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Feel-Good-Fernsehen Wieso "First Dates Hotel" alles verkörpert, was ich im Lockdown brauche

First Dates Hotel: Paar sitzt am Tisch
© TVNOW / PR
Die neue Staffel "First Dates Hotel" ist gestartet – und gibt uns genau das, was wir gerade sehen müssen, findet unsere Autorin. Ist das die ehrlichste Kuppelshow im deutschen TV?

Andere haben sich im Laufe des letzten Corona-Jahres neue Hobbys von Stricken bis Bananenbrotbacken zugelegt. Ich bin mit einem alten Bekannten wieder warm geworden. Er war lange Zeit fast vollkommen aus meinem Blickfeld verschwunden. Nun verbringen wir so manchen Lockdown-Abend in meinem Schlafzimmer. Er ist stabil, gibt mir Struktur und bringt mich zum Lachen. Der gute alte Fernseher ist zurück in meinem Leben!

Und mit ihm habe ich mich dem Trash-TV vollends hingegeben. Auch wenn ich die Sendung, über die ich heute schreiben möchte, kaum als solches bezeichnen mag.

Ich rede von der neuen Staffel von "First Dates Hotel“ die gerade gestartet ist. Und die ist für mich wirklich der Inbegriff von Feel-Good-Fernsehen!

Ganz kurz zum Inhalt: Die Show ist die Verlängerung des täglichen Formats auf VOX. Singles verbringen dabei ein Blind Date im First-Dates-Restaurant, Gastgeber ist Koch Roland Trettl. In der Hotel-Version ist das Konzept dasselbe – Singles melden sich an, VOX spielt Amor, beide treffen sich zum ersten Mal im Restaurant – nur dass dieses diesmal in einem Hotel in Kroatien liegt und auf den Abend noch ein Pool-Cocktail und gemeinsamer nächster Tag folgen können. Es ist also quasi die Extended Version. Und ich liiebe es!

Das hat zwei Gründe.

Grund 1: Es ist so verdammt normal

Ich behaupte, First Dates Hotel ist aktuell die ehrlichste Datingshow auf dem deutschen Fernsehmarkt (und ich schrecke auch vor "Are you the one" und dem "Bachelor" nicht zurück). Aber die VOX-Show ist anders. Sie zeigt Menschen wie dich und mich. Die sind mal ziemlich peinlich, klar, mal aber auch unglaublich sympathisch – und allesamt vollkommen normal. Hier sucht die 82-jährige Annie neben dem 22-jährigen Kevin einen schnieken Partner. Hier gibt es auch mal Gesprächspausen und miese Dates, ja, aber eben auch dieses magische Kribbeln, wenn es zwischen zwei Teilnehmer*innen sofort funkt und du es sogar durch den Fernseher spürst. Was es nicht gibt, ist ein zu jung, zu alt, zu dick, zu dünn, zu nerdy, zu tussig, zu langweilig oder zu skurril für diese Sendung. Man bekommt in 60 Minuten so viele verschiedene Typen Mensch zu sehen, wie in der Realität nicht in den letzten 60 Tagen.

Grund 2: First Dates Hotel ist Balsam für meine Corona-Seele

Meine heiße neue Liebe wird aktuell natürlich von Corona befeuert. First Dates Hotel gibt mir gerade alles, was ich nicht haben kann: Urlaubsgefühl, ein nettes Ferienhaus, Cocktails am Pool, ein Dinner im Restaurant und nebenbei ganz ungezwungene Flirts. Letzteres ist das, was mich vor allem beeindruckt: Alles ist so verdammt ungezwungen! Dieses Gefühl der Leichtigkeit haben wir in Deutschland während des Corona-Lockdowns schon fast vergessen. First Dates Hotel erinnert uns.

Dabei gibt mir die Sendung so ein sicheres, warmes Gefühl, dass ich nicht einmal zurückschrecke, wenn sich zwei Paare zur Begrüßung in die Arme fallen. Ich frage mich nicht, ob sie wohl frisch desinfiziert sind, wenn sich die Hände zweier Dating-Partner auf dem Tisch vorsichtig berühren. Es ist als würde sich meine Gefühlswelt samtig-weich wieder in das einfügen, was wir einst Normalität nannten.

Es erinnert mich daran, dass es eine Zeit gab, in der Unbeschwertheit und Leichtigkeit unseren Alltag bestimmten. Und es gibt mir die Zuversicht, dass wir uns an diese schnell wieder gewöhnen.


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