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Helena Zengel Das Schauspiel-Wunderkind erobert Hollywood

Helena Zengel
Helena Zengel
© imago images
Helena Zengel ist ein Schauspiel-Wunderkind. Mit nur 12 Jahren hat sie jetzt die Chance auf einen Golden Globe.
Andrea Benda

Dies ist kein Märchen, klingt aber wie eines: 200 Kinder hatte Nora Fingscheidt für ihren Film "Systemsprenger" zum Vorsprechen eingeladen. Helena Zengel war die märchenhafte Nummer sieben. Eine zarte Neunjährige aus Berlin, die so breit lächeln kann, dass ihr Gesicht größentechnisch noch gar nicht hinterherkommt. Und die das Schauspielen bis dahin eher als Hobby betrachtet hatte, während ihr heißeres Interesse allem galt, was Pferde betraf.

Ein ganz normales Mädchen eben, aber nachdem sie für die Rolle des vernachlässigten Problemkindes Benni vorgesprochen hatte, das durch alle Hilfssysteme rutscht, während es in seinem verzweifelten Wunsch nach Halt immer aggressiver wird, konnten alle anderen einpacken. In keiner Filmsekunde hat man das Gefühl, dass Helena Zengel spielt – sie ist Benni mit ihrer ganzen Palette zwischen unbändigem Umsichschlagen und rührend kindlicher Anhänglichkeit. "Systemsprenger" wurde mit Preisen überschüttet, es gab den Silbernen Bären und die Lola als beste Darstellerin für Helena selbst (was sie mit einem großen Glas Milch feierte).

Helena Zengel an der Seite von Tom Hanks

Was konnte danach noch kommen? Nun: Hollywood rief an. Seit dem 10. Februar können wir Helena auf Netflix an der Seite von Tom Hanks sehen, in dem Western "News Of The World", in dem sie ein unzugängliches, verwaistes Mädchen spielt – dass sie das kann, wissen wir. Dass die 12-Jährige Talent hat, sollte spätestens jetzt feststehen – und auch Hollywood erkennt, dass die Kleine ganz groß ist. Mit ihrer ersten internationalen Rolle schafft sie das, wovon jeder Schauspieler und jede Schauspielerin träumt: Sie ist für den Golden Globe nominiert in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin".

Ob sich Zengel durchsetzen kann? Das werden wir am 28. Februar 2021 erfahren. Ihr selbst ist das gar nicht so wichtig. Für sie ist allein die Nominierung bereits eine Ehre. Auf die Golden-Globe-Nacht freut sie sich dennoch ungemein: "Für das Outfit haben wir einen Designer. Das wird so eine Art Jumpsuit, aber mit einem neumodischen Style. Ich werde mir bestimmt Popcorn holen! Wir sind dann in einem sehr schönen Hotel – ich glaube, das wird bestimmt eine richtig tolle Nacht", so die Schülerin im Gespräch mit "dpa".

Dennoch lauert im Hintergrund das ungute Drew-Barrymore- Gefühl: Wenn ein Kinderstar so früh so hoch gelobt wird, ist ein etwaiger Fall nicht umso tiefer? Allerdings scheint Helenas Mutter, die ihre Tochter managt, keine zu sein, die ihr Kind um jeden Preis zum Erfolg pushen will. In dem Podcast, den Helena ab und zu aufnimmt, klingt sie jedenfalls wie eine fröhliche Zwölfjährige, die gerade aufs Gymnasium gewechselt ist und zufällig Tom Hanks kennt. Helena selbst sieht das auch ganz gelassen: "Trotzdem bin ich ganz normal. Ich bin ja auch noch Schulkind und erst zwölf Jahre alt. Diese große und krasse Hollywood-Parallelwelt, die genieße ich schon auch sehr – und trotzdem möchte ich einfach am Boden bleiben." Bei so viel Talent und Bodenständigkeit ist es kein Wunder, dass Helena bereits neue Angebote auf dem Tisch hat.

Vielleicht geht es so: Ein Mädchen, das seinen Spieltrieb begeistert auslebt, manchmal eben mit Weltstars. Und das weitgehend normal aufwächst, mit Pferden und Freunden und na ja, Filmpreisen. Es bleibt die Hoffnung, dass Helena Zengel ein solcher Systemsprenger ist, dass für sie die oft harten Regeln des Geschäfts einfach nicht gelten. Wie in einem wahr gewordenen Märchen eben.

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