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Tipps von der Bewerbungs-Expertin


Bei einer Bewerbung sollte man keine Fehler machen. Doch woher Tipps holen? Zum Glück gibt es unsere Bewerbungs-Expertin Svenja Hofert, die eure Fragen im Forum beantwortet -

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Tipps von der Bewerbungs-Expertin
© Svenja Hofert

Sehr viele Dinge sind wichtig, wenn man eine ordentliche Bewerbung schreiben will. Doch auf was muss man wirklich alles achten? Wie muss noch mal genau das Bewerbungsfoto aussehen und wie sollte ich mich im Bewerbungsgespräch am besten verhalten? >> Hier könnt ihr eure Fragen rund um das Thema Bewerbung stellen, Karrierecoach Svenja Hofert beantwortet sie euch.

Zur Person

Svenja Hofert betreibt ein Coachingbüro in Hamburg. Sie ist eine der erfolgreichsten Autorinnen verschiedener Ratgeber und Praxisbücher Deutschlands. Sie ist nicht nur unsere neue BYM.de-Bewerbungsexpertin, sondern auch Karriereberaterin für viele namhafte Unternehmen und Privatkunden. Die Historikerin mit buntem Lebenslauf verfügt über mehrjährige Praxis in Personalberatungsfirmen und war selbst Führungskraft. Sie hat sich vor allem auf die Bereiche Marketing, Vertrieb, IT sowie "Patchworkkarrieren" spezialisiert.

Interview

BYM.de: Überall ist Besonderheit gefragt, sich von der Masse abzuheben das Ziel - auch in der Arbeitswelt. Ist die klassische Bewerbung also nicht mehr gefragt?

Svenja Hofert: Doch, natürlich ist die klassische Bewerbung immer noch gefragt. Dabei darf man das Wort klassich aber nicht missverstehen:

die

klassische Bewerbung, die wie ein eisernes Gesetz Gültigkeit hat, gibt es nicht. Aber die Bewerbung, aus der der Entscheider sofort ersehen kann, wie er einen Bewerber im Unternehmen einsetzen kann, in der also die Fähigkeiten des Bewerbers optimal herausgearbeitet sind, die ist immer noch gefragt – oder sogar mehr als je zuvor.

BYM.de: Wie sieht dieses "Abheben von der Masse" konkret aus? Wie können sich Bewerber besonders hervortun?

Svenja Hofert: Zunächst einmal sollten Sie nicht einfach aus den Büchern meiner Kollegen Hesse/Schrader, Püttjer/Schnierder und bitte auch nicht aus meinem abschreiben, sondern kreativ eine individuelle und auf das Unternehmen zugeschnittene Bewerbung verfassen. Starten Sie zudem nicht mit Floskeln wie "Hiermit bewerbe ich mich". Wer wahllos Serienbriefe versendet, kann das Geld auch sparen. Wichtig ist: Sie sollten wissen, warum Sie sich gerade bei diesem Unternehmen bewerben wollen. Verschwenden Sie den wichtigen ersten Satz nicht für nichtssagende Äußerungen, sondern nutzen Sie ihn, um neugierig zu machen.

Tipps von der Bewerbungs-Expertin
© Svenja Hofert

BYM.de: Wie gut kommen Initiativbewerbungen an - werden diese überhaupt gelesen?

Svenja Hofert: Da muss man unterscheiden: Initiativbewerbungen - und das sind keine Blindbewerbungen, die ähnlich den gesichtslosen Serienbriefen en gros auf die Post getragen werden - bieten sich für Berufseinsteiger oft eher bei kleineren Unternehmen an. Je ausgefeilter Ihr berufliches Profil und je klarer Ihr Verkaufsvorteil desto mehr lohnen Sie sich - vor allem wenn Zeitung oder andere Quellen erahnen lassen, dass das Unternehmen Bewerber mit Ihren Kenntnissen und Erfahrungen brauchen könnte. Wichtig auch hierbei: Sie sollten bei dem Unternehmen, bei dem Sie sich initiativ bewerben, anrufen und zunächst den potentiellen Bedarf abklären. Und dann erst eine konkret zugeschnittene Bewerbung hinschicken.

BYM.de: Wie wichtig sind Beziehungen, so genanntes "Vitamin B"? Viele Stellen werden doch unter der Hand vergeben. Wie sollte man sich am Besten verhalten, wenn man von so einer Stelle hört?

Svenja Hofert: Beruflicher Erfolg, so hat man ermittelt, gründet zu 10 Prozent im eigenen Wissen, zu 30 Prozent in der Selbstdarstellung und zu 60 Prozent in Kontakten, also Vitamin B. Darauf muss man sich einstellen. Der Aufstieg zum Beispiel vom Aldi-Filialleiter zum Event-Manager ist ohne solche Kontakte gar nicht denkbar. Wenn Sie sich "unter der Hand" auf eine Stelle bewerben wollen, sollten Sie natürlich versuchen, Kontakte zu nutzen. Aber Vorsicht, Sie sollten auch prüfen, wie tauglich diese Kontakte sind.


Svenja Hofert: Die großen Firmen haben Recruiter, die die Bewerbungen formal mit ihren Stellenprofil-Listen vergleichen und abhaken. Hier sollte man eine möglichst klar strukturierte und einfache Darstellungsform wählen. Es ist auch wichtig, genau auf die Anforderungen im Stelleninserat einzugehen und sich nicht allzu kompliziert auszudrücken. Bei kleinen Firmen entscheidet in der Regel der Chef selbst: hier können Sie mehr auch zwischen den Fakten beeindrucken, etwa durch einen optischen Wiedererkennungswert oder kreative Herangehensweise. Die Leidenschaft, mit der das eigene Interesse an dieser Firma "rübergebracht" wird, ist hier noch wichtiger als bei den Top-Konzernen. Stets jedoch sollten Sie auf den roten Faden achten, der sich durch die gesamte Bewerbung zieht.BYM.de: Wie sichtet ein Arbeitgeber die Vielzahl der Bewerbungen? Gibt es ein einheitliches System, welche Elemente er sich besonders gut und vor allem zuerst anschaut?

BYM.de: Wenn dem Bewerber die Entscheidung überlassen wird, sich per Post oder online zu bewerben, welche Variante würden Sie empfehlen?

Svenja Hofert: Auch hier kommt es wieder auf die Branche und die Größe des Unternehmens an. Grundsätzlich gilt, dass die schriftliche Darstellungsform besser wirkt, weil mehr gestalterische Optionen zur Verfügung stehen. Aber wenn eine Mail oder das Ausfüllen des Online-Formulars gefordert sind, so nutzen Sie dies bestmöglich: E-Mail-Bewerbungen sollten beispielsweise nicht zu groß sein (weniger als 2 Megabyte) und PDF-Anhänge enthalten. Bei freier Entscheidung würde ich aber immer eher zur schriftlichen Bewerbung raten.

BYM.de: Wen sollte man bei seiner Bewerbung ansprechen? Die Personalabteilung oder gleich den Chef?

Svenja Hofert: Das hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wieviel Berufserfahrung besitzt der Bewerber? In welcher Branche ist das Unternehmen tätig? Wie groß ist das Unternehmen? Als Faustregel kann man sagen: Immer wenn Sie den Kontakt zu einem Fachverantwortlichen haben, sollten Sie diesen bevorzugen. Bei den meisten Unternehmen trifft die Personalabteilung nur eine Vorauswahl, die Entscheidung fällt der Fachverantwortliche. Viele kleine Unternehmen haben überhaupt keine Personalabteilung. Hier schreibt man dann an den Chef persönlich. Bei Stellenausschreibungen sprechen Sie bitte immer die genannten Kontaktpersonen an.

BYM.de: Wie sahen Ihre eigenen Bewerbungen aus?

Svenja Hofert: Seit sieben Jahren bin ich selbständig. Meine Positionen davor sind über persönliche Kontakte zustande gekommen, einmal habe ich eine kreative Bewerbung geschrieben und bin genommen worden. So viel musste ich mich also gar nicht bewerben. Aber schon während meines Studiums habe ich Bewerbungen für Freunde und Bekannte verfasst - das war der Anfang meiner Leidenschaft für das Bewerben und sich Selbst-Präsentieren.

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Literaturtipps

Manchmal muss man ungewöhnliche Wege gehen, um zum neuen Job zu kommen. Klassische Bewerbungen sind nicht mehr so gefragt wie früher. Svenja Hofert zeigt, wie man sich den gewünschten Job "erarbeitet", wie man richtig und geschickt mit Vitamin B umgeht und wie wichtig zum Beispiel eine Projektarbeit beim Einstieg sein kann.Svenja Hofert: Bewerben ohne Bewerbung. Alternative Erfolgsstrategien in schwierigen Zeiten. Eichborn, 2005. 232 Seiten. 16,90 Euro.

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Noch nicht überall, aber doch vermehrt ist Kreativität gefragt. Passend dazu zeigt dieses Buch, wie eine kreative Bewerbung aussehen sollte. Das Buch enthält erfolgreich getestete und kommentierte Musterbewerbungen, eine differenzierte Beratung zur Gestaltung von Anschreiben, Deckblatt und Lebenslauf im Mappenformat und Tipps zur kreativen Ideensuche. Svenja Hofert: Praxismappe für die kreative Bewerbung. Wie Sie auffallen und überzeugen. Eichborn, 2002. 128 Seiten. 15,90 Euro.

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Schritt für Schritt erklärt Svenja Hofert, wie man sich im Internet richtig bewirbt. Anhand von zahlreichen Musterbeispielen werden die Schritten noch verdeutlicht. Das Buch wendet sich an PC- und Online-Einsteiger, nicht an Profis. Besonders spannend: Das Buch beschäftigt sich auch mit der Crossmedia-Bewerbung, der Bewerbung, die traditionellen und moderne Elemente miteinander verknüpft.Svenja Hofert: Praxismappe für die perfekte Internet-Bewerbung. Eichborn, 2005. 92 Seiten. 19, 90 Euro.

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Das Buch erklärt in mehreren Schritten, wie eine 100%ige-Bewerbungsmappe erstellt wird. Wichtig dabei: Die Mappe muss zum Bewerber und seinen beruflichen Zielen in passen, die "Bewerber-Biografie" bildet deshalb den Hauptteil des Buches. Besonders hilfreich sind die zahlreichen Checklisten, Mustertexte und Beispiele. Svenja Hofert: Die 100%-Bewerbung. Incl. Internet Workshop. Gabal, 2004. 151 Seiten. 17,90 Euro.

Interview Frauke Hansen

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