Neo Magazin Royale: Die Highlights aus sechs Jahren mit Jan Böhmermann

Am heutigen Donnerstag läuft die letzte Folge von "Neo Magazin Royale". Das waren einige der Highlights der vergangenen sechs Jahre.

Alles hat ein Ende, auch das "Neo Magazin Royale". Am heutigen Donnerstagabend läuft um 22:15 Uhr auf ZDFneo die letzte Ausgabe der beliebten Late-Night-Show mit Jan Böhmermann (38). Der Satiriker, der ganz gerne auch mal übers Ziel hinausschießt, hat in den vergangenen sechs Jahren mit seiner Show zuverlässig für frischen Wind im sonst oftmals muffigen Fernseh-Deutschland gesorgt. Bevor es im Herbst 2020 für Böhmermann ins ZDF-Hauptprogramm geht - laut dem Moderator übrigens eine "kopflose Kurzschlussreaktion" des Senders - hier ein Blick auf einige seiner gelungensten Parodien und Aktionen.

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#Varoufake

Nein, hat er nicht! Oder hat er doch? 2015 diskutierte ganz Deutschland darüber, ob der damalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis (58) während eines Vortrags den Stinkefinger gezückt und diesen angeblich in Richtung Berlin gehalten hatte. In einem Beitrag behauptete Böhmermann, dass er und sein Team den damals kursierenden Clip manipuliert hätten. Doch das war gar nicht die Wahrheit.

Das gefakte Fake-Video brachte Böhmermann und seinen Kollegen 2016 sogar den Grimme-Preis ein. In der Begründung der Jury hieß es damals unter anderem: "Es ist Jan Böhmermann und seinem brillanten Team zu verdanken, dass er der deutschen Medienlandschaft 2015 damit einen Moment des Innehaltens beschert hat. Einen winzigen nur, aber immerhin, es gab ihn. [...] Jan Böhmermann hat dem deutschen Journalismus mit #Varoufake einen riesigen Dienst erwiesen. Er hat mit unterhaltenden Mitteln auf die Wahrheit gedeutet, er hat die Branche innehalten lassen, er hat die Apparate für ein paar Stunden gestoppt."

"Ich hab Polizei"

Im November 2015 schlüpfte Böhmermann erstmals für ein Musikvideo in die Rolle des "POL1Z1STENS0HN". Unter dem Pseudonym macht er sich in typischer Manier über das Gehabe im deutschen Gangstarap lustig. Im Clip zum Song "Ich hab Polizei" trägt Böhmermann "Cop Life"- statt "Thug Life"-College-Jacke und rappt in gebrochenem Deutsch Zeilen wie "Polizei fi... dich böser Junge und Deine Gangsta-Ehre. / Denn Polizei hat Maschinengewehre." Der Erfolg gibt ihm Recht: Der Clip hat mittlerweile mehr als 33 Millionen Aufrufe bei YouTube.

Im deutschen Hip-Hop kam der Track allerdings nicht sonderlich gut an. Marcus Staiger (48) etwa, der durch die Gründung des Labels Royal Bunker vor gut 20 Jahren zu einer festen Institution der Szene wurde, erklärte in einem offenen Brief bei "Vice", dass alles was der Moderator mit seinen Kollegen hier mache, "standesgemäße Überheblichkeit" sei. "Ihr verarscht Leute, weil sie weniger Bildung haben, weil sie weniger Geld besitzen und weil sie gesellschaftlich unter euch stehen. Das ist schon ganz cool."

Das Schmähgedicht

Besonders hohe Wellen verursachte 2016 ein als "Schmähkritik" betiteltes Gedicht Böhmermanns auf den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan (65). Mit diesem wolle man verdeutlichen, wie eine in Deutschland verbotene Schmähkritik womöglich aussehen könne, wurde in dem damaligen Beitrag betont. Die Sache artete gar zur "Böhmermann-Affäre" oder auch "Causa Böhmermann" aus, die sich über Monate hinziehen sollte.

Die türkische Regierung erstattete Strafanzeige, es folgten sowohl zivilrechtliche als auch strafrechtliche Verfahren. Die Bundesregierung gab dem Strafverlangen statt und ermöglichte damit ein Ermittlungsverfahren nach Paragraf 103 StGB, das sich der Beleidigung von Vertretern und Organen ausländischer Staaten widmete. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (65) schaltete sich ein und bezeichnete Böhmermanns Schmähgedicht als "bewusst verletzend", wogegen der Moderator später klagen sollte.

Im Oktober 2016 gab die Staatsanwaltschaft Mainz schließlich bekannt, dass das Strafverfahren gegen Böhmermann eingestellt worden sei. Im Zuge der Affäre wurde auch über eine Abschaffung des Paragrafen 103 diskutiert, die im Juni 2017 vom Bundestag tatsächlich beschlossen wurde. Zum 1. Januar 2018 trat diese in Kraft. "Wenn ein Witz eine Staatskrise auslöst, ist das nicht das Problem des Witzes, sondern des Staates", erklärte Böhmermann in einer Stellungnahme im Oktober 2016.

#Verafake

Als nicht minder entlarvend wie #Varoufake, auch wenn es diesmal nicht um Politik ging, stellte sich 2016 #Verafake heraus. Böhmermann und sein Team schleusten zwei Schauspieler bei der umstrittenen RTL-Doku-Soap "Schwiegertochter gesucht" mit Moderatorin Vera Int-Veen (52) ein. Der Beitrag wies auf sehr fragwürdige Methoden bei der Produktion des Formats hin. "Es geht nicht um Liebe bei 'Schwiegertochter gesucht'. Es geht für euch ums Geschäft", resümierte Böhmermann damals. "Ihr habt Robin und René noch dümmer gemacht, als wir sie uns ausgedacht haben - und das will was heißen! Ihr habt sie als die allerletzten Trottel inszeniert: Sorgfaltspflicht? Sch... egal."

2017 gab es für "die engagierten Beobachtungen und die kluge Reflexion des laufenden Fernsehprogramms" - darunter #Verafake - abermals den Grimme-Preis. "Dem #Verafake gelang leichtfüßig, was zuvor viele recherchierende Journalisten nicht vermocht hatten: Es legte lückenlos die emotional und wirtschaftlich ausbeuterischen Arbeitsmethoden des TV-Reality-Business offen", war dazu unter anderem in der Begründung zu lesen.

Germany second

Nachdem US-Präsident Donald Trump (73) bei seiner Amtseinführung im Januar 2017 erklärt hatte, dass "America first" das Credo seiner Amtszeit sein solle, hatte der niederländische Komiker Arjen Lubach (40) in seiner Sendung "Zondag met Lubach" ein Video veröffentlicht, in dem die Niederlande offenbar darum bitten, an zweiter Stelle hinter den USA geführt zu werden. Böhmermann und sein Team griffen die Idee auf und veröffentlichten kurz darauf "Germany second". In dem Clip wirbt ein Trump-Imitator dafür, dass Deutschland der zweite Platz gebühre. Unzählige Late-Night-Shows aus den unterschiedlichsten Ländern schlossen sich der Aktion an. Die Ergebnisse sind fast allesamt auf "everysecondcounts.eu" zu sehen.

"Menschen Leben Tanzen Welt"

Am Beispiel von Max Giesinger (31) knöpfte sich Böhmermann auf seine bekannt spöttische Weise im April 2017 die deutsche Pop-Industrie vor. Die glattgebügelten oftmals einfallslosen Produktionen bezeichnete er unter anderem als "seelenlose Kommerzkacke". Und um zu beweisen, dass viele Texte aktueller Lieder nur aus dem Baukasten zu stammen scheinen, ließ das Team von mehreren Schimpansen einen Song schreiben. Diese wählten zufällig Textpassagen aus Werbeslogans, aus aktuellen Popsongs, aus Kalendersprüchen und aus Tweets der Influencer Sami Slimani (29) und Bianca "Bibi" Claßen (26) aus.

Heraus kam der Song "Menschen Leben Tanzen Welt", der es in den Offiziellen Deutschen Charts bis auf Rang zehn brachte - und sich in den iTunes- und Amazon-Charts sogar kurzzeitig die Krone sichern konnte. Im Text heißt es etwa: "An alle da draußen. Anders sein ist gut. / Alle Wege führen nach Rom. Wir trampen nach Alaska, barfuß durch den Regen."

Neustart 19

Auch 2019 fragte sich Deutschland wieder einmal, was Böhmermann und sein Team im Schilde führen. Der Satiriker kündigte an, sich um den Vorsitz der SPD bewerben zu wollen - und trat tatsächlich der Partei bei. In einem Schreiben am 26. Oktober erklärte Böhmermann aber schließlich, dass er "nicht mehr länger als Kandidat für den SPD-Vorsitz zur Verfügung" stehen werde und auf dem Bundesparteitag nicht mehr aufgestellt werden wolle.

Stattdessen wolle Böhmermann als "Parteiguerilla" den Kampf um die deutsche Sozialdemokratie "aus dem Sozialdemokratischen Untergrund" führen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass nach der Wahl der neuen SPD-Spitze bestehend aus Saskia Esken (58) und Norbert Walter-Borjans (67) noch weitere Aktionen in diese Richtung von Böhmermann zu erwarten sind.

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