Studie: Wie Musliminnen bei der Jobsuche diskriminiert werden

Eine wissenschaftliche Studie belegt: Frauen mit türkischem Namen werden bei der Jobsuche diskriminiert. Umso mehr, wenn sie Kopftuch tragen.

Eine Frau, zwei Namen, einmal mit, einmal ohne Kopftuch. Eine Studie zeigt: Herkunft und Religion beeinflussen die Berufschancen einer Frau in Deutschland massiv - bei identischer Qualifikation.  


Die Erfolge von AfD und Pegida, "Wir-sind-das-Volk"-skandierende Nazis, in Brand gesetzte Flüchtlingsunterkünfte: Das sind nur die augenfälligen und besonders hässlichen Symptome des in Deutschland herrschenden Rassismus.

Doch es gibt auch die subtilen Seiten der Fremdenfeindlichkeit: Eine wissenschaftliche Studie hat belegt, dass Frauen mit türkischem Namen auf dem Arbeitsmarkt massiv benachteiligt werden.

Frauen mit Kopftuch müssen mindestens viermal so viele Bewerbungen schreiben

Tragen die Frauen Kopftuch, werden sie bei identischer Qualifikation noch seltener zum Vorstellungsgespräch eingeladen als Mitbewerberinnen mit deutschem Namen: Für eine Einladung müssen sie mehr als viermal so viele Bewerbungen verschicken.

Zu diesem Ergebnis kommt die Studie der Ökonomin Doris Weichselbaumer von der Universität Linz. Sie verschickte fast 1500 fiktive Bewerbungen an Unternehmen in Deutschland und analysierte die Rückmeldungen der Personalabteilungen.

Der Test: "Sandra Bauer" vs. "Meryem Öztürk"

Während auf Bewerbungen mit dem Namen Sandra Bauer in 18,8 Prozent der Fälle eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch folgte, erhielten von den identischen Bewerbungen mit dem türkischen Namen Meryem Öztürk nur 13,5 Prozent eine positive Rückmeldung. Trug Meryem Öztürk auf ihrem Bewerbungsfoto ein Kopftuch, sank die Rate für eine positive Antwort auf 4,2 Prozent. Erst nach 4,5-mal so vielen Bewerbungen kommt bei ihr ein Bewerbungsgespräch zustande.

Diskriminierung nimmt mit steigender Qualifikation zu

Die Schwierigkeiten von Migrantinnen auf dem Arbeitsmarkt werden oft einer geringeren Qualifikation zugeschrieben. Doch die Studie zeigt auch: Selbst hier aufgewachsene Bewerberinnen mit besten Deutschkenntnissen und Qualifikationen haben wesentlich geringere Chancen als Frauen mit deutschem Namen.

Für eine Stelle in der Bilanzbuchhaltung musste die kopftuchtragende Meryem Öztürk 7,6-mal mehr Bewerbungen verschicken als Sandra Bauer, während bei der Bewerbung um eine Stelle als Sekretärin die Ungleichbehandlung bei einem Faktor von 3,5 lag. Offenbar werden Musliminnen für Positionen mit höherem beruflichen Status in Deutschland immer noch vergleichsweise selten in Betracht gezogen.

Der Appell der Wissenschaftlerin

 „Im Westen wird das Augenmerk stets auf die Situation von Frauen in muslimischen Kulturen gerichtet, selten jedoch beschäftigen wir uns mit der Diskriminierung von Musliminnen durch die westliche Gesellschaft“, kritisiert Weichselbaumer.

Angesichts der aktuellen Migrationsströme sei es unerlässlich, die enormen Schwierigkeiten abzubauen, denen muslimische Kandidatinnen ausgesetzt sind, wenn sie sich im deutschen Arbeitsmarkt integrieren wollen – was ja auch von ihnen erwartet wird.

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