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Traumjob: Warum er so oft zum Albtraum mutiert

Traumjob: Warum er so oft zum Albtraum mutiert
© KieferPix / Shutterstock
Es sollte doch eigentlich der Traumjob werden – doch schon kurz darauf merken wir: Auch hier kann's furchtbar sein! Warum ist das so? Die Antwort verrät Karriere-Expertin Anja Niekerken, Autorin von "Montags muss ich immer kotzen" (Business Village Verlag, 19,95 Euro).

„Wähle einen Beruf, den Du liebst, und Du musst keinen Tag mehr arbeiten“ soll Konfuzius schon vor ein paar tausend Jahren gesagt haben. Eine Weisheit, der sich mehr und mehr Menschen anschließen wollen, aber nicht so ganz genau wissen, wie sie es denn nun anstellen sollen, mit der bedingungslosen Jobliebe. Vor allem, stellt sich die Frage: „Wie finde ich denn diesen Traum?“

Andauerndes Glück gibt's nicht – auch nicht im Job

Eines vorweg: Mit der Liebe zum Beruf ist es wie mit der Liebe zu einem Menschen. Der Himmel hängt nicht täglich und rund um die Uhr voller Geigen. Mal ist Schatzi der Traumprinz und mal Darth Vader. Trotzdem lieben wir Schatzi. Mit allen Ecken, Kanten und Macken, auch wenn sie uns von Zeit zu Zeit in den Wahnsinn treiben. Mit unserem Job ist es im Grunde genau das Gleiche. Der hat auch Ecken, Kanten und Macken, die uns von Zeit zu Zeit in den Wahnsinn treiben. Die Frage ist: Was überwiegt? Die Liebe zu dem was wir tun? Oder der tägliche Wahnsinn, der einfach nicht mehr zu ertragen ist?

Im beruflichen Kontext haben wir das Gefühl, dass der Kern im Grunde okay ist. Wir definieren den Kern als die Tätigkeit an sich, das Berufsbild. Beispielsweise sind wir Lehrerin oder Ärztin. In diesen Kern haben wir uns verliebt und starten beseelt durch. Das Blöde daran: jetzt kommt uns die Realität dazwischen. Denn in vielen Firmen und Arbeitsumgebungen, scheint es nicht mehr um den Kern unserer Tätigkeit zu gehen. Da gibt es Kolleginnen die, naja, sagen wir mal, nicht die hellsten Kerzen am Leuchter sind. Andere Kolleginnen sind einfach nur unsympathisch oder sogar hinterhältig. Und die Chefin hat nur die eigene Karriere im Sinn. Der Arbeitsplatz ist eine Katastrophe und dafür müssen wir auch noch täglich anderthalb Stunden in der überfüllten Bahn sitzen, oder im Stau stehen. So haben wir uns das nicht vorgestellt!

Autorin Anja Niekerken
Autorin Anja Niekerken
© Business Village Verlag / PR

Wir achten auf die falschen Kriterien

Und genau an diesem Punkt wird ein Schuh draus: Unsere Vorstellung und die Realität wollen so gar nicht zusammen passen. Wer jetzt an den einen oder anderen Traumprinzen denkt, der im Alltag All Bundy ähnlicher war als Prinz Charming, liegt gar nicht so verkehrt. Alltag und Traumvorstellung haben oft wenig miteinander zu tun. Wir suchen uns unseren Job oft nach den falschen Kriterien aus: nämlich nach Berufsbild (so wie wir es uns vorstellen), Unternehmen (je besser der Ruf des Unternehmens, umso besser), Gehalt und je nachdem wie heimatverbunden wir sind, auch nach Arbeitsweg bzw. Standort. Klingt ja auch erst mal ganz logisch. 

Kündigen tun wir einen Job aber aus ganz anderen Gründen. Regelmäßig ganz oben auf den verschiedenen Hitlisten der Kündigungsgründe sind ein doofer Chef und blöde Kollegen. Zu viele Überstunden und Druck gesellen sich in der Regel dazu. Erstaunlicherweise hat das gar nichts mehr mit dem Berufsbild an sich zu tun.

Was wir von Klofrau Halina lernen können

Dazu fällt mir immer wieder die Geschichte von Halina ein. In meiner Jugend arbeitete Halina in Hamburg in der Szenedisco „Madhouse“. Nicht etwa als DJane oder an der Bar, Halina war Klofrau. Und wer die Kachelabteilung von Nachtlokalen vor Augen hat weiß, dass ist nicht der schönste Arbeitsplatz unter der Sonne. Aber bei Halina war das anders. Alle Stammgäste gingen immer zuerst zu Halina. Dort traf man sich, tauschte den neuesten Klatsch und Tratsch aus und dann erst stürzte man sich ins Getümmel. Bei Halina gab es Haarspray, Deo, Kondome … Alles was man für einen erfolgreichen Discoabend so braucht. Und wer ihr Trinkgeld gab, bekam einen Colalolli. Auf den Lollies waren 10 verschiedene Motive. Wer alle Motive zusammen hatte, bekam eine Flasche Krimsekt, die natürlich vor Ort geköpft wurde. Mit anderen Worten: auf dem Klo war immer was los. Außerdem war es dort super sauber. Natürlich haben sich alle vorbildlich benommen und wer das nicht tat, wurde von den Stammgästen schnell eines besseren belehrt. All das hat Halina aus eigenem Antrieb gemacht. Der Chef hat sie unterstützt, aber es nicht vorgegeben. 

Warum erzähle ich diese Geschichte? Weil es nicht um das Jobbild geht, es geht um das, was wir daraus machen und warum wir es machen. Halina liebte Menschen. Das war ihr „Warum“. Darum hat sie aus einem siffigen Discoklo einen Ort gemacht, der viel mehr war als ein Örtchen. Halina hat als Klofrau mehr Anerkennung und Wertschätzung erfahren, als viele gut ausgebildete Akademiker in ihren Berufen erhalten …

Ein echter Traumjob besteht aus folgenden Komponenten: einem guten Chef mit einem netten Team und dem, was Du aus Deinen Aufgaben machst. Sahnehäubchen und Kirsche sind, wenn Dir die Tätigkeit an sich Spaß macht und sie auch noch gut bezahlt wird. Wir suchen uns oft unseren Job nach Sahnehäubchen und Kirsche aus. Auch wenn es lecker ist, satt werden wir davon nicht.

Text: Anja Niekerken

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