Michael Bully Herbig: Dieser Charakterzug verbindet ihn mit Cowboy Woody

Michael Bully Herbig ist die Synchronstimme von Woody in "Toy Story 4". Was ihn mit der Spielzeugfigur verbindet, verrät er im Interview.

"A Toy Story: Alle hört auf kein Kommando" startet am 15. August in den deutschen Kinos. Michael Bully Herbig (51, "Der Schuh des Manitu") leiht im vierten "Toy Story"-Film erneut dem Spielzeug-Cowboy Woody seine Stimme. Wie schnell er nach rund zehn Jahren wieder in die Rolle gefunden hat, verrät er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Zehn Jahre ist es her, dass Sie Woody gesprochen haben. Wie hat sich das Comeback angefühlt?

Michael Bully Herbig: Erst einmal war ich erstaunt, dass es schon so lange her ist. Als die Ankündigung kam, dass es einen neuen Film geben wird, hatte ich gehofft, dass bei mir das Telefon klingelt. Ich war zutiefst erleichtert, als ich ihn gesehen habe und ihn toll fand. Man macht es dann nicht nur, weil man auf der Rolle draufsitzt, sondern Spaß daran hat und sich auf eine gute Zeit im Studio freut.

War es schwer, wieder zu Woody zurückzufinden?

Herbig: Überhaupt nicht. Du guckst den Film in unfertigem Zustand und erkennst bereits, was er für eine Temperatur und Humorfarbe hat. Ich habe dann noch mal kurz reingehört, wie das früher bei mir klang und dann ging es ab ins Studio. Du stehst vorm Mikrofon und versuchst so nah wie möglich am Original zu bleiben - ohne zu imitieren. Die Idee soll nicht verloren gehen, aber ein bisschen von dir selbst schwappt schon mit herein.

Grundsätzlich sind Sie ein alter Hase im Synchron-Geschäft. Bereitet Ihnen etwas immer noch Schwierigkeiten?

Herbig: Die erste Anfrage von Disney kam tatsächlich vor etwa achtzehn Jahren für "Ein Königreich für ein Lama". Ich bin ja kein professioneller Synchronsprecher, deshalb beschränke ich mich auf Animationsfilme. Trotz Übung bringst du manchmal einen Satz einfach nicht heraus, weil er zum Beispiel in einem wahnsinnig schnellen Tempo gesprochen werden muss. Bei Wortspielereien aus dem Englischen, die anders übersetzt und reingequetscht werden, ist das häufig der Fall. Dieses Mal lief es aber wie am Schnürchen.

Warum glauben Sie, dass altmodische Spielzeuge auf der Leinwand noch funktionieren?

Herbig: Bei meinen eigenen Filmen hat es mich oft wenig interessiert, eine Fortsetzung zu machen, weil ich immer das Gefühl hatte, ich mache jetzt das Gleiche nochmal. Und man braucht auch eine wirklich gute Idee, eine Berechtigung. Vielleicht hat ein vierter Teil deshalb auch zehn Jahre auf sich warten lassen. Was mir bei dem neuen Teil gefällt ist, dass er komplett unabhängig von den ersten drei ist. Unter dem Label "Toy Story" kannst du ja wie bei "A Star Wars Story" noch ganz viel abliefern. Ich habe mir für die nächsten 20 Jahre erst einmal nichts vorgenommen (lacht).

Hatten Sie denn ein Lieblingsspielzeug in Ihrer Kindheit?

Herbig: Es war mein Ball. Wann immer es ging, hatte ich meinen Fußball dabei. Er hatte auch einen Namen: Ball. Wenn mich jemand gefragt hat, wen ich draußen zum Spielen treffe, habe ich immer gesagt: 'Ich spiele heute mit Ball Fußball.' Ich kaufe mir auch heute noch alle vier Jahre zur WM einen neuen. So ein Ball kann ein richtig guter Freund sein.

Woodys Motto im Film ist: Man lässt kein Spielzeug zurück. Was bedeutet Ihnen Loyalität?

Herbig: Loyalität ist erst einmal eine feine Sache. Ich finde sie dann schwierig, wenn sie erzwungen wird, wenn man sie automatisch einfordert und das noch zu Unrecht. Dann wird sie zur Last. Es heißt ja nicht gleich, dass man illoyal ist, wenn man seinen eigenen Weg geht. Das ist das Schöne an dem Film: Es geht auch um Loslassen - und um Freundschaft, um Liebe und ein Stück weit um Nostalgie.

Was unterscheidet Sie noch von Woody?

Herbig: Ich glaube, ich gehe mit dem Scheitern lockerer um. Woody hält noch lange an Dingen fest, ich habe im Scheitern auch immer eine Chance gesehen. Wenn irgendetwas nicht klappt, hat das einen Grund und irgendwo geht eine neue Tür auf, hinter der womöglich etwas Besseres wartet - was man auch Schönreden nennen kann (lacht). Aber ich habe durchaus Spießer-Ansätze, das verbindet mich mit Woody, der seine Prinzipien hat und bei dem alles nach Plan laufen muss.

Haben Sie einen Lieblingsanimationsfilm?

Herbig: Dass ich ein kleiner "Toy Story"-Fan bin, versteht sich von selbst. Ansonsten mag ich Klassiker wie "Dschungelbuch", fand aber auch "Die Monster AG" eine tolle Idee. Mit den Realverfilmungen entsteht eine ganz neue Art von Filmen. Man weiß natürlich, dass sie ein Stück weit am Computer entstanden sind, aber man vergisst das schnell. Nach dem ersten Trailer wusste ich: "König der Löwen" finde ich spektakulär. Ich wüsste nicht, was man da noch besser machen könnte.

SpotOnNews
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