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Klischee-Hölle bei "Get the F*ck out of my House": Männer am Steuer, Frauen im Bad

Klischee-Hölle bei "Get the F*ck out of my House": Männer am Steuer, Frauen im Bad
© Willi Weber / PR
Von Tränen und Schweiß bis zum Notarzt-Einsatz: Die erste Folge der neuen ProSieben-Show "Get the F*ck out of my House" hatte einiges zu bieten - inklusive Geschlechter-Klischees vom allerfeinsten.

100 Menschen in einem 116-Quadratmeter-Einfamilienhaus. Wer nach vier Wochen als letzte*r übrig bleibt, gewinnt 100.000 Euro. Das ist das Prinzip der neuen Show "Get the F*ck out of my House" (ProSieben, donnerstags, 20.15 Uhr).

Klar, dass es in so einer Extremsituation zu Chaos, Streit und Peinlichkeiten kommt und nicht immer politisch korrekt zugeht. Man kann es sich ja vorstellen: Mit nur einem Badezimmer im Haus wird's spätestens dann interessant, wenn sich bei 100 Leuten die Blase meldet.

Aber abgesehen von all dem "was passiert, wenn 100 Menschen um ein Klo streiten"-Chaos, war die erste Folge der neuen ProSieben-Show tatsächlich auch im Hinblick auf Geschlechterrollen interessant.

Die Wahl des Häuptling

Nehmen wir zum Beispiel die Wahl zum Hausboss. Auch wenn es zunächst so aussah, als hätte die Amerikanerin Jamie gute Chancen auf den Posten – vor allem wahrscheinlich deshalb, weil ProSieben zunächst einen Kandidaten zu Wort kommen ließ, der sich für sie aussprach – ergab die Auszählung der Stimmen nicht einmal einen der ersten drei Plätze für Jamie. Nein, die drei Bewohner, denen die meisten Leute die Rolle als Hausboss zutrauten, waren – natürlich – Männer.

Norberts Prinzip: Frauen werden bevorzugt 

Letzten Endes machte Norbert das Rennen, ein 56-jähriger Frührentner, für den der Posten nicht nur Titel und Status sondern auch besonderen Luxus bedeute: Ein eigenes Zimmer inklusive Bett und privatem Badezimmer. Doch statt sich in aller Ruhe erstmal aufs Klo zu setzen, erklärt Norbert – ganz der Gentleman – sein eigenes Bad direkt zum Frauen-Badezimmer.  

Ein Schelm, wer ihm jetzt die Aussicht auf leicht bekleidete Frauen als Absicht unterstellt, die nachts auf ihrem Weg zur Toilette an seinem Bett vorbeihuschen ... Nein, Norbert weiß einfach, was sich gehört: Frauen muss Mann nun mal hofieren. Heißt im "Get the F*ck out of my House"-Kontext: Die Frauen bekommen das Luxus-Bad.

Das gleiche Prinzip wendet Norbert bei der Verteilung der Schlafplätze an: Als es nach den ersten Nächten Streit um die besten Schlafmöglichkeiten gibt, erlässt Norbert ein Rotationsgesetz, demnach jeder mal in den Genuss kommt, auf der Küchenablage zu schlafen. Dabei verkündet er vor versammelter Mannschaft, dass der Boden in seinem Zimmer ebenfalls zum Schlafen zur Verfügung stehe – aber nur für die Ladys. Dafür gibt's Applaus – von Mann und Frau.

Frauen dürfen auch mitspielen ... so am Rande

Immerhin darf auch die eine oder andere Frau ran, als die Bewohner sich in diversen Spielen ihr Haushaltsgeld verdienen sollen. Beim Karten-Schnippen (Spielkarten in eine Schalle werfen) tritt beispielsweise die toughe Jamie wieder an – freilich erst, nachdem ihr ein männlicher Mitbewohner die Karte in der Hand noch einmal umgedreht und ihr die richtige Technik erklärt hat.

Am Ende einer chaotischen ersten Folge - die glücklicherweise von zahlreichen beruhigenden Werbeblöcken durchzogen war - kommt es dann zum großen Spannungshöhepunkt: Norbert muss entscheiden, wer das Haus verlässt. Er darf sogar bestimmen, ob drei, fünf oder sieben Bewohner gehen müssen. Er überlegt nicht lange (wenn überhaupt): Das Haus ist viel zu voll (am Ende der ersten Sendung haben nicht einmal 20 Leute das Haus mehr oder weniger freiwillig verlassen), Norbert schmeißt sieben Leute raus.

Auch beim Rausschmiss bleibt Norbert seinem Prinzip wieder treu: Es fliegen sechs Männer (von denen sich einer übelst verraten fühlt, weil er Norbert selbst gewählt hat) und gerade mal eine Frau. O-Ton Norbert: "Man muss ja auch mal eine Frau nehmen" und "das tut mir besonders leid."

Naja. Hoffen wir mal, dass es "Gentleman" Norbert nicht noch mal leid tun wird, dass er seine Mitbewohnerinnen wie Prinzessinnen behandelt hat statt wie Konkurrenz. Andererseits ... wenn Norbert schon so viele Kandidaten von sich überzeugt hat, dass er gleich zum Hausboss gewählt wurde, hat ER unsere Unterstützung wohl am wenigsten nötig. 

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