Visitenkarten-Party: Die Karte, bitte!

Bloß eine neue Party-Idee - oder ein wirksames Selbstmarketing-Instrument? Visitenkartenpartys kommen immer mehr in Mode. Brigitte.de hat sich auf einer umgesehen.

Die Garderobenfrauen im "Hotel Intercontinental" sind Profis. Auch regendurchnässte Kleidung in Mehrfach-Schichtung bringt die Damen nicht aus der Ruhe. Ebenso professionell, aber weniger hanseatisch zurückhaltend geht es derweil im Festsaal des Hotels an der Hamburger Alster zu: Dort findet eine Visitenkartenparty statt. Idee der Veranstaltung: "Professionals" aus verschiedenen Branchen können in ungezwungener Atmosphäre Kontakte knüpfen, im besten Fall als Grundlage einer neuen Geschäftsbeziehung.

Das Schlüsselwort lautet Netzwerk

Noch scheu: Ruth Winnefeld

Ruth Winnefeld lehnt an einem Stehtisch und trinkt ein Glas Rotwein. Sie ist eine der wenigen, die nicht schon kurz nach der Begrüßungsrede von Veranstalterin Yvonne Laage ins Gespräch vertieft sind - der Geräuschpegel im Saal ist hoch, man will die Gunst der Stunde nutzen. "Ich bin zum ersten Mal bei so einer Party", erklärt die freiberufliche Projektmanagerin, "und eigentlich sind mir hier zu viele Leute auf zu engem Raum." Sie hofft, neue Kontakte zu knüpfen. Bislang hat sie allerdings noch keinen Gesprächspartner gefunden.

Kontaktfreudig: Ishel Eichler

Erfolgreicher konnte da Ishel Eichler in die Party starten. Die Texterin, ebenfalls freiberuflich tätig, kommt bei der Tragetaschen-Übergabe mit einem IT-Consultant ins Gespräch - jeder Gast erhält einen Pappbeutel mit Info-Material zum Abend.

Der IT-Mensch sei zwar nicht aus ihrer Branche, aber "er arbeitet in einem Netzwerk mit Kreativen zusammen, hat gerade ein Projekt an der Hand und will demnächst auf mich zukommen", erzählt sie begeistert.

Genauso sollen ihre Partys funktionieren, erklärt Yvonne Laage: "Entscheidend ist der Netzwerkgedanke." Wer hier Kontakte knüpft und den Abend gewissenhaft nachbereitet, also alle eingesammelten Visitenkarten abtelefoniert, könne sich ein leistungsfähiges Netzwerk auch außerhalb der eigenen Branche schaffen - "der Anruf von heute ist mein Auftrag in drei Monaten", lautet ihr Credo.

Selbstdarstellung per Gespräch und Steckbrief

Die Möglichkeiten zur Selbstdarstellung sind vielfältig. An Stellwänden hängen Business-Steckbriefe der Partygäste, nach Branchen geordnet und mit kleinen Fächern versehen, in denen Visitenkarten zum Herausnehmen stecken. Jeder Teilnehmer hat die Möglichkeit, sich zu einem festgesetzten Termin an "seiner" Stellwand für Gespräche mit Interessenten zu präsentieren.

Professionals...

auf Kartenjagd

Pech, wer wie Ishel Eichler zu spät davon erfährt: "Als ich meinen Zettel mit der Terminvorgabe endlich gefunden hatte, war die Viertelstunde schon fast um", ärgert sie sich. Tücken birgt auch die Politik der offen ausgestellten Visitenkarten. Es sei schon vorgekommen, berichtet Party-Mitarbeiterin Katja Fischer, dass Gäste "Karten abgesammelt und am nächsten Tag Mails an alle mit Mist verschickt" hätten.

Solche schwarzen Schafe können dem Hauptzweck der Party jedoch nichts anhaben: Ins Gespräch kommen, was die Visitenkarte hält. "Dabei kann man auch die eigene Selbstdarstellung erproben, im Gespräch testen, ob man stimmig rüberkommt", sagt Katja Fischer. Auch sie und Veranstalterin Yvonne Laage nutzen die Party, um geschäftliche Beziehungen zu knüpfen - Fischer ist Architektin und hat sich auf die Beratung von Paaren spezialisiert, Laage arbeitet als Textevermittlerin.

So recht glauben allerdings nicht alle Teilnehmer an den geschäftlichen Durchschlag der Veranstaltung. "Ich bin zum zweiten Mal dabei, beim letzten Mal ist nur eine Beratung herausgesprungen", berichtet Farb- und Stilberaterin Liane Meyer. Vom "benutzerfreundlichen" Konzept sei sie aber sehr angetan - und von der Atmosphäre, die allerdings an diesem Abend "etwas zäh" sei. Ruth Winnefeld sieht das wohl ähnlich. Die Projektmanagerin auf der Suche nach Geschäftskontakten ist schon längst gegangen.

Wiebke Peters
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