Billie Eilish singt von Depressionen und Selbsthass

Billie Eilish ist 17 und ein kommender Superstar. Weil sie auf alle Regeln pfeift.

Okay, liebe Eltern von pubertierenden Mädchen, tun wir mal so, als wären wir unter uns. Und reden wir über unsere Sicht auf Popkultur. Darüber, wie besorgt wir Miley Cyrus, Ariana Grande oder Taylor Swift abgecheckt haben, weil unsere heranwachsenden Gören in ihnen Seelenverwandte gesehen haben, die ihr Leben in weiten Teilen vermeintlich besser verstanden haben als wir. Und wie wir dachten: Echt jetzt? Wirklich? Die?

Ist mal wieder so weit. Billie Eilish heißt das neue Role Model aller Mädchen weltweit zwischen zehn und 18, oder vielmehr: Billie Eilish Pirate Baird O’Connell, so lautet der volle Name der 17-Jährigen aus Los Angeles. Darin steckt der Hinweis auf ihre mäßig erfolgreichen Schauspielereltern Maggie Baird und Patrick O’Connell. Und Pirate, das steht heute für die Freibeuterart, mit der sie das Musikbusiness gekapert hat – Billie Eilish kümmert sich nicht darum, welche Regeln gerade Erscheinungsbild und Sound für Popstars vorschreiben. Sie macht ihre eigenen. Pfeift auf Pose und Make-up und Outfit, stellt sich in Schlabbershirts und Turnhosen auf die Bühne, färbt ihre Haare schlecht blau und singt langsam und traurig über innere Dämonen und Depressionen.

Ihren Song "idontwannabeyouanymore" kündigt sie in Konzerten so an: "Wenn du dich selbst hasst, ist dieses Lied für dich". Und das adoleszierende Publikum? Flippt kollektiv aus und jubelt "dem Teenager, über den am meisten auf der Welt geredet wird" (der "Guardian") in einer Art von Heldenverehrung zu, wie sie zuletzt die Beatles in den Sechzigern erfahren haben.

Gerade ist ihr Debüt erschienen, "When We All Fall Asleep, Where Do We Go?". Es ist auf eine traurige Art schön, gedämpft rhythmisch, melancholisch, tief, geschrieben von ihrem Bruder, der zu ihrer Band gehört, die Eltern begleiten sie überallhin und managen sie. Billie Eilish ist ein Familienunternehmen, seit sie mit 14 ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben hat.

Und sie ist, liebe Eltern, wahrscheinlich wirklich das perfekte Vorbild für unsere Kinder. Weil sie die Klippen und Untiefen des Teenagerseins nicht wegschminkt oder wegtanzt. Vielleicht ist Billie Eilish wirklich näher dran an ihnen als die meisten anderen. Ein Grund mehr, ihr sehr aufmerksam zuzuhören.

BRIGITTE 9/2019

Wer hier schreibt:

Stephan Bartels
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