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"Jazz hat mich aus dem Schmerz gezogen": Portrait des Sängers Gregory Porter

Gregory Porter: Gregory Porter
© Christian Augustin / Getty Images
Gregory Porter ist einer der besten Sänger der Welt. Seine tote Mutter trägt wesentlich dazu bei. 

Gregory Porter ist ein Muttersöhnchen, das darf man ungestraft auch in seiner Gegenwart behaupten. Warum? "Weil sie es war, die an mich geglaubt, mich ermutigt, auf den richtigen Weg geschubst hat", sagt der 48-jährige Amerikaner. Und dieser Weg ist: die Musik. Nina Simone, Nat King Cole, Leon Thomson, all das Zeug, das seine Mutter gehört hat, wurde zu seinem eigenen Sound. Er hat Porter berühmt gemacht; Gregory Porter ist, nach ein paar Umwegen über College-Football, Stadtplanungsstudium und Theater, in den vergangenen Jahren zur größten und komplettesten Stimme der Jazzwelt herangewachsen.

Gesang gegen den Verlust 

Seine Mutter hat nichts davon mitbekommen – als sie starb, war Porter 21, seinen internationalen Durchbruch hatte er erst mit Ende 30. "Der Jazz", sagt er, "hat mich immer wieder aus dem Schmerz über ihren Verlust gezogen." Porter singt darüber, immer wieder. Er singt über die Liebe, auch das war lange ein verlustreiches Feld für ihn, aber herrje, für wen nicht. Aber dieser große, in jeder Hinsicht beeindruckende Mann erhebt seine Stimme auch, um den Finger in sehr amerikanische Wunden zu legen. Er lebt mit seiner russischen Frau und dem gemeinsamen siebenjährigen Sohn wieder im kalifornischen Bakersfield. Dort ist er geboren, dort wohnen seine Geschwister, denen er nahe sein will, dort hat er in seiner Jugend den ganz normalen US-Alltagsrassismus erlebt. Und Armut und das Ausgegrenztsein vom amerikanischen Traum, auch darum geht es auf "All Rise", seiner neuen Platte, die am 17. April erscheint.

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Es gibt aber auch einen höchst persönlichen Song darauf, er heißt "Dad Gone Thing". Es geht um seinen Vater, den er kaum kannte, ein paar flüchtige Begegnungen nur, mal ein Händedruck auf der Straße. Dieser Mann hat Gregory Porter nichts beigebracht, ihm nichts gegeben, "das war immer eine offene Wunde", sagt er. Vor ein paar Jahren ist er gestorben. Gregory war auf seiner Beerdigung. Und hat von den Freunden seines Vaters erfahren, dass das Tollste am Verstorbenen seine unglaubliche Singstimme war. Also hat er ihm doch etwas hinterlassen, sagt Gregory Porter: "Eine Stimme, auf der meine ganze Karriere basiert." Auf einer Vater-Wunde, sie ist jetzt an den Rändern verschorft. 

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BRIGITTE 08/2020

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