Kino-Highlights 2019: Von verrückten Clowns zu verrückten Königinnen

Once Upon a Time... in einer weit, weit entfernten Galaxis: Das Kinojahr 2019 neigt sich dem Endgame entgegen. Die unvergesslichen Filme.

Wir haben gelacht, Tränen vergossen, mitgefiebert, Bauklötze gestaunt und uns zuweilen in die Hose gemacht. Das Kinojahr 2019 liegt in den letzten Zügen und drängt noch einmal darauf, all die Perlen der verschiedensten Filmgattungen auszugraben, die es uns dargeboten hat. Und so kämpften ein Clown und eine Königin um die Krone des Wahnsinns, Superhelden gingen ins alles entscheidende Endspiel, tragische Geschichte wurde humoristisch neu geschrieben und in einer weit, weit entfernten Galaxis fand ein Sternenmärchen nach über 40 Jahren seinen Abschluss.

Prinz Harry + Prinz William: Verhältnis ist schlimmer denn je

Das beste Drama: "Joker"

"Joker" ist die Origin-Story des vielleicht größten Schurken der Comic-Geschichte. Im Gegensatz zu Hauptdarsteller Joaquin Phoenix machte der bierernste Film vielleicht nicht alles richtig und im Vergleich zu "Taxi Driver" nicht alles neu. Im Unterschied zu so manch einem austauschbaren Marvel-Blockbuster blieb er einem aber noch im Kopf, lange nachdem der Abspann über die Leinwand rollte. Comic kann auch eindringliches Drama sein, das bewies Todd Phillips mit seinem "Joker" auf sagenhafte Weise.

Alternativen: "Green Book"/"Leid und Herrlichkeit"

Ein möglichst ungleiches Duo in einer möglichst verzwickten Situation - fertig war das simple Rezept für Oscar-Überraschung "Green Book". Regisseur Peter Farrelly fügte dieser Basis aber noch Zutaten wie Sozialkritik, Drama sowie zwei herausragende Darsteller hinzu. Alternative 2: Regisseur Pedro Almodóvar schickt derweil sein bewegendes Drama "Leid und Herrlichkeit" ins kommende Oscar-Rennen 2020 und dürfte dabei auch gute Chancen auf einen Goldjungen haben. Melancholisch schöner, sehenswerter Unterhaltung Antonio Banderas sei dank.

Die beste Biografie: "The Favourite - Intrigen und Irrsinn"

Für ihre Performance als wahnwitzige Königin Anne hat Olivia Colman völlig zu Recht den Oscar als beste Hauptdarstellerin eingeheimst. "The Favourite - Intrigen und Irrsinn" verband gekonnt und so noch nie gesehen Historienfilm mit Drama und Zickenkrieg. Allen voran die weiblichen Darstellerinnen überzeugten dabei durch die Bank, die Herren der Schöpfung rückten da in den Hintergrund. Und das darf auch mal sein.

Alternativen: "Le Mans 66"/"Rocketman"

Bei "Le Mans 66" ist eine der ersten Assoziationen von Cineasten selbstredend "Rush - Alles für den Sieg" mit Chris Hemsworth und Daniel Brühl. Zwei ungleiche Männer, wenn auch dieses Mal keine direkten Kontrahenten, eine wahre Geschichte und eindringlich inszenierte Action auf der Rennpiste. Für Hobby-Rennfahrer und Anhänger von Oscar-Gewinner Christian Bale ein Pflichttermin. Alternative 2: Ebenso wie "Rocketman" für Musikbegeisterte. Die optisch fantasievoll erzählte Lebensgeschichte von Elton John mit Taron Egerton in der Hauptrolle sparte nicht an Sex and Drugs und fing das ereignisreiche Leben des schillernden Stars so vielleicht nicht jugendfrei, dafür aber perfekt ein.

Der beste Animationsfilm: "Die Eiskönigin 2"

Der Branchenseite "Box Office Mojo" nach liegt "Die Eiskönigin" auf Platz 15 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten (1,27 Milliarden Dollar). Da verwunderte es direkt, dass Disney sich sechs Jahre Zeit gelassen hat, um nun die Fortsetzung ins Kino zu bringen. Doch sowohl kommerziell als auch qualitativ darf sich der Mauskonzern für diese Entscheidung auf die Schulter klopfen - denn "Die Eiskönigin 2" steht dem Vorgänger in nichts nach und führte die Geschichte von Elsa und Co. herzerwärmend für Groß und Klein fort.

Alternativen: "Der König der Löwen"/"A Toy Story"

Regisseur Jon Favreau verbeugte sich mit seiner Realverfilmung von "Der König der Löwen" vor dem Zeichentrick-Original und schaffte es dank modernster Technik und einem herausragenden Cast, dem ewigen Kreis neues Leben einzuhauchen. Alternative 2: Auch "Toy Story" ist und bleibt ein Phänomen. Bisher hat es jeder Teil geschafft, den Vorgänger in Sachen Emotionalität und Einfallsreichtum zu erreichen, wenn nicht gar zu überbieten. Eben auch, weil sich die Reihe viel Zeit lässt - Teil eins kam bereits 1995 ins Kino, also fast 25 Jahre vor "Alles hört auf kein Kommando". Folglich machte auch Teil vier im Grunde alles richtig.

Die beste Comic-Verfilmung: "Avengers: Endgame"

Wenn auch nicht auf dem Papier, so war "Avengers: Endgame" das gefühlte Finale der dritten Marvel-Phase. Der Streifen stellte ein interessantes Gegengewicht zum Vorgänger "Infinity War" dar und zollte durch seine Zeitreise-Thematik den insgesamt über zehn Jahren des Franchises auf charmante Weise Tribut. Und dabei fiel er sowohl tragisch, als auch komisch aus - das Erfolgsrezept der Marvelfilme seit jeher.

Alternativen: "Captain Marvel"/"Spider-Man - Far From Home"

Mit der Figur Captain Marvel erhielt nun endlich auch das Marvel-Universum die erste Superheldin mit einem eigenen Film. Oscargewinnerin Brie Larson als Titeheldin stand dabei für den bekannten, aber dennoch gerne gesehenen Mix aus Action, Humor und kessen Sprüchen. Alternative 2: Schien es derweil im Vorfeld der dritten Spinnenmann-Auflage innerhalb weniger Jahre eigentlich unmöglich, so schaffte es der charmant-tollpatschige Tom Holland doch, "Spider-Man" einen eigenen, sehenswerten Stempel aufzudrücken. Mit Abstrichen gelang ihm das auch in "Spider-Man - Far From Home".

Der beste deutsche Film: "Systemsprenger"

"Die überwältigenden Reaktionen des Publikums zeigen: Kino kann einen Dialog zwischen Kulturen herstellen, weil es ums Menschsein geht", sagte Regisseurin Nora Fingscheidt nach der Bekanntgabe, dass "Systemsprenger" für Deutschland ins Oscar-Rennen gehen sollte. Unabhängig davon, dass es am Ende doch nicht für die Teilnahme am Wettbewerb um den Goldjungen gereicht hat, demonstrierte Fingscheidt mit ihrem Film über ein Mädchen, das einfach nicht ins System passen will, wie Jugendliche aus eben jenem fallen und in einem Leben voller Gewalt landen können. Deutsches Kino von seiner bedeutsamsten Seite und in Person der jungen Helena Zengel zudem großartig gespielt.

Alternativen: "Der Fall Collini"/"Der Goldene Handschuh"

Mit der Verfilmung von Ferdinand von Schirachs gleichnamigen Roman ging "Fack ju Göhte"-Star M'Barek ungewohnte, ernste Wege. Seine Teilnahme an dem Polit-Thriller stand im krassen Gegensatz zu seinen jüngsten Kino-Auftritten und konnte noch einmal unterstreichen, dass in ihm weit mehr als "nur" der schöne Blickfang für Klamauk schlummert. Alternative 2: Unfassbar, wie der adrette Jonas Dassler in Fatih Akins Streifen "Der Goldene Handschuh" verunstaltet wurde. Die wahre Geschichte über den ebenso bemitleidenswerten wie bestialischen Mörder Fritz Honka war ungemein harte Kost. Aber wie "Systemsprenger" ebenfalls eine willkommene Abwechslung vom deutschen Romcom-Einheitsbrei.

Der beste Action-Film: "Hobbs & Shaw"

"Völlig Banane" - so lautet der Fachbegriff für die Prämisse von "Fast & Furious: Hobbs & Shaw". Und genau darauf zielte der Actionstreifen auch ab: Noch höher, noch schneller und noch weiter als in der Originalreihe ging es im Ableger zu. Irgendwie kaum vorstellbar. Das gefiel allen Fans des PS-Bombasts bestens und auch Neueinsteiger fanden schnell rein in den herrlich überdrehten Action-Unfug. Das Hirn darf auch mal Pause machen!

Alternativen: "Alita: Battle Angel"/"John Wick - Kapitel 3"

Wer Action gerne mit Sci-Fi kombiniert, sollte "Alita: Battle Angel" nachholen. Damit bekamen die Zuschauer 2019 Schauwerte der Marke "Avatar" geboten - kein Wunder bei Cameron als Drehbuchautor und Produzent. Obendrauf gab es zudem noch einen Christoph Waltz in ungewohnter Rolle. Alternative 2: Rache, die dritte: Ein-Mann-Armeen der Marke "John Wick" wurden auch 2019 nicht langweilig. "Kapitel 3" über das Leben und Töten von John Wick gehorchte den typischen Gesetzen der Filmreihe, sprich er toppte den Übertreffungszwang des Vorgängers noch auf eindrucksvolle Weise.

Der beste Liebesfilm: "Beale Street"

Der Film "Beale Street" basiert auf dem Bestseller-Roman des US-Autors James Baldwin und wurde von "Moonlight"-Regisseur Barry Jenkins auf die Leinwand gebracht. Wie schon der beste Oscar-Film von 2017 erwartet den Zuschauer zwar keine einfache, aber bedeutsame Kost. Und zeigt, dass nicht etwa Hass, sondern Liebe die Form des Widerstands ist.

Alternativen: "Yesterday"/"Last Christmas"

In einer Welt aufwachen, in der es die Beatles und all ihre Hits nie gegeben hat? Undenkbar! Der geschasste "Bond 25"-Regisseur Danny Boyle hatte sich mit "Yesterday" solch einer Welt angenommen. Herausgekommen ist nicht nur ein Film mit herausragender Musik, sondern auch eine charmante Liebeskomödie, bei der das Herz im Takt von "Obladi Oblada" mitsprang. Alternative 2: Ja, kitschig, gegebenenfalls auch vorhersehbar und dennoch irgendwie charmant: "Last Christmas" mit Emilia Clarke bietet sich nur noch einige Wochen zum Heulen an - oder erst wieder in einem Jahr zu Weihnachten. Dafür aber umso mehr - man kann sich ja nicht immer "Tatsächlich... Liebe" ansehen!

Der beste Horror-Film: "Midsommar"

Mit seinem Kino-Debüt "Hereditary" hat Regisseur Ari Aster ein Meisterwerk des Horrors abgeliefert. Unter gänzlich anderen Vorzeichen kam 2019 sein zweiter Film "Midsommar" daher. Nicht düster und klaustrophobisch, sondern gleißend hell und im Freien wurde der Schrecken darin dargeboten. Ein ungewöhnliches, dadurch aber auch besonders spannendes Horror-Setting, das nicht minder viel Schrecken in sich barg.

Alternativen: "Wir"/"The Dead Don't Die"

Mit "Wir" wollte Regisseur und Komiker Jordan Peele eigenen Aussagen nach beweisen, dass er nach "Get Out" auch reinen (Psycho-)Horror kann. Über die gesamte Laufzeit wollte ihm das bei seinem zweiten Film zwar nicht gelingen, für gehörig Gänsehaut sorgte er dennoch zu Genüge. Alternative 2: Eine Zombie-Komödie namens "The Dead Dont't Die" von Autorenfilmer Jim Jarmusch? Mit Stars aus Kino- (Adam Driver) und Musikwelt (Iggy Pop)? Das klang wie der feuchte Kinotraum aller "Shaun of the Dead"-Liebhaber. An dieses Paradebeispiel der Horrorkomödie kam er zwar nicht ran, sehenswert war er aber allemal.

Die beste Komödie: "Once Upon a Time... in Hollywood"

Ein bahnbrechender Ensemble-Cast, liebenswert-schräge Charaktere, ein spannendes Setting und eine Ode an die Filmindustrie der 1960er Jahre: Quentin Tarantinos neunter Film "Once Upon a Time... in Hollywood" bot alles, was das Cineasten-Herz höherschlagen lässt. Vor allem aber war er eines: trotz der vermeintlich tragischen Handlung über die Ermordung von Sharon Tate ungemein lustig. Was speziell am großartigen Duo DiCaprio/Pitt lag - gerne mehr davon!

Alternativen: "Vice"/"Long Shot"

Christian Bale hat es 2019 wieder einmal geschafft: Als erfolgreichstes Chamäleon Hollywoods ergatterte er nicht nur die prestigeträchtige Hauptrolle in "Vice", sondern auch noch eine erneute Oscar-Nominierung. Die bitterböse Komödie und Polit-Satire sorgte für ungläubiges, aber unterhaltsames Kopfschütteln. Alternative 2: Ob die Liebelei zwischen zwei Menschen wie Charlize Theron und Seth Rogen in der Realität zustande käme, sei mal dahingestellt. In der Komödie "Long Shot" funktionierte das ungleiche Duo aber erstaunlich gut und sorgte trotz zuweilen etwas zu sehr Slapstick für viele Lacher. Dabei überraschte vor allem Theron als absolutes Comedy-Talent.

Der beste Fantasy-Film: "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers"

Das Finale der Filmreihe rund um den Aufstieg, Fall und erneuten Aufstieg der Familie Skywalker wurde von Disney vollmundig als Höhepunkt von 42 Jahren "Star Wars" angepriesen. Darüber lässt sich selbstredend herrlich streiten, eines kann J.J. Abrams aber nicht abgesprochen werden: Mit "Der Aufstieg Skywalkers" hat er die Reihe nach dem von vielen Fans verhassten "Die letzten Jedi" zu einem würdigen Abschluss gebracht.

Alternative: "Aladdin"

Bekanntlich hat Disney die Realverfilmungen für sich entdeckt. Das bewies das Studio vor längerer Zeit mit "Das Dschungelbuch" und das zeigte es auch 2019 gleich in doppelter Ausführung mit "Aladdin" und "Dumbo". Während letzterer Film kein Erfolg wurde, fing "Aladdin" trotz anfänglicher Trailer-Häme den (Flaschen-)Geist der Zeichentrickvorlage gut ein präsentierte die schöne Geschichte aus 1001 Nacht in neuem Gewand einem neuen Publikum.

SpotOnNews
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.