Arbeitsteilung zu Hause: Schluss mit der Besserwisserei!

Wenn beide Elternteile arbeiten, muss die Arbeitsteilung zu Hause doppelt gut funktionieren. Warum packen Männer trotzdem so wenig mit an? Das liegt auch am Perfektionismus der Frauen, meint BRIGITTE-Autorin Daniela Stohn.

Neulich saß ich in einer Themenkonferenz, es ging um die Frage, warum Frauen immer noch mehr putzen und bügeln als ihre Männer, obwohl deutlich mehr Frauen arbeiten als früher. Eine Kollegin sagte dazu: "Wieso regt ihr Euch so auf? Frauen sind doch selbst schuld, wenn sie die ganze Arbeit selbst machen."

"Mein Mann hat eine andere Vorstellung davon, wie ordentlich und sauber es bei uns zu Hause sein soll."

Ich schaute betroffen aus dem Fenster und sagte: nichts. Die Kollegin ist 20 Jahre älter als ich, sie hat also Zeiten erlebt, in denen Gleichberechtigung lange nicht so selbstverständlich war wie heute. Warum war sie in diesem Punkt so viel klarer als ich?

Der Satz ließ mich den ganzen Tag nicht los. Denn die Frage hatte ich mir selbst schon oft gestellt: Wieso liegt der Großteil der nervigen Hausarbeit eigentlich bei mir?

Ich arbeite nur zehn Stunden weniger als mein Mann. Trotzdem räume in der Regel ich die leeren Teller weg, hänge Jacken auf, schaue die Hausaufgaben nach, kümmere mich um die Wäsche, kaufe ein, denke an Geburtstage, Klassenarbeiten, Arztbesuche und Verabredungen. Mein Mann hat eine andere Vorstellung davon, wie ordentlich und sauber es bei uns zu Hause sein soll und kauft grundsätzlich erst ein, wenn er im Kühlschrank nur noch Senfgläser findet. So lange mag ich nicht warten, dann mache ich es lieber selbst.

Bei der Erziehung ist es nicht anders. Ich mag geregelte Essenszeiten, mein Mann ist da eher spontan. Wenn ich am Wochenende unterwegs bin, schläft er in Ruhe aus. Haben die Kinder (8 und 10) Hunger, müssen sie sich eine Banane oder einen Joghurt nehmen. Zum Mittag gibt's meist Pfannkuchen, Omelette oder Milchreis. Und wenn ich nach Hause komme, kann ich den Boden kaum betreten, weil überall Sachen herumliegen. Beschwere ich mich, sagt er: "Wenn Du es besser kannst, darfst Du eben nicht wegfahren." Hallo, geht's noch?

Dass ich mit meinem Problem nicht allein dastehe, belegen Untersuchungen wie die der Psychologin Dr. Elke Rohmann von der Ruhr-Uni-Bochum: Die meisten Frauen gaben in ihrer Umfrage an, wesentlich häufiger Hausarbeit zu erledigen als ihre Männer. "Kinderbetreuung und Hausarbeit haben sich noch immer nicht von dem tradierten Rollenklischee gelöst", so Rohmann. Einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zufolge übernehmen lediglich 27 Prozent der Männer etwa die Hälfte der Familienarbeit. Nur in unserer Idealvorstellung teilen sich also Mann und Frau die Erziehung und den Haushalt, obwohl wir uns doch eigentlich als gleichberechtigt empfinden.

Dass die Arbeitsteilung nicht klappt, liegt aber nicht zuletzt an uns Frauen – auch wenn das jetzt keine hören mag. Oft, und das beobachte ich auch bei meinen Freundinnen, wissen wir es besser, ob es um den Grad der Sauberkeit geht oder die Frage, ob ein Computerspiel für das Kind geeignet ist oder nicht. Mein Mann sagte neulich resigniert: "Wenn ich den Küchentisch wische, nimmst Du sowieso zwei Minuten später den Lappen in die Hand und wischst ihn noch mal. Was ich mache, ist Dir nie gut genug."

Experten haben natürlich längst ein Fachwort für dieses Phänomen gefunden: "Maternal Gatekeeping". Kurz zusammengefasst bedeutet es, dass wir unser Selbstbewusstsein aufpäppeln, indem wir uns unseren Männern gegenüber als Herrscherinnen der Haushaltsdomäne und als Erziehungsexpertinnen aufspielen. Nichts erledigen sie in unseren strengen Augen gut genug, denn es fühlt ja sich verdammt gut an, alles besser zu wissen. Oder?

"Wie viel sind wir bereit abzugeben?"

Ganz selbstkritisch muss ich zugeben: Auch ich mag es, wenn die Dinge zu Hause so laufen, wie ich es will. Dass das Geschirr sofort in die Spülmaschine geräumt wird und nicht erst am nächsten Morgen. Dass die Kinder keine Computerspiele daddeln und ihre Hausaufgaben nicht erst abends um 19 Uhr erledigen. Die Kehrseite meines Ideals: wenig Spontaneität, viel Stress und eine ungerechte Arbeitsverteilung. Wir stehen uns selbst im Weg mit unserem Perfektionismus. Vielleicht sollten wir uns mal ehrlich fragen, was eigentlich so schlimm daran ist, wenn eine Windel nicht perfekt gebunden oder das Essen zu zuckerhaltig ist? Wie viel sind wir bereit, abzugeben?

Klar, auch die Männer müssen aus ihrer Komfortzone herauskommen und endlich ihren Teil übernehmen. Aber vielleicht muss einer den Anfang machen, vielleicht wir, weil wir die Nase voll haben von dem ganzen Stress.

Ich jedenfalls habe gute Vorsätze. Wenn ich demnächst mit einer Freundin übers Wochenende wegfahre, werde ich vorher keine Instruktionen auf eine Liste schreiben, nichts vorkochen und keine Verabredungen organisieren. Und wenn ich wieder nach Hause komme und die Kinder tragen noch dieselbe Unterwäsche wie drei Tage vorher, wird mein Mund wie zugenagelt sein. Mir selbst schreibe ich allerdings einen Post-it-Zettel: "Egal, was passiert: Lächeln!"

Text: Daniela Stohn

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