Welt im Goldrausch

Ich habe Angst und kaufe Gold!" - "Ich löse meine Aktienfonds mit Verlust auf und lege mir Goldbarren zu." So höre ich es Tag für Tag . . .

Es ist nicht zu glauben: Der Goldpreis steigt, und alle wollen trotzdem kaufen! Gold ist eben eine typische Krisenanlage. Und immer ist es das Gleiche: Wenn Angst und Panik um sich greifen, setzt häufig der Verstand aus.

Irrtum: der Goldpreis steigt und steigt

Die Annahme ist reine Spekulation. Der Goldpreis wird maßgeblich von Großspekulanten wie Hedgefonds bestimmt. Sie waren es auch, die 2008 ihre Goldbestände auflösten, um an Geld zu kommen. Zum anderen wird die Nachfrage (damit der Preis) von Schmuckherstellern gemacht. Die weltweite Rezession hat auch da zu einer stark sinkenden Nachfrage, vor allem in Asien, geführt. Angesehene Finanzfachleute sind deshalb der Ansicht, dass Gold keine sichere Anlage ist, sondern eher ein Spekulationsobjekt. Außerdem: Es gibt keine laufenden Erträge wie Zinsen und Dividenden, und der Kauf von Gold ist teuer. Der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis, der so genannte Spread, ist hoch: Wer im März 2009 einen 10-Gramm-Barren kaufte, zahlte 254,64 Euro. Wer am selben Tag einen 10-Gramm-Barren verkaufen musste, bekam 217,73 Euro, also fast 17 % weniger.

Der Goldpreis schwankt wie Aktienkurse. Eine absolut sichere Geldanlage, die vor Verlusten schützt, ist es nicht. Es kann nur Gewinne bringen, wenn der Preis steigt. Beruhigt sich die Krise wieder, wird er sinken, so wie es nach jeder Krise war. Aber: Selbst ein steigender Goldpreis bringt nichts, wenn gleichzeitig der Dollar verfällt, wie das in den letzten Jahren der Fall war - denn Gold ist in Dollar notiert! Wer 1980 Gold gekauft hat, kommt erst heute wieder (also nach fast 30 Jahren) auf den Einstiegspreis!

Ist Goldkauf also Unsinn?

Nein, aber ich würde kein Gold zum Höchstpreis kaufen. Wenn Sie in ruhigeren Zeiten ein paar Münzen oder Barren kaufen und Sie dies beruhigt, bitte. Aber Gold sollte nur eine Beimischung (5 bis 10 %) in einer gut gestreuten Vermögensanlage sein. Und es gehört unbedingt in den Banksafe: Nur dort ist es vor Einbrechern sicher!

Foto: Quirin Leppert Ein Artikel aus der BRIGITTE 11/09
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