Max Raabe: Darum lässt er sein Auto lieber "zu Hause stehen"

Max Raabe wurde 2019 zur "Fahrradfreundlichsten Persönlichkeit" gewählt. Warum er so gern mit dem Rad unterwegs ist, verrät er im Interview.

Diese Ehre gebührt nur den wirklich großen Künstlern: Max Raabe (56, "Kein Schwein ruft mich an") hat mit seinem Palast Orchester ein "MTV Unplugged"-Album aufgenommen, das am heutigen Freitag erscheint. Zu diesem Anlass hat sich der Sänger ganz besondere Gäste eingeladen: Die Sängerinnen Namika (28) und Lea (27), Musiker Achim Hagemann alias Pawel Popolski (54), Schauspieler Lars Eidinger (43), Rapper Samy Deluxe (41), Musikerlegende Herbert Grönemeyer (63) und Heavy-Metal-Sänger Mr. Lordi (45).

Was es mit dieser außergewöhnlichen Auswahl auf sich hat und warum Max Raabe sein Fahrrad als Ausgleich zum stressigen Studio- und Probenalltag in Berlin so wichtig ist, hat der Sänger im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt.

Es ist eine große Ehre, für "MTV Unplugged" angefragt zu werden. Wie fühlt sich das an, zu den ausgewählten Künstlern zu gehören?

Max Raabe: Zuerst habe ich gedacht: Das ist doch merkwürdig, ich bin doch kein "MTV Unplugged"-Künstler. Da musste ich fast lachen. Dann habe ich mich aber an den Gedanken gewöhnt. Ich dachte mir: Wenn ich nicht selbst versuche, cool zu sein, sondern Leute einlade, die cool sind, dann geht das Konzept auf. Ich habe dann nur Gäste eingeladen, die man sonst mit dem Palast Orchester und Max Raabe nicht verbinden würde.

Es war ja auch eine Überraschung, wer die Gäste sein würden.

Raabe: Ehrlich gesagt habe ich niemandem erzählt, wen ich einlade. Ich habe nur gesagt, dass ich "MTV Unplugged" mache, aber niemand wusste, wer da noch mitmacht. Ich bin bis zum Schluss davon ausgegangen, dass irgendeiner bestimmt nicht kann. Entweder hat das Flugzeug einen Platten oder die Bundesbahn keine Lust pünktlich zu sein. Die Risiken, ob alle pünktlich anreisen zu diesem einen Anlass, waren doch recht hoch. Aber es sind alle gekommen und es hat alles geklappt.

Gab es einen Künstler, mit dem die Zusammenarbeit besonders spannend war?

Raabe: Es war mit allen spannend. Gerade in der Mischung liegt der Reiz, dass ganz unterschiedliche Leute dazugekommen sind. Wir hatten Lars Eidinger mit der "Moritat von Mackie Messer" dabei. Wir haben uns bei einer Premieren-Feier einmal kennengelernt. Da sagte er mir, dass er "Kein Schwein ruft mich an" bei der Schauspiel-Aufnahmeprüfung gesungen hat. Wir dachten dann, die "Moritat" wäre sehr passend. Lars Eidinger hatte auch Zeit. Das sind ja auch Leute, die wahnsinnig viel zu tun haben.

Außerdem kam Mr. Lordi dazu und hatte den intimsten und ruhigsten Moment der ganzen Aufführung - obwohl er das wüsteste Auftreten hatte. Dann hatten wir Pawel Popolski, der "Kein Schwein ruft mich an" als Polka komponiert hat und das auch gleich mit seinem Koffer-Schlagzeug demonstrierte. Der ganze Abend hatte auch etwas Komisches und Spielerisches. Eigentlich wussten wir ja selbst bis zum letzten Tag nicht, wie es werden würde. Genau deshalb hat es auch so großen Spaß gemacht.

Sie sind momentan fast ununterbrochen auf Tour. Nehmen Sie sich da auch mal Auszeiten?

Raabe: Wenn man auf den Tourplan guckt, sieht es erst mal wüst aus. Aber die freien Tage sind nicht eingetragen, darum wirkt das alles sehr massiv. Wir haben fünf oder sechs Konzerte und dann haben wir wieder fünf Tage frei. Das ist machbar. So bleiben wir auch in der Routine und im Schwung. Gleichzeitig genieße ich die freien Tage und bin faul. Wenn wir unterwegs sind, spielen wir in schönen Orten und reisen herum. Die Atmosphäre mit den Kollegen ist angenehm. Wir können das machen, was wir wollen. Wir haben keinen Regisseur, der uns sagt, was zu tun ist. Das ist ein großes Geschenk.

Sie sind viel unterwegs, auch auf dem Fahrrad. Sie wurden dieses Jahr zur "Fahrradfreundlichsten Persönlichkeit" gewählt. Warum fahren Sie so gerne Fahrrad?

Raabe: Ich finde das bequemer als die ganze Strecke zu Fuß zu laufen. Wenn ich hier in Berlin aus dem Studio oder von einer Probe komme, finde ich es schön, nicht wieder in einem geschlossenen Raum wie einem Auto zu sitzen. Auf dem Fahrrad fährt man durch die frische Luft und kann sich den Wind um die Nase wehen lassen. Dann wird auch der Kopf wieder klar. In Berlin gibt es auch ganz schöne Möglichkeiten, wenn man die großen Straßen meidet. Abgesehen davon fahre ich auch viel S- und U-Bahn. Ich habe zwar auch einen Wagen, aber den lasse ich lieber zu Hause stehen. Ich habe außerdem festgestellt, dass die Idioten bei Fahrrad- und Autofahrern gleichermaßen verteilt sind.

Regen Sie sich denn auch mal über andere Verkehrsteilnehmer auf?

Raabe: Ich bemühe mich, mich nicht aufzuregen. Ich sage immer: Wer blinkt, darf alles. Jeder kann sich ja mal vertun. Aber man muss gucken, vorsichtig sein und immer Blickkontakt haben. Man darf nicht stur durchsemmeln. Ich versuche das jedenfalls bei mir so zu halten.

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