Drei Mütter erzählen: Kann man die Ermordung des eigenen Kindes verzeihen?

Drei Frauen, ein Schicksal: Ihre Kinder wurden ermordet. Hier erzählen die Mütter, wie sie mit den kraftraubenden Rachegefühlen und der tiefen Trauer um ihre Kinder umgehen.

Drei Frauen, die ihre Kinder durch Gewaltverbrechen verloren haben

Petras Tochter wurde mit 11 Jahren bei einem Urlaub in der Türkei von einem Ladenbesitzer umgebracht. 14 Jahre ist das jetzt her. Petra hat sehr unter einem Gefühl der Mitschuld gelitten:

Ich habe mein Kind nicht beschützt. Das hat mich lange gequält. 

Sigrids Sohn Samuel wurde zusammengeschlagen und zu Tode geprügelt. Der 25-Jährige starb an seinen Verletzungen. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Täter: zwei junge Männer, die - über den Ausgang der Prügelei schockiert - sagten: "Bisher sind sie doch immer wieder aufgestanden." 

Der Mörder meines Kindes: "Ich muss ihm in die Augen sehen"

Wie sehr sie unter dem Verlust ihres Kinder durch Gewaltverbrechen leiden und was ihnen geholfen hat, die furchtbaren Verluste zu verkraften, erzählen drei Mütter in dem 37 Grad-Film "Ich muss ihm in die Augen sehen (Link zum Trailer)". 

Kann man die Ermordung des eigenen Kindes verzeihen? 37 Grad "Ich muss ihm ihn die Augen sehen" - morgen 22:15 Uhr im TV und in der Mediathek: ly.zdf.de/WKV/

Gepostet von 37 Grad am Sonntag, 2. Dezember 2018

Ein Leben, in dem das Kind fehlt, das aber dennoch lebenswert ist

Petra etwa haben Gespräche mit Menschen geholfen, denen es ähnlich erging. Sie ist heute Trauerbegleiterin und leitet seit 2013 für den Verein "Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg e.V." Treffen für Eltern, deren Kinder durch ein Gewaltverbrechen gestorben sind. Vor ihrer Ausbildung zur Trauerbegleiterin war sie selbst Teilnehmerin einer dieser Gruppen, die sich mehrmals im Jahr treffen. Lange hat sie damit gerungen, dem Täter zu vergeben. 

Heute führt Petra ein anderes Leben, eines, in dem sie wieder glücklich sein kann. Dass sie dem Täter verzeihen konnte, spielt dabei eine große Rolle: "Kann es ein gerechtes Urteil für einen Mord geben? Ich denke nicht! Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass man nur seinen Frieden wiederfinden kann, wenn man versucht, dem Täter zu vergeben ... Ich weiß, dass das viele Menschen nicht verstehen können. Aber ich denke, dass es wichtig ist. Nicht, um dem Täter Absolution zu erteilen, sondern um meinetwillen. ... Wenn ich damit keinen Frieden hätte schließen können, dann wäre ich heute nicht da, wo ich bin. Es geht mir wieder gut."

Ein Opfer kann nicht frei sein, wenn es täglich die Last aus Schmerz und Wut trägt.

Autorin Toni Soliman sagt über den Film: "Eine Gewalttat erschwert den Trauerprozess erheblich. Der Schaden, den die Gewalttat anrichtet, bleibt nicht auf die Tat selbst begrenzt. Welche Kettenreaktion des Zweifelns, der Verzweiflung bis hin zur Vergebung die Tat auslösen kann, zeigen wir in diesem Film. Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern, aber man kann bestimmen, wie man mit dem Erfahrenen umgeht. Ein Opfer kann nicht frei sein, wenn es täglich die Last aus Schmerz und Wut trägt. Die Last muss der Täter tragen." 

Die 37 Grad-Sendung "Ich muss ihm ihn die Augen sehen" war am Dienstag, 4. Dezember 2018, im ZDF zu sehen und ist jetzt bis zum bis 10. Dezember 2019  in der Mediathek abrufbar. 

Videotipp: Wie man lernt, mit der schlimmsten Trauer umzugehen

Wie man lernt mit der schlimmsten Trauer umzugehen
mh
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