Zukunftsberufe: Die Frau, die den Ford Ka baut

Vom Design bis zur Finanzierung - bei Project-Managerin Sabine Heckers laufen alle Fäden zusammen, wenn in den Ford-Werken ein neues Modell vom Band geht. Kollegen begegnen der Diplom-Ingenieurin mit ziemlich viel Respekt.

Den Traum vom eigenen Auto lebt Sabine Heckers buchstäblich Tag für Tag. Im Job. Von der ersten Idee bis zur Präsentation des fertigen Autos begleitet die Project Managerin bei Ford in Köln die Entwicklung von Fahrzeugen, zum Beispiel die des neuen Ford Ka. Design, Fahrzeugtechnik, Finanzierung - alle Sparten sind an der Entstehung beteiligt und müssen koordiniert werden. "Bei mir im Programm-Management laufen die Fäden zusammen", sagt die 44-Jährige. Deshalb sind Team-Besprechungen an der Tagesordnung. Wo gibt es Probleme, was muss optimiert werden? Wirtschaftskenntnisse und vor allem technisches Fachwissen sind die wichtigsten Voraussetzungen, um auch in Detailfragen gemeinsam Lösungen zu finden.

Für solche Fragen hat sich Sabine Heckers eigentlich schon immer interessiert. "In den Ferien habe ich in einer Schraubenfabrik gejobbt, mit 18 fuhr ich Motorrad und fand Autos super", sagt sie. "Aber ich war auf einem Mädchengymnasium, da war nicht viel mit Technik." Deshalb fing Sabine Heckers nach dem Abitur erst einmal mit Kunstgeschichte, Germanistik und Romanistik an. "Aber ich habe dann ziemlich schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist", sagt sie. Ihre Technik-Begeisterung war für die Eltern zunächst gewöhnungsbedürftig, aber inzwischen sind sie stolz auf ihre Töchter. Bei der Schwester lief es nämlich ähnlich. Sie arbeitet als Technik-Lehrerin in einer Berufsschule. Der Bruder ist Musiker. "Also komplett falsch herum, wenn man so will", sagt die Diplom-Ingenieurin. Noch immer ist sie froh darüber, dass sie im Studium Kunstgeschichte gegen Maschinenbau getauscht hat. Auf die Konstruktion von Autos musste sie sich dabei nicht von vornherein festlegen. Von Raketenbau über Medizin- bis zu Textiltechnik ist im Maschinenbau vieles möglich.

Trotzdem: Für Sabine Heckers ist ein Auto einfach etwas Besonderes. "Auf engstem Raum muss es möglichst all das beherbergen, was sich der Kunde wünscht, es muss Abgasverordnungen genügen und für die Massenproduktion taugen, also finanzierbar bleiben. Die Konstruktion ist deshalb eine echte Herausforderung für alle Beteiligten."

Etwa sechs Jahre dauert es immerhin, bis ein neuer Wagen zu den Händlern kommt. Handelt es sich nur um "freshening", das heißt: um das Aufpolieren eines Wagens, der bereits auf dem Markt ist, geht es schneller. Im Mittelpunkt der Planung: die sogenannten Zielkunden. Deshalb überlegen Sabine Heckers und ihr Team zunächst, ob sie das neue Auto für ältere Leute, für Familien oder junge Singles konstruieren. Frauen spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Deshalb wirbt das Unternehmen zum Beispiel für den neuen Ford Ka mit Bondgirl Camille. Jung und dynamisch - so wie die Frauen, die der Wagen ansprechen soll. Also gibt es das doch - das typische Frauenauto?

Sabine Heckers überlegt. "Zumindest kann man sagen, dass Frauen eher zum Vernunftkauf neigen. Sie denken: Ich habe drei Kinder, und deshalb muss das neue Auto ein Kombi sein. Männer sehen in Autos eher ein Statussymbol, das Macht und Stärke ausdrücken soll. Deshalb darf es dann auch mal eine Nummer größer sein - egal, ob Kinder da sind."

Aber nicht nur als Käuferinnen sind Frauen interessant - weibliche Fachkräfte können sich bei der Autokonstruktion logischerweise besonders gut in Käuferinnen hineinversetzen. Trotzdem ist der Frauenanteil in den technischen Abteilungen der Hersteller gering. Auch bei Ford. "Und es gibt durchaus Kollegen, die Vorbehalte mir gegenüber haben, weil ich eine weibliche Vorgesetze bin", sagt die Project Managerin. Anfangs war sie deswegen unsicher. Mittlerweile ist sie im Umgang mit Männern aber richtig tough. "Und meistens merken diejenigen, die die Teamarbeit erst mal blockieren, nach einiger Zeit: 'So dumm isse ja gar nicht' und akzeptieren mich." Und wenn nicht? Gespräche hat es natürlich schon mal gegeben, sagt sie, aber so etwas sei wirklich selten.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird bei Ford gefördert - mit flexiblen Arbeitszeiten, einem Betriebskindergarten und einer ad-hoc-Kinderbetreuung für Notfälle. "Die Möglichkeiten werden immer besser", sagt Sabine Heckers. "Eigentlich wundere ich mich wirklich, dass nicht längst mehr Frauen in meinem Beruf arbeiten: Wir sind ganz nah am Menschen dran, weil wir für reale Kunden bauen, nach ihren Bedürfnissen fragen und ihr Feedback in unsere Planung einbeziehen." Technik-unfähige Frauen? Gegen dieses Klischee hilft nur eins: Einsteigen und durchstarten - am besten im selbstkonstruierten Auto.

Was machen eigentlich Maschinenbauingenieurinnen und -ingenieure...?

Raketen, Nähmaschinen, Autos, Röntgenapparate, Stromleitungen, Fernsehen - ohne Diplom-ingenieurinnen und -ingenieure undenkbar. Maschinen und Anlagen entwickeln und dafür sorgen, dass sie so laufen wie sie sollen, Beratung und Kundenservice gehören zu ihren Aufgaben.

Der Weg zum "Dipl. ing." Fachhochschulen und Universitäten bieten den Diplomstudiengang Maschinenbau an (Dauer: 8 Semester an Fachhochschulen, Universitäten je nach Ausrichtung 9-11 Semester). Ab 2010 wird allerdings der Bachelor der Regelabschluss sein (Dauer: 6 Semester). Weitere Möglichkeiten: Wirtschaftsingenieurwesen und technische Informatik mit Maschinenbau als Schwerpunkt sowie duale Studiengänge, die Studium und Berufsausbildung verbinden.

"Try Ing" Mit dieser Initiative richten sich Ford und die Fachhochschule Köln an Schülerinnen ab der Jahrgangsstufe 11, die sich über Job-Möglichkeiten in der Produktentwicklung und der Automobilindustrie informieren möchten. Jedes Jahr in den Sommerferien nehmen die Schülerinnen an Vorlesungen der Fachhochschule teil und sind für eine Woche im Ford-Entwicklungszentrum in Köln-Merkenich. Bewerbung: Ford Aus- und Weiterbildung e.V. FiT - Frauen in technischen Berufen, fitteam@ford.com Weitere Infos unter www.ft.fh-koeln.de www.ford.de

Noch mehr Tipps und Infos auch für jüngere Mädchen gibt's beim girls day - in diesem Jahr am 23. April. www.girls-day.de

Text: Gabriele Meister
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