertipps.de.

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Fristen für die Steuererklärung

Jedes Jahr das gleiche Drama: Die Steuerklärung muss gemacht werden. Für die meisten eine lästige und langweilige Angelegenheit, die sie gerne vor sich herschieben - bis es zu spät ist. Doch wann genau ist eigentlich "zu spät"? Zunächst muss unterschieden werden zwischen Steuerzahlern, die verpflichtet sind eine Steuerklärung zu machen, und Steuerzahlern, die sie freiwillig machen.

Zu den Steuererklärungspflichtigen gehören Selbstständige und Rentner. Angestellte sind hingegen nur unter besondere Umstände verpflichtet eine Steuererklärung zu machen, zum Beispiel wenn sie bei mehr als einem Arbeitgeber beschäftigt waren, wenn sie Kranken- oder Arbeitslosengeld erhalten, noch andere Einkünfte von mehr als 410 Euro bezogen oder als Ehepartner auf Lohnsteuerklasse V gearbeitet haben. Wer zu dieser Gruppe zählt, muss seine Erklärung bis zum 31. Mai 2008 abgeben - eigentlich. Denn oft lässt sich die Abgabefrist mit entsprechender Begründung (zum Beispiel: Fehlen von Belegen, längere Krankheit, hohe Arbeitsbelastung) verlängern. Wer sein zuständiges Finanzamt schriftlich um eine Verlängerung bittet, dem wird meist problemlos eine Fristverlängerung gewährt. Alle anderen, also diejenigen, die nicht zu einer Steuerklärung verpflichtet sind, können sich ohnehin mehr Zeit lassen. Sie dürfen ihre Steuererklärung bis zu vier Jahre später einreichen.

Wenn Sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, diese aber weder am 31. Mai eingereicht noch eine Fristverlängerung beantragt haben, wird Sie das Finanzamt zunächst schriftlich erinnern. Meist kommt diese Erinnerung Ende Juni. Wenn Sie darauf nicht reagieren, müssen Sie damit rechnen, dass das Finanzamt Ihre Besteuerungsgrundlage schätzt und sich an den Werten Ihrer Steuererklärung aus dem vergangenen Jahr orientiert. In diesem Fall müssen Sie mit Nachzahlungen rechnen.

Wesentlich unangenehmer kann es allerdings für Sie werden, wenn das Finanzamt mit einer Bestrafung, einem sogenannten Verspätungszuschlag droht. Dieser kann unterschiedlich hoch ausfallen, je nach Dauer und Häufigkeit der Verspätung.

Text: Swantje Wallbraun

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