Welcher Lerntyp bist du?

Klausur, Prüfung, Test - ohne zu lernen geht's meist nicht. Jeder hat da so seine eigene Methode. Eine Typologie der Methoden mit ihren Vor- und Nachteilen

Die eine braucht absolute Ruhe und glaubt, dass Lernen auch Leiden heißen muss, damit es sicher klappt. Die andere weigert sich, ihren lustigen Lebenstil nur wegen des blöden Staatsexamens zu ändern, weil sie ohne Spaß überhaupt nicht lernen kann.

Funktionieren können viele Methoden. Welche für wen die richtige Strategie beim Lernen ist, muss leider jeder selbst für sich herausfinden. Die Wissenschaft hat natürlich auch noch ein paar schlaue Erkenntnisse parat.

Und wie lernst du so? Hier sind die fünf häufigsten Typinnen, die dir in der Welt des Lernens begegnen - oder gerade nicht, weil sie untergetaucht sind. Erkennst du dich wieder?

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Die asketische Autistin

Ich bin dann mal weg

Wenn sie zufällig deine beste Freundin ist, dann hast du erstmal keine - jedenfalls solange sie lernen muss. Ist die Klausur geschrieben, taucht sie wie selbstverständlich wieder auf und will wissen, was alles Spannendes während ihrer Nichtexistenz geschehen ist.

Steht die nächste Prüfung auf dem Plan, ist sie allerdings wieder weg, schließt sich in einer kargen Kammer ein, in der es einen Tisch gibt, einen Stuhl, die richtigen Bücher - und nur die -, vielleicht noch einen PC zum Recherchieren. Einziger Luxus: stilles Wasser und Weltraumnahrung in Tablettenform. Die asektische Autistin schaltet alles ab, was stören oder noch schlimmer: Spaß machen könnte.

Es gibt nur noch sie und den Stoff, der in ihrem Gehirn verankert werden muss. Vergiss sie einfach. Vorübergehend. Ans Telefon geht sie sowieso nicht, E-Mails checkt sie nicht, sie geht nicht einkaufen, isst kaum, trinkt wenig und zieht sogar alle Gardinen zu, damit nicht vielleicht ein vorbei fliegender Vogel sie ablenken könnte.

Vorteil: volle Konzentration auf das Lernziel

Nachteil: vorübergehender Verlust sämtlicher Kontakte mit der Außenwelt

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Die Aufdenletztendrückerin

Gleich wird gelernt. Aber erst muss dringend noch das Aquarium umgetopft werden...

Klar, Lernen muss sein, auch wenn es keinen Spaß macht. Bügeln macht auch keinen Spaß und muss auch sein. Und zwar jetzt. Genauso unabwendbar dringend wie Fenster putzen, Socken sortieren, Fahrrad reparieren, Treppenhaus wischen... Und die Steuererklärung liegt auch schon wieder seit Monaten unausgefüllt und drohend auf dem Tisch, die ist jetzt erst mal fällig. ­

Und so drückt sich die Aufdenletztendrückerin vor ihrer eigentlichen Aufgabe, was sie natürlich ganz anders sieht. Erstens glaubt sie sich mental so besonders gut aufs Lernen einstellen zu können, zweitens braucht sie einfach einen freien Kopf, der nicht noch durch andere unerledigte Punkte von der To-do-Liste in Geiselhaft genommen wird.

Vorübergehend gibt ihr diese Taktik ein gutes Gefühl - oder zumindest kein schlechtes Gewissen, wenn sie abends, nach getaner Arbeit - zwar der falschen, aber immerhin - zur Belohnung ein bisschen ausgeht. Man muss ja auch mal unter Menschen kommen. Gefühlte 48 Sekunden vor der Prüfung legt sich bei der Aufdenletztendrückerin ein Schalter um. Es gibt kein Zurück mehr: Sie lernt! Unter Hochdruck.

Vorteil: Die Wohnung glänzt, alles ist abgearbeitet, kein anderes Muss kann jetzt noch dem Lernen in die Quere kommen

Nachteil: Kurz vor knapp Gelerntes hat keine Zeit, sich dauerhaft im Hirn fest zu setzen

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Die Crosstrainerin

Kuschelrock Vol. 73 im Ohr, die Sporthose, die schon beim Bio-LK und linksdrehenden Maracuja-Yoghurt - so ist Lernen ein Klacks

Mit Lernen ist nicht zu spaßen. Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete, und was sich einmal bewährt hat, funktioniert immer wieder. Umgekehrt: Wenn nicht alles so ist wie immer beim Lernen, dann geht es nicht. Gar nicht. Alle Parameter müssen ganz genau stimmen, damit die Crosstrainerin sich in Lernmodus versetzen kann.

Eine penible logistische Planung ist das A und O. Sollte während des Verinnerlichens von chemischen Strukturformeln die halbbittere Trauben-Nuss-Schokolde von Feinkost Albrecht zur Neige gehen, ist mindestens ein halber Tag verloren.

Unklare Begriffe aus dem Büffelstoff müssen mit grünen Penball-Schreibern (Stärke 4,5) auf blassgelbe Karteikarten in DIN-A 7 geschrieben werden. Und sie bleiben auch nur ganz sicher in den tiefen Regionen des Gehirns verankert, wenn sie bei mittlerer Laufleistung (Puls 133) auf dem Crosstrainer einstudiert wurden - die richtige Musik im MP3-Player selbstverständlich vorausgesetzt.

Vorteil: Ist man im Modus, wird das Lernen quasi automatisiert

Nachteil: Großer Aufwand

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Die Nachtslernerin

Ich bin nicht müde, ich bin nicht müde, ich bin nicht müde...

"Meine Tage sind schöner als eure Nächte" - das ist ihr Motto. Und darum lässt sie sich durch nichts von ihrem geregelten Alltagsablauf abbringen. Die Nachtlernerin lebt ihr Leben, als würde es kein Lernen geben. Sie radelt zur Uni, macht ihren Job, geht shoppen und trifft sich abends noch auf eine schnelle Nudel mit der Freundin.

Dafür opfert sie anschließend bereitwillig den größten Teil ihres Nachtlebens. Clubs und Kino fallen aus, Parties und Freunde einladen werden verschoben. Schlaf allerdings auch.

Ab 22.00 Uhr beginnt für sie die Nachtschicht. Mit viel Kaffee und Schokolade, und geöffneten Fenstern für kühle Frischluft. Jetzt zählen nur noch ihre Bücher und Aufzeichnungen, und nicht mal für ihre Lieblingssoap kann da eine Ausnahme gemacht werden. Ins Bett geht die Nachtslernerin erst, wenn das geplante Tages... - pardon - Nachtziel erreicht ist. Oft zwitschern dann schon die ersten Sonnenstrahlen durchs Mansardenfenster.

Vorteil: Tagsüber lässt sich die Lernperiode prima ignorieren, das nachts Gelernte, kann sich währenddessen im routinierten Alltag sortieren, und abends weiß man intuitiv, was noch vertieft werden muss.

Nachteil: Nach müde kommt blöd. Und: Unsere Nächte sind schöner als ihre.

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Die Schmarotzerin

Gemeinsam sind wir doch viel besser. Ich bring auch super Plätzchen mit...

Die Gute hat normalerweise mit ihren Kommilitoninnen nicht viel am Hut. Das sind doch alles betriebsblinde Streberinnen. Die Schmarotzerin lebt in einer glamouröseren, aufregenderen Welt als dem Univiertel mit seinen winzigen WG-Zimmern und billigen Studentenkneipen.

Doch kaum stehen Hausarbeiten oder Klausuren an, mutiert sie zur besten Freundin und schlägt vor, dass man ja viel besser gemeinsam lernen könnte, vielleicht auch zu dritt, da könnte man sich doch gut ergänzen. Jeder bringt seine Aufzeichnungen mit, die Protokolle aus den Seminaren, Literaturlisten... Und sie könnte selbst gebackene Plätzchen beisteuern oder selbst gekaufte Smoothies, denn die sind ja so gut fürs Gehrin.

Wenn es gewünscht wird, kann sie auch gern die Schriftführerin machen. Und das später gemeinsam Erlernte - zu dem sie natürlich nicht viel beitragen kann - für alle kopieren. Vielleicht kann man ja auch während der Klausur nebeneinander sitzen. Als Team, ihr wisst schon...

Vorteil: Lebt in einer glamourösen Welt und bekommt letztendlich doch oft alle Infos

Nachteil: Muss sich spätestens beim zweiten Mal die Teilnahme an einer Lerngruppe durch Bestechung teuer erkaufen

Spaß beiseite: Besser lernen mit Mentaltraining

Lerntyp hin oder her - klar ist auch, dass deine körperliche und geistige Fitness, dein momentanes Selbstwertgefühl und sogar die simple Tagesform Einfluss auf deine Lern-Effizienz haben. Dafür kannst du aber mit speziellen Trainingsmethoden einiges tun.

Möglichst weit vor dem eigentlichen Lernen, wenn du den Kopf dafür frei hast - also nicht unmittelbar vor dem Staatsexamen-, kannst du dir Techniken beibringen, mit denen dir das Verstehen und Behalten komplexer Zusammenhänge, geschichtlicher Fakten oder großer Mengen Vokabeln leichter fällt.

In der BRIGITTE-Serie Mentale Gesundheit findest du neben dem Thema besser lernen auch grundsätzliche Programme, die dir besser denken oder besser entscheiden helfen.

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