Peter Maffay: Warum seine Tochter ihn über die Zukunft grübeln lässt

Peter Maffay wird 70 und beschenkt die Fans mit dem neuen Album "Jetzt!". Dazu hat er im Gespräch mit spot on news mehr verraten.

Für Peter Maffay ist der 30. August ein ganz besonderer Tag. Die deutsche Rocklegende wird nicht nur 70 Jahre alt, sondern bringt mit "Jetzt!" auch ein Album heraus, auf dem mit Kritik nicht gespart wird. Zudem wartet auch noch das 50-jährige Bühnenjubiläum darauf, gebührend gefeiert zu werden. Was er über seine neue Platte sagt, wie er seinen Geburtstag begeht und wie er sich als junggebliebener Vater im hohen Alter fühlt, hat er spot on news im Interview verraten.

Sie waren schon immer ein Freund klarer Worte und haben Haltung bezogen. Was war der Ausschlag für Sie, in ihrem Song "Morgen" so deutlich zu werden?

Peter Maffay: Den Ausschlag gibt die Realität her. Die Bilder von Krieg, Elend, Umweltzerstörung und Radikalismus im Video, die im Zusammenhang mit diesen Themen zu sehen sind, flimmern tagtäglich über irgendeine Mattscheibe oder sind Nachrichten, die wir den Medien entnehmen. Uns umgeben diese Geschehnisse leider jeden Tag und sie deuten auch darauf hin, dass es für Lösungen immer weniger Zeit gibt. Und diese Zeit zerrinnt uns zwischen den Fingern, wie es auch im Text heißt.

Kommt die Message ohne diese schrecklichen Bilder heute nicht mehr an?

Peter Maffay: Wir können die Augen verschließen und kriegen das dann vielleicht alles nicht mit. Die Folgen einer solchen Verhaltensweise dürfte man aber auf jeden Fall mitbekommen, weil sich die Situation - wenn wir nichts gegen diese Umstände tun - auf jeden Fall verschlimmern wird. Es gibt einen Grund, warum Jugendliche rausgehen und "Fridays for Future" veranstalten. Es ist ein sehr deutlicher Hinweis darauf, dass die jüngere Generation von uns Erwachsenen zurecht einfordert, Lösungen zu erzeugen und ihnen nicht eine Welt zu hinterlassen, die nicht mehr lebenswert ist.

Sie haben auch selbst Kinder. Ihr Sohn Yaris (geb. 2003) ist im Alter vieler Teilnehmer der "Fridays for Future"-Proteste und Sie sind auch letztes Jahr nochmals Vater geworden. Hat das für Sie eine Rolle gespielt beim Schreiben des Songs?

Peter Maffay: Auf jeden Fall. Ich glaube, das kann jeder Elternteil bestätigen. Man denkt über die Zukunft und Perspektive der eigenen Kinder vielleicht noch intensiver nach, als über die eigene. Das trifft auf mich mindestens genauso zu. Gerade so eine kleine Tochter, die jetzt neun Monate alt ist, verdeutlicht stark, dass es Zeit zum Handeln ist. Das versuche ich in diesem Song zusammen mit meinen Kollegen zum Ausdruck zu bringen.

Wie ist es für Sie, noch einmal den Beginn eines Lebens als Vater mitzuerleben?

Peter Maffay: Es ist faszinierend, dass so ein kleiner Mensch so eine enorme Energie besitzt. Diese Energie sensibilisiert, ist ganz deutlich spürbar und macht mich wach. Es macht mich bereit, diese Zeit, in der wir leben, so intensiv wie möglich zu gestalten. Sie ist lebendig und eine Herausforderung. Es ist ohne Frage eine ungewöhnliche Situation, aber dann auch wieder nicht.

Ich bin nicht der erste, der in diesem Alter zusammen mit einer sehr jungen Lebensgefährtin ein Kind hat. Trotzdem ist es nicht die Regel. Die Situation ist auch verbunden mit vielen Fragen. Wie diszipliniert man sich? Wie hält man sich in Schwung? Das sind Dinge, die man sich überlegen muss und das mache ich auch. Ansonsten ist es einfach nur schön und wir genießen die Gegenwart von Anouk.

"Vielleicht ist das hier das letzte Lied", heißt es in "Jetzt!". Sie heben die Endlichkeit des Lebens deutlich hervor auf dem neuen Album. Wie ist es dazu gekommen?

Peter Maffay: Ich will damit nur sagen, dass gewisse Entwicklungen, beispielsweise beim Klima, nicht so sind, dass sie sich gleichbleibend verschlechtern, sondern in der Geschwindigkeit zunehmen. Es ist höchste Eisenbahn, zu einem Konsens zu kommen, und zwar global. Wenn man eine weitere Erderwärmung verhindern oder sie verlangsamen will, dann ist die Kraft aller Gesellschaften auf der Welt gefragt und genau das ist auch der Frust in diesem Lied. Genau das passiert ja nicht.

An "Morgen" und "Jetzt!" hat auch Johannes Oerding mitgeschrieben. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Peter Maffay: Ich habe Johannes in Verbindung mit unserem vorherigen Album, "MTV Unplugged", kennengelernt. Er ist ein sehr begabter Künstler und äußerst angenehmer Mensch. Er hat keine Angst, für seine Meinung einzustehen. Das tut er ja auch, indem er solche Texte schreibt. Johannes ist mit Sicherheit eine der interessantesten Begegnungen für mich in den letzten Jahren und ich hoffe, dass wir uns noch oft über den Weg laufen.

Sie werden am 30. August 70 Jahre alt. Wie begehen Sie diesen Tag und was bedeutet das für Sie?

Peter Maffay: Auf der Bühne in der Columbiahalle in Berlin, zusammen mit 3.000 Fans. Ohne sie hätten wir die 50 Jahre auf der Bühne nicht erlebt. Wir stellen dort unser neues Album "Jetzt!" vor und es geht bis Mitternacht. Dann stoßen wir an und feiern ein bisschen. Am nächsten Tag bin ich auch unterwegs, erst im Frühstücksfernsehen und am Abend in einer Sendung in Köln. Das ist ein sehr intensives Programm. Ansonsten ziehe ich es vor, Geburtstage im kleinen Kreis zu feiern. Irgendwo, wo man das in Ruhe kann, aber diesmal eben anders. 50 Jahre auf der Bühne sind ja auch ein Jubiläum für die Fans, nicht nur für uns.

Werden Sie in Ihrem Jubiläumsjahr auch in ihrem Geburtsort Kronstadt/Brasov in Rumänien auftreten?

Peter Maffay: Das ist eine gute Frage, jetzt haben Sie ins Schwarze getroffen. Wir sind im Augenblick dabei, etwas ähnliches zu überlegen. Eine Anfrage dieser Art gibt es schon lange und vielleicht ist es auch der richtige Anlass. Es könnte gut sein, dass das genau so abläuft.

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