Tipps zum Neustart

Ob mit oder ohne Weiterbildung - vor dem erfolgreichen Wiedereinstieg in den Beruf steht die Bewerbung.

Worauf man dabei achten sollte, erklärt Christel Wetzold, 57. Sie ist Dozentin beim Dortmunder Verein zur Förderung von Frauenerwerbstätigkeit im Revier (VFFR) und führt mit ihren Kursteilnehmerinnen auch Bewerbungstrainings durch.

Brigitte.de: Worauf kommt es an, wenn sich eine Frau nach längerer Berufspause mit Erfolg für einen neuen Job bewerben will?

Christel Wetzold: Das größte Hindernis bei Frauen, die sich nach einer Familienpause für einen neuen Job bewerben, ist das verlorene Selbstwertgefühl. Der erste Schritt für diese Frauen sollte also sein, sich bewusst zu machen, was sie eigentlich alles können. In eine Bewerbung gehören nämlich neben den Kenntnissen aus der Aus- und Weiterbildung auch so genannte "soft skills", die sie in der Familienphase erworben haben.

Brigitte.de: Können Sie mal ein Beispiel dafür nennen?

Christel Wetzold: Viele Frauen sind ehrenamtlich tätig gewesen, haben zum Beispiel Vorstandsarbeit für einen Verein gemacht. Und das schult Fähigkeiten wie öffentlich reden, nach außen gehen, präsentieren und organisieren können.

Brigitte.de: Wie präsentieren Frauen diese Fähigkeiten dann am besten in ihrer Bewerbung?

Christel Wetzold: Ich empfehle, ein Qualifikationsprofil zu erstellen, das zu den üblichen Unterlagen in die Bewerbungsmappe kommt. Für vieles, was die Frauen in der Pause gemacht haben, besitzen sie keinen Nachweis. Mein Tipp: selbst ein Zeugnis schreiben, in dem die Tätigkeiten aufgelistet werden, und mit eigener Unterschrift beglaubigen. Das kommt bei den meisten Arbeitgebern sehr gut an.

Brigitte.de: Und welche Fehler sollten Bewerberinnen unbedingt vermeiden?

Christel Wetzold: Viele bewerben sich mit einem schlechten Lichtbild - dabei ist das Bewerbungsfoto ein wichtiges Kriterium. Das sollten sie auf jeden Fall bei einem professoinellen Fotografen machen lassen. Das Anschreiben immer auf die Anzeige formulieren; die Frauen sollten beschreiben, warum sie sich genau für diesen Job interessieren. Bewerbungen, bei denen offensichtlich nur der Firmenname ausgetauscht wird, landen gleich im Papierkorb. Außerdem ist es immer gut, wenn eine Bewerberin sich schon im Anschreiben so präsentiert, wie sie ist. Wer eigentlich menschenscheu ist und sich trotzdem für einen PR-Job bewirbt, fliegt spätestens im Vorstellungsgespräch raus.

Brigitte.de: Das sollte ja eher nicht passieren... Gibt es Tipps, wie man sich auf ein solches Gespräch am besten vorbereiten kann?

Christel Wetzold: Vorher hinfahren, um zu gucken, wie sich die Leute kleiden, die in der betreffenden Firma arbeiten. Entsprechend sollte die Garderobe gewählt werden. Wer sehr aufgeregt ist, soll diese Aufregung ruhig zur Sprache bringen - und den angebotenen Kaffee ablehnen, der sonst im Zweifel auf der Bluse landet. Außerdem sollten Bewerberinnen sich überlegen, auf welche Fragen sie sensibel reagieren könnten. Eine Teilnehmerin einer unserer Schulungen wurde im Gespräch gefragt, warum sie geschieden sei, und brach in Tränen aus. Solche Situationen muss man vorher trainieren.

Brigitte.de: Mit welchen Fragen muss man noch rechnen?

Christel Wetzold: Viele Firmen wollen wissen, wie die Frauen die Kinderbetreuung organisiert haben. Wer eine Weiterbildung gemacht hat, sollte an dieser Stelle unbedingt darauf hinweisen, dass es mit der Kinderbetreuung in jüngster Vergangenheit hervorragend geklappt hat - schließlich hat man den Kurs mit Erfolg abgeschlossen.

Brigitte.de: Irgendwann kommt ja dann das Gespräch auf die Bezahlung...

Christel Wetzold: ... und das ist ein sehr schwieriges Thema. Am besten sollten sich Frauen vorher bei der Gewerkschaft oder der IHK danach erkundigen, wie hoch die Gehälter im angestrebten Berufsfeld sind. Dort erhält man allerdings nur Infos zum Tariflohn, während viele Jobs auch übertariflich bezahlt werden. Grundsätzlich gilt: Wer eine Weiterbildung absolviert hat, kann ein gutes Pfund anbieten. In vielem sind die Bewerberinnen ihren zukünftigen KollegInnen ja sogar etwas voraus.

Brigitte.de: Inwiefern?

Christel Wetzold: Wer eine Weiterbildung abgeschlossen hat, ist fachlich auf dem neuesten Stand und hochmotiviert. Die lange Lernphase vor dem Wiedereinstieg hilft bei der Einarbeitung, weil das Erfassen neuer Dinge weniger Probleme bereitet. Auch in puncto Kommunikation sind Frauen, die bei uns eine Weiterbildung gemacht haben, in der Regel sehr gewandt: Sie haben gelernt, das Wort zu ergreifen, und sind geübt darin, Lösungen gemeinsam mit anderen zu finden. Das gilt natürlich auch für viele Wiedereinsteigerinnen, die direkt zurück in den Job wollen. Alle motivierten und qualifizierten Frauen können den Alteingesessenen durchaus das Wasser reichen! Ihrer Stärken sollten sich Frauen, die sich nach einer beruflichen Pause neu bewerben, stets bewusst sein.

Interview: Wiebke Peters
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