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Prinz Philip (†99) Der "König der Fettnäpfchen" bleibt unvergessen

Prinz Philip
Seit 1947 waren Prinz Philip und die Queen miteinander verheiratet.
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Großbritannien trauert um Prinz Philip, den Herzog von Edinburgh und Prinzgemahl von Queen Elizabeth. Im Alter von 99 Jahren starb er hochbetagt und im royalen Ruhestand. Die Lücke, die er bei den Windsors und an der Seite der Queen hinterlässt, kann niemand füllen

Prinz Philip war bekannt als "König der Fettnäpfchen" und "Eiserner Herzog", der über Jahrzehnte seiner Frau den Vortritt ließ oder vielmehr: lassen musste. Was das Protokoll vorsah, tat er zwar nicht immer gerne, sah aber andererseits seine Rolle als Ehemann von Queen Elizabeth II., 94, darin, ihr den Rücken freizuhalten.

Sein bissiger Humor war einmalig

Das tat Prinz Philip mit bewundernswerter Disziplin bis in hohe Alter und mit einer von seinen Jahren in der Marine geprägten Haltung. Der ihm eigene, zuweilen bissige Humor sorgte für manche Verstimmung und Irritation, selbst auf dem politischen Parkett. Die Briten hatten aber mehr als sieben Jahrzehnte Zeit, sich an Prinz Philips Art zu gewöhnen. Und zu erkennen, dass die protokollarisch aberwitzigen und politisch unkorrekten Bemerkungen des Prinzgemahls, seine Sticheleien gegen Staatsmänner und Gäste, seine Art einer beharrlichen Unangepasstheit gegenüber einem System waren, das ihn in die zweite Reihe und einen Schritt hinter seine Frau stellten. Den Humor konnte ihm selbst die Queen nicht abgewöhnen. Sie wollte es auch nie und war sein größter Fan. So erlangte mancher Prinz-Philip-Spruch Kultstatus.

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Der Aktivposten der Windsors

Über 800 Schirmherrschaften hatte Prinz Philip mit 90 noch inne, unterstützte mit seinem Namen und Engagement Organisationen wie den britischen Bridge Club, die Organisation der englischen Kutschfahrer, den Rat des Vogelschutzes, Cricket-, Polo- und Segelvereine sowie Kriegsveteranen und Mitglieder der Streitkräfte in quasi allen Formen. Noch ehe sich sein Sohn Prinz Charles für Umwelt- und Naturschutz engagierte, war Prinz Philip auf dem Gebiet aktiv. Der von ihm kreierte "The Duke of Edinburgh"-Preis und das gleichnamige Jugendförderungsprogramm wird in mehr als 140 Ländern absolviert.

Mit einem Arbeitspensum, das selbst jüngere Mitglieder seiner Familie nicht absolvierten, blieb Prinz Philip bis ins hohe Alter einer der größten Aktivposten der Familienfirma der Windsors. Während Königin Margrethes Gatte, Prinz Henrik, sich bereits mit 80 in den Ruhestand verabschiedete und damit den Titel Prinzgemahl einbüßte, machte der Herzog von Edinburgh immer weiter. Bis in sein 96. Lebensjahr. Dann entschied er, dass es an der Zeit ist für einen royalen (Un-)Ruhestand. Die einhellige Meinung bei dieser Entscheidung: Der Rückzug aus der Öffentlichkeit ist mehr als verdient! Das – so scherzte er zum 90. Geburtstag – "Verfallsdatum" und Renteneinstiegsalter hatte der gebürtige Prinz von Griechenland und Dänemark auch mehr als 30 Jahre überschritten

Vorbehalte gegen Prinz Philip

Als die damalige Prinzessin Elizabeth 1947 ihre Verlobung mit Prinz Philip offiziell bekannt gab, war die Verbindung der britischen Thronfolgerin mit dem mittellosen, im Ausland geborenen Prinzen von Griechenland und Dänemark eine überraschende Wahl. Als Mitglied des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg war er zwar adelig, noch dazu entfernt mit seiner Künftigen verwandt, aber man hätte an der Seite der künftigen Königin lieber einen britischen oder schottischen Adligen gesehen. Philip konnte keine Eton- oder Cambridge-Vergangenheit vorweisen, hatte aber als Offizier auf britischer Seite im Zweiten Weltkrieg in der Marine gedient.

Schwierige Kindheit

Der griechisch-dänische Prinz hatte keine royale Bilderbuchkindheit durchlebt. Sein Vater, Prinz Andreas, musste mit der Familie Griechenland verlassen und ging ins Exil nach Paris. In den 1930er Jahren verließ er seine Frau Alice und die fünf Kinder. Während Philips Schwestern in deutsche Adelshäuser einheirateten und dort ihre neue Heimat fanden, besuchte ihr kleiner Bruder zunächst verschiedene Schulen und Internate – darunter auch in Deutschland - und wurde letztlich von in England lebenden Verwandten aufgenommen. 1939 ging der damals 18-Jährige als Kadett zur britischen Marine.

Dass er im selben Jahr abkommandiert wurde, die königliche Familie bei einem Besuch des "Dartmouth Naval College" herumzuführen, war sicherlich kein Zufall. Seine entfernte Verwandtschaft, die Prinzessinnen Elizabeth und Margaret, hatte der Prinz zuvor schon mehrmals bei Familienfesten getroffen. Von der (erneuten) Begegnung der 13-jährigen Elizabeth und des blonden Marine-Kadetten Philip Mountbatten in Dartmouth gibt es tatsächlich einige Fotos. Dieser Tag soll es gewesen sein, von dem an Elizabeth endgültig völlig hingerissen war von dem fünf Jahre älteren Prinzen, so dass die beiden in Kontakt blieben.

Eine Ehe ohne Ende

Daraus wurde eine am 20. November 1947 in der "Westminster Abbey" geschlossene royale Langzeit-Ehe, die nie wirklich ins Wanken geriet. Ihren 70. Hochzeitstag feierte das Paar, wie eigentlich immer, ganz privat und still. Seit er in den Ruhestand gegangen war, hatte sich der Prinzgemahl auch räumlich mehr zurückgezogen von den (Arbeits-)Residenzen hin zu einem privateren Leben auf dem Land, ohne öffentliche Aufmerksamkeit und Beobachtung. Damit einher ging allerdings, dass sich die Queen und ihr Gatte deutlich weniger sahen als in den 70 Jahren ihres Ehelebens.

Familienoberhaupt: Prinz Philip hatte das Sagen!

Obwohl er protokollgemäß als Nicht-König immer im Hintergrund bleiben musste, war bekannt, dass Philip familienintern bei den Windsors das Sagen hatte. Bei der Kindererziehung genauso wie bei vielen anderen Dingen. Er soll außerdem der einzige gewesen sein, der der Queen widersprechen konnte. Nicht öffentlich natürlich, sondern nur im privaten Kreis.

Elizabeth II. selbst sprach, in einer für sie sehr privaten Rede zur Goldenen Hochzeit 1997, über ihren Mann als jemanden, der an Komplimenten keinen Gefallen finde. Er habe ihr in allen Jahren Stärke und Halt gegeben.

Mit Prinz Philips Tod verliert Queen Elizabeth den Mann, auf den sie sich mehr als 74 Jahre verlassen konnte. Und die Familie Mountbatten-Windsor verliert ihr Oberhaupt. Diese beiden Lücken sind nicht zu schließen.

Verwendete Quellen: eigene Recherche

Dieser Artikel ist ursprünglich auf GALA.de erschienen


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