Tipps zum Geld anlegen: Vorsicht, Renditekiller!

Geld wird nicht nur vernichtet, wenn die Börse kracht. Auch ein unkluger Umgang verhindert den Anlage-Erfolg. BRIGITTE-Finanzexpertin Helma Sick zeigt zehn Fallen beim Geld anlegen - und gibt Tipps, wie Sie sie umgehen.

1. Pessimismus

"Die Zeiten sind so unsicher, da kann ich doch mein Geld nicht längerfristig anlegen." Pessimismus ist beim Geldanlegen fatal: Wer immer nur Schlechtes für die Zukunft erwartet, lässt im Zweifelsfall das Geld auf einem Tagesgeld-Konto und kassiert dafür dann oft Zinsen, die niedriger sind als die Inflationsrate.

Besser: Behalten Sie nur eine "eiserne Reserve" auf dem Tagesgeld-Konto. Legen Sie das andere Geld länger und lukrativer an.

2. Unwissenheit und Bequemlichkeit

Dass alles zu kompliziert ist - damit rechtfertigen viele ihre Weigerung, sich mit dem Thema Geldanlage überhaupt zu beschäftigen. Dabei stimmt, was schon Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916) sagte: "Wer nichts weiß, muss alles glauben."

Besser: Erwerben Sie wenigstens ein Minimum an Grundwissen, um Bank- oder sonstigen Anlageberatern im Gespräch nicht hilflos ausgeliefert zu sein.

3. Mangelnde Planung

Die wenigsten überlegen sich, was sie mit ihrer Geldanlage erreichen möchten. Ist es eine kurzfristige Investition, weil in einem Vierteljahr ein Autokauf angesagt ist? Eine mittelfristige, weil Sie in einigen Jahren eine Immobilie erwerben möchten? Oder wollen Sie fürs Alter vorsorgen? Für jeden Anlagehorizont gibt es andere Möglichkeiten: Kurzfristig für ein, zwei Jahre sollte es Tages- oder Festgeld sein. Mittel- und langfristig wären Mischfonds (aus festverzinslichen Papieren und Aktien) oder auch klassische Aktienfonds geeignet.

Besser: Sich vorher überlegen, was zu welcher Zeit mit dem Geld geschehen soll. Und sich dann professionell beraten lassen, um herauszufinden, was zu Ihnen und Ihrer Lebenssituation passt.

4. Keine Risikostreuung

Es gibt Anleger, die alle Rücklagen in mehreren Lebensversicherungen untergebracht haben. Bei manchen dümpeln große Summen jahrelang auf Festgeld-Konten herum. Andere haben ihr gesamtes Geld in einen einzigen Aktienfonds investiert, weil der irgendwann gut bewertet wurde. Oder Frau W.: Sie besitzt seit Jahren zehn geschlossene Fonds, unternehmerische Beteiligungen, mit denen sie in Hotels und Kliniken investiert, Laufzeit jeweils 15 bis 20 Jahre. Sonst hat sie nichts. Gelockt haben sie die damaligen hohen Steuervorteile.

Besser: Einen der wichtigsten Grundsätze bei der Geldanlage berücksichtigen - die Streuung. Damit ist nicht ein Sammelsurium verschiedener Geldanlagen gemeint, sondern die gut überlegte Anlage mit System: Es werden mehrere Geldanlagen kombiniert, die verschiedene Ziele verfolgen, die unterschiedliche Risiken aufweisen und deren Erträge sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln.

5. Zu viel hin und her

...macht Taschen leer! In umsatzschwachen Zeiten werden Bankmitarbeiter massiv dazu angehalten, die Depots der Kunden umzuschichten, um mehr Umsatz zu erreichen - dabei fallen ja immer wieder neue Abschlussgebühren an. Aber: Warum sollte der Fonds, der vor einem halben Jahr dringend empfohlen wurde, plötzlich nicht mehr interessant und für Sie passend sein? Und warum werden als Alternative so gut wie immer brandneue Fonds der bankeigenen Fondsgesellschaft empfohlen?

Besser: Wachsam sein, wenn Ihr Bankberater wieder einmal zur Umschichtung der Geldanlagen rät, und die jeweiligen Vor- und Nachteile unbedingt abwägen.

6. Ungeduld

"Niemand, der Getreide anbaut, gräbt die Saat nach zwei Tagen wieder aus, um zu sehen, ob sie aufgegangen ist", klagte einmal Charles Henry Dow, einer der Erfinder des bekannten Dow-Jones-Index. "Viele Anleger dagegen wollen mittags ein Konto eröffnen und abends den Gewinn kassieren." Wie recht er doch hatte.

Besser: Bei Aktienfonds und Aktien bedenken, dass es sich um langfristige Anlagen handelt, die Schwankungen unterliegen. Bei festverzinslichen Anlagen die Erträge auf dem Konto belassen - der Zinseszins- Effekt bringt zusätzlich Gewinn.

7. Mangelnde Disziplin

Durchhalten ist schon beim Joggen und Abnehmen schwer, beim Sparen ist es aber unverzichtbar. Ich erlebe es immer wieder, dass Sparpläne für die Altersvorsorge eingerichtet werden, durchaus mit dem festen Vorsatz, durchzuhalten. Aber dann kommt irgendetwas dazwischen: Esther P. zum Beispiel hat das Reisen entdeckt und löst ihre Rentenversicherung dafür nach drei Jahren wieder auf. Oder eine größere Anschaffung steht an, das tolle Sofa ist reduziert, den schicken Mantel gibt's für die Hälfte... Dann werden Fondssparpläne aufgelöst oder Rentenversicherungen gekündigt. Das ist ökonomisch absolut unsinnig! Bei Rentenversicherungen zum Beispiel werden die Kosten für den Vertrag in den ersten fünf Jahren abgerechnet. Sie machen also einen echten Verlust, wenn Sie ihn vorzeitig beenden. Und wenn Sie wieder neu mit einer Sparmaßnahme zur Altersvorsorge beginnen, fangen Sie kostenmäßig ganz von vorn an und haben inzwischen wertvolle Jahre verloren: Der gewinnbringende Zinseszins-Effekt verpufft.

Besser: Bei Geldanlagen für die Altersvorsorge unbedingt durchhalten. Und dafür lieber mal eine Weile auf ein neues Sofa oder auf eine Reise verzichten.

8. Mangelnder Mut

Machen Sie's wie Karl Valentin? "Mögen tät ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut", sagte er. Das passt sehr gut zur Einstellung vieler Anlegerinnen zum Risiko. Aber mit Festgeld oder Sparbuch allein gelingt es nicht, ein Vermögen aufzubauen.

Besser: Wenn Sie Ihr Geld länger als fünf Jahre anlegen können, sollten Sie ein kalkulierbares Risiko eingehen, nur dann gibt es die Chance auf höhere Rendite. Es müssen ja nicht gleich riskantere Aktienfonds sein. Erstklassige und bewährte Mischfonds zum Beispiel gibt es mit unterschiedlich hohen Aktienanteilen. Besonders bewährt haben sich in der Krise die Fonds, die den Aktienanteil der Marktlage anpassen können.

9. Euphorie und Panik

Barbara M. hat nach eingehender Beratung in Aktienfonds investiert, die sie 15 bis 20 Jahre behalten will. Nach zwei Jahren beginnt die Krise. Sie gerät in Panik, ihr Depot ist plötzlich 30 Prozent weniger wert. Sie löst alles auf und legt das Geld auf ein Tagesgeld-Konto. Die Krise hält an, die Medien überbieten sich mit schrecklichen Schlagzeilen. Ihre Panik nimmt zu, deshalb kauft sie Gold. Sie hat also ihre guten Fonds auf dem Tiefstand mit Verlust verkauft. Und bei Gold ist sie zu einem sehr hohen Preis eingestiegen. Nach einiger Zeit gehen die Aktienkurse wieder in die Höhe. Der Goldpreis jedoch ist bisher nach jeder Krise wieder gefallen. Frau M. hätte dann mit ihrem panikgesteuerten Verhalten Teile ihres Geldes tatsächlich vernichtet.

Besser: Lassen Sie sich bei Entscheidungen für die Geldanlage nicht ausschließlich von Gefühlen leiten. Euphorie und Panik sind immer schlechte Ratgeber.

10. Aufschieberitis

Sie wollen erst später für die Altersvorsorge sparen? Das rächt sich! Hier ein Überblick, was Sie bis 67 erreichen, wenn Sie jeden Monat 100 Euro anlegen (bei durchschnittlich 5 % Zinsen im Jahr): Wer mit 20 beginnt, kommt auf etwa 219000 Euro. Starten Sie erst zehn Jahre später, sind es ca. 125000 Euro, und eine 40-jährige Einsteigerin erhält noch rund 67379 Euro.

Besser: Warten Sie nicht zu lange mit der Altersvorsorge. Später ist jetzt! Jedes Jahr, das Sie beim Sparen versäumen, wird Ihnen fehlen.

Noch mehr Infos

"Schöne Aussichten - Keine Angst vorm Alter!" von Helma Sick und Renate Fritz (8,95 Euro, Diana Verlag)

Foto: Getty Images Ein Artikel aus BRIGITTE 10/10
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