Robert De Niro: Sein Werdegang vom Kino-Paten zum Trump-Hasser

Als "wilder Stier" schrieb Robert De Niro Filmgeschichte. Dass er auch mit nun 75 Jahren nicht zahm geworden ist, darf Donald Trump erleben.

Der Zusatz "Legende" wird dieser Tage recht inflationär benutzt. Regie-Legenden hier, Musik-Legenden da, Film-Legenden dort drüben - Legenden so weit das Auge blickt. Ein Mann, der sich diesen Titel mit inzwischen schon über 100 gedrehten Filmen aber redlich verdient hat, feiert am heutigen 17. August seinen 75. Geburtstag. Denn neben Quantität steht der Name Robert De Niro mit ganz wenigen Ausnahmen auch für Qualität. Und das macht in der Summe dann eben doch eine Legende aus.

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Kein normales Elternhaus

Bei vielen späteren Stars lässt die Kinderstube noch keine Rückschlüsse auf ihren Karriereweg zu. Dass aus De Niro aber kein Schweißer oder Kfz-Mechaniker werden würde, das war klar. Sein Vater Robert De Niro Sr. verdiente sich zeitlebens als expressionistischer Maler Geld und moderate Anerkennung, seine Mutter Virginia malte ebenfalls und war Poetin. Dass der zurückhaltende Junge, der wegen seiner Blässe "Bobby Milk" genannt wurde, eines Tages zu einem der größten Charaktermimen der Welt reifen würde, das konnte selbstredend niemand ahnen. Auch wenn er bereits mit zehn Jahren erstmals auf der Bühne stand, in einer Schulaufführung von "Der Zauberer von Oz" - als der feige Löwe...

De Niro trifft De Palma

Mit 16 ging De Niro schließlich von der Schule ab, um mit dem Segen seiner Künstlerfamilie eine Karriere als Schauspieler anzustreben. So zu werden wie Marlon Brando, das wünschte sich der Junge mit den großen Ambitionen. Bis zu seiner ersten ernstzunehmenden Rolle dauerte es aber bis ins Jahr 1970. De Niro, zu diesem Zeitpunkt schon längst kein Junge mehr, sondern ein 27-jähriger Mann, ergatterte in Brian De Palmas schwarzer Komödie "Hi, Mom!" seine erste Hauptrolle. Bis zum ersten Oscar dauerte es dann nur vier weitere Jahre.

Als Kind schwärmte De Niro noch von Marlon Brando, in "Der Pate II" durfte er buchstäblich in seine Fußstapfen treten. In Francis Ford Coppolas Mafia-Meisterwerk spielt er die junge Ausgabe von Don Vito Corleone und begeisterte als Gangsterboss so sehr, dass es den Goldjungen als bester Nebendarsteller als Lohn gab. Spätestens ab diesem Meilenstein ist De Niro nicht mehr von der Leinwand wegzudenken - bis heute.

Viele Hits und vereinzelte Flops

Vor allem in den 70er und 80er Jahren spielte De Niro in einer anderen Schauspiel-Liga. Nur einige Filme, die in dieser Schaffensperiode entstanden: "Taxi Driver", "Die durch die Hölle gehen", "Es war einmal in Amerika", "Brazil" und "Die Unbestechlichen". Für das 1980 erschienene Boxerdrama "Wie ein wilder Stier", bei dem ihm von seinem Trainer das Zeug zum Profiboxer attestiert wurde, gab es den zweiten und bislang letzten Oscar für ihn (insgesamt war er noch fünf weitere Male nominiert). Für den Part als Jake LaMotta hatte De Niro ein Jahr lang Boxunterricht genommen und sich später binnen kürzester Zeit 30 Kilo Fett angefuttert.

Doch Anspruch und Erfolg gehen nicht immer Hand in Hand. Viele der bereits angesprochenen Werke und auch spätere Filme mit De Niro wurden zwar Kritiker-, aber nur bedingt Publikumslieblinge. Etwa "Zeit des Erwachens", "Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt" oder "Mary Shelley's Frankenstein", in dem De Niro als verunstaltetes Frankenstein-Monster kaum zu erkennen ist. Seinen kommerziell größten Hit sollte De Niro tatsächlich erst 2004 und in einem für ihn denkbar ungewöhnlichen Genre landen...

De Niro, das Comedy-Talent

Ab der Jahrtausendwende bewies De Niro zunehmend auch sein komödiantisches Talent. Beim Film "Reine Nervensache" noch mit Anlehnung an seine Paraderolle als Pate (er spielt darin einen Mafiaboss, der beim Psychiater landet und an Erektionsstörungen leidet). Nur ein Jahr später machte er in "Meine Braut, ihr Vater und ich" Ben Stiller das Familienleben zur Hölle. Dessen Fortsetzung "Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich" ist mit 516 Millionen eingespielten Dollar sogar De Niros bis dato größter Kassenhit.

Im Dramen-Fach war er aber selbstredend immer noch zu sehen, wurde etwa 2012 zum bislang letzten Mal dank seiner Rolle in "Silver Linings" für einen Oscar (Nebendarsteller) nominiert. Weitere Rollen in den vergangenen fünf Jahren, in denen De Niro altersbedingt zunehmend zum namhaften Nebendarsteller avancierte, gab es in "American Hustle" sowie "Joy - Alles außer gewöhnlich". Der nur schwer zu ertragende "Dirty Grandpa" (2016), der von den Kritikern förmlich zerrissen wurde, darf als extrem seltener Fehltritt De Niros angesehen werden.

Fuck Trump

Im Gegensatz zu seinem politischen Engagement. Denn auch mit seinen nun 75 Jahren ist vom wilden Stier von einst noch viel übrig. Erst im Juni dieses Jahres beschimpfte De Niro den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump (72) bei den Tony Awards und erntete stehende Ovationen dafür. Ohnehin wird der Star nicht müde, sein Missfallen über den mächtigsten Twitter-Nutzer der Welt zu äußern - und bekam vom Präsidenten postwendend einen niedrigen IQ gezwitschert.

Biss hat De Niro also noch - vor und abseits der Kamera. Im Kino könnte das Geburtstagskind das bald mit einer Premiere auf seine alten Tage beweisen. Gerüchten zufolge soll De Niro im geplanten "Joker"-Film - und somit für seine erste Comic-Verfilmung - im Gespräch sein. An die wohlverdiente Rente denkt der Vater von sechs Kindern jedenfalls wohl noch lange nicht.

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