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Traumjob Modedesignerin


Euer größter Traum ist es Modedesigner zu werden? Aber ihr wisst noch nicht so recht, wie ihr die Sache angehen sollt? Wir haben mit der Designerin Bitten Stetter gesprochen, die mit ihrem gleichnamigen Label weltweit erfolgreich ist. Hier erzählt sie, wie sie es geschafft hat. Außerdem geben wir weitere hilfreiche Tipps zur Ausbildung als Modedesignerin
Traumjob Modedesignerin
© Clipart

Dass sie etwas mit Kunst oder Design machen wollte, war für Bitten Stetter schon in der Schulzeit klar. Während des Abiturs legte sie sich fest: Mode sollte es sein. Und wie es sich für einen soliden Werdegang gehört, absolvierte sie erstmal eine Ausbildung zur Damenschneiderin in einem edlen Haute-Couture-Atelier.

Für die gebürtige Dortmunderin stand schnell fest, dass sie diese Art von Mode neu interpretieren und sie "zurück auf die Straße" bringen wollte. Deswegen ging sie im Anschluss an ihre Ausbildung nach Hamburg, um an der Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW) Modedesign zu studieren. Hätte ihr zu dem Zeitpunkt jemand gesagt, dass in wenigen Jahren Frauen von Japan bis Paris in "Bitten Stetter" durch die Straßen laufen würden, sie hätte nur ungläubig den Kopf geschüttelt.

Traumjob Modedesignerin

Mit ihren 35 Jahren kann Bitten Stetter bereits auf eine Karriere zurückblicken, von der viele nur zu träumen wagen. Zu Kopf gestiegen ist ihr der Erfolg dabei nicht. Im Gegenteil: Die zierliche Designerin hat sich ihre natürliche Art bewahrt. Keine Spur von Arroganz - und dabei könnte man es bei ihr fast verstehen.

Entdeckt wurde Bitten noch als Studentin. Auf einer Modenschau wurde eine Pariser Presse-Agentur auf ihre Kreationen aufmerksam. Und während sie noch weiter studierte, wurde ihre Mode bereits in Paris vertrieben. Damit war ihr eigenes Label geboren. Einfach so. Es folgte ihre Diplomkollektion, darauf weitere Kollektionen, Veröffentlichungen und Preise. "Die Frage nach der Selbstständigkeit stellte sich mir gar nicht. Es passierte einfach."

"An deutschem Design sind wir generell nicht interessiert"

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Ganz allein war sie anfangs jedoch nicht. Mit ihrer Kollegin Ilona Koetter gründete sie 1999 das Label stetter_koetter, bis sich 2003 ihre Wege trennten. Bitten Stetter wagte den Alleingang. Und das sehr erfolgreich. Heute verkauft die Wahl-Hamburgerin ihre Mode überall auf der Welt: Los Angeles, Paris, Tokio und Hongkong. Besonders im Ausland werden ihre Stücke getragen. Warum? "Der Wunsch, etwas Besonderes zu tragen, ist im Ausland ausgeprägter. So wie das Verständnis von Design und dass dies auch etwa kostet." Es sei außerdem ein typisch deutsches Phänomen, den Blick erst nach außen zu richten, bevor man innerhalb der eigenen Landesgrenzen guckt, meint Bitten.

Dass erst der internationale Erfolg die Türen zum Erfolg in der eigenen Heimat öffnet, hört sich seltsam an. Bitten Stetter hat es aber genauso erlebt. Immer wieder musste sie sich am Anfang ihrer Karriere den Satz anhören: "An deutschem Design sind wir generell nicht interessiert." Das hat sich inzwischen geändert. Im Oktober 2008 eröffnet Bitten Stetter ihren ersten eigenen Laden in Hamburg. Das Konzept des Popup-Stores: Alle drei Monate soll sich der Laden neu erfinden. Dann verändert sich der komplette Inhalt, das Design und der Style.

Neue Kollektion Fitting Tales

Bittens aktuelle Kollektion trägt den Namen "Fitting Tales". Der Name ist Programm: die Kleidungsstücke erzählen Geschichten. Jedes für sich hat eine Haupt- oder Nebenrolle. Jedes kleine Detail hat etwas zu erzählen - für jeden, der bereit ist zuzuhören. Jedes Kleidungsstück befindet sich in einer Box in Form eines Buches und wird durch Fotografien, Illustrationen, Musik oder Text ergänzt. Dieses Gesamtkunstwerk entsteht in Kooperation mit anderen Künstlern.

Übrigens: Bitten ist nicht nur Designerin. Sie gibt ihr wertvolles Wissen auch gerne weiter – zum Beispiel an ihre Studenten. In Hamburg unterrichtet sie an der AMD (Akademie für Mode & Design) und in Zürich an der öffentlichen Hochschule ZHDK. Sie liebt diese Verknüpfung in ihrem Beruf. "Durch die Kombination von wissenschaftlicher Lehre und Praxis kann ich mich permanent weiterentwickeln und es tun sich stetig neue Wege auf."

Weitere Infos und Bilder unter >>www.bittenstetter.com

Auf der nächsten Seite bekommt ihr hilfreiche Tipps von Bitten Stetter

Hier noch einige Tipps von Bitten Stetter für euch:

BYM.de: Welchen Tipp gibst du unseren Usern mit auf den Weg, die Modedesigner werden wollen?

Bitten Stetter: An sich glauben, sich und seine Arbeit dennoch permanent in Frage stellen und nie den Spaß und die Leichtigkeit am Design verlieren.

BYM.de: Was hältst du für besser? Ein Studium an einer privaten oder öffentlichen Hochschule?

Bitten Stetter: Ich habe selber an einer öffentlichen Hochschule studiert unterrichte jetzt an der AMD Hamburg, einer privaten Hochschule und an der öffentlichen Hochschule ZHDK Zürich. Ich finde beide Wege gut, abhängig von dem, was man nach dem Studium vor hat und wie man "gestrickt" ist, macht entweder die eine oder andere Ausbildung mehr Sinn. Es ist wirklich sehr typ- und interessenabhängig.

BYM.de: Sollte man vorher eine Schneiderlehre machen?

Bitten Stetter: Es erleichtert einem auf jeden Fall den Umgang mit Materialen und fördert das Verständnis von Passform und Umsetzung. Es bedeutet allerdings auch zwei bis drei Jahre Ausbildung "on top". Ich habe es nie bereut, diese gemacht zu haben.

BYM.de: Was rätst du Modedesign-Absolventen, die sich gerne selbständig machen wollen?

Bitten Stetter: Sich genau zu überlegen, ob sie bereit sind in den ersten drei bis fünf Jahren ihr Leben beruflich und privat der Mode zu widmen - Tag und Nacht und sieben Tage die Woche. Wenn sie das mit "ja" beantworten wollen und können, dann sollten sie unbedingt ihren Traum verfolgen und sich nicht von diesem Weg abbringen lassen - trotz einiger Stolpersteine.

BYM.de: Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um Modedesigner zu werden?

Bitten Stetter: Nerven wie Drahtseile, Innovationsgeist, Trendgespür und Tatendrang.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, welche Vorraussetzung ihr erfüllen müsst, um Modedesigner zu werden

Interview mit einer Expertin

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Susanne Müller-Elsner ist die künstlerische Leiterin der AMD in Hamburg. Die Diplom-Modedesignerin hat als Dozentin tagtäglich mit angehenden Modedesignern zu tun und weiß ganz genau, worauf es bei dem Beruf ankommt. Nach ihrem Studium hat sie mehrere Jahre als Designerin für ein japanisches Label gearbeitet, war als Trendscout unterwegs und als Kollektions- und Trendberatung für führende Unternehmen tätig.

BYM.de: Welche Vorraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man Modedesigner werden will?

S. Müller-Elsner: Kreativität, Fähigkeit zum vernetzten Denken, Leistungsbereitschaft und Selbstvertrauen.

BYM.de: Sollte man zuerst eine Schneiderlehre absolvieren? Oder bestimmte Praktika?

S. Müller-Elsner: Nein, dies ist nicht erforderlich, kann aber durchaus nützlich sein.

BYM.de: Kann man auch Modedesign studieren, wenn man nicht besonders gut zeichnen und/oder nähen kann?

S. Müller-Elsner: Bewerber bringen ihre Ideen über ihre Mappe zum Ausdruck. Das kreative Potenzial muss durch die Zeichnungen etc. erkennbar sein, dabei steht die perfekte Zeichnung nicht zwingend im Vordergrund. Kenntnisse im Nähen sind keine Grundvoraussetzung, Bewerber sollten aber auf jeden Fall Lust haben, handwerklich zu arbeiten und zu experimentieren. Fertigungstechnische Grundlagen werden in der Mode Design Ausbildung bzw. im Studium gelehrt.

BYM.de: Wie hoch muss die Qualität der Bewerbungsmappe sein? Soll daran lediglich Talent erkannt werden oder braucht man dafür eine gewisse Vorbildung?

S. Müller-Elsner: Beides. Die Bewerbungsmappe soll das kreative Potenzial der Bewerber durch Zeichnungen (figürlich und abstrakt), Farbe- und Formstudien, Skizzen, Fotografien, Collagen nach persönlichen Themenschwerpunkt dokumentieren. Sofern man noch Zweifel an der Qualität der eigenen Arbeiten hat, sollte man auf jeden Fall ein Mappenberatungsgespräch an einer Mode Design Hochschule oder Fachschule in Anspruch nehmen. Es gibt eine Vielzahl von Schulen, die Interessenten in entsprechenden Mappenvorbereitungskursen auf die Bewerbung vorbereiten. Auch hier können die Mode Design Hochschulen und Fachschulen in der Regel entsprechende Tipps geben.

BYM.de: Wie sehen die Berufschancen von Modedesignern aus? In welchen Bereichen kann man als Modedesigner arbeiten und wie stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt?

S. Müller-Elsner: Die Größe und Vielschichtigkeit der Branche bietet eine Reihe möglicher Berufsbilder und vielfältige Chancen am Arbeitsmarkt. Sie reichen vom Styling über das Arbeiten in Trend-und Stilbüros bis hin zum Modezeichner oder Modeillustrator und zum klassischen Mode-Design. Die Aufgabengebiete der Designer sind ebenfalls variabel. Gefragt sind Designer, die mit Stilsicherheit und Mut Akzente setzen können und trotzdem flexibel genug sind, sich in Teams einzuordnen und übergeordnete Marken- und Vertriebstrategien zu berücksichtigen. Gutes Design geht über das fühlbare Produkt hinaus und umfasst die komplette Kette von der Idee über die Produktion bis hin zur Vermarktung. Umso mehr sind Designer gefragt, die ganzheitlich denken und ihr Gespür für Trends und Entwicklungen einbringen können.

BYM.de: Welche Tipps geben Sie angehenden Modedesignern mit auf den Weg?

S. Müller-Elsner: Ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Auf der nächsten Seite findet ihr eine Liste mit Universitäten und Fachhochschulen, an denen ihr Modedesign studieren könnt

Wo kann ich Modedesign studieren?

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Akademie JAK Hamburg

Akademie für Mode & Design (AMD) Hamburg, Berlin, Düsseldorf, München

ESMOD internationale Modeschule, Berlin und München

Modeschule Düsseldorf

Bekleidungsfachschule Aschaffenburg

Deutsche Meisterschule für Mode, München

Staatliche Modeschule Stuttgart

ZHdK Zürich, neuer Studiengang Style & Design

Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW)

Modefachschule Sigmaringen

Fachhochschule Trier

Fachhochschule Hannover

Fachhochschule Pforzheim

Modeschule Mönchengladbach

Hochschule Reutlingen

Fachhochschule Bielefeld

Frankfurter Schule für Bekleidung und Mode

Auf der nächsten Seite seht ihr die aktuelle Kollektion von Bitten Stetter
Text und Interviews Gudrun Möller

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