Warum wir Meghan für ihre Verletzlichkeit dankbar sind

Durchaus ungewöhnliche Bilder von Herzogin Meghan und Prinz Harry gingen im Zuge einer IGTV-Doku um die Welt. Das royale Paar zeigt sich verletzlich – und unsere Autorin findet, wir sollten Meghan dafür danken, statt sie zu beschimpfen.

Die Tage gingen ungewöhnliche Aufnahmen der Mitglieder des britischen Königshauses durch die Medien. Genauer gesagt ging es um das Paar, das bereits seit einiger Zeit die Medien dominiert: Prinz Harry und Herzogin Meghan, auch bekannt als die Sussexes, spalten die Zuschauer. Der aktuelle Grund dafür liegt in einer IGTV-Doku über das Paar, in der sie sich überraschend emotional zeigen – und rege Kritik an den britischen Medien ausüben. (Die Doku wird übrigens auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt)

Harry und Meghan: Schockierende Enthüllungen

Selten hat ein Königspaar die Öffentlichkeit so beschäftigt. Selten sah man einen Prinzen so emotional. Selten sah man eine Herzogin vor der Kamera mit den Tränen kämpfen. Die letzten Monate seien nicht leicht für sie gewesen – insbesondere als Mutter.

Und wie geht man heutzutage mit Menschen um, die gerade eine schwierige Phase durchleben? Man hackt auf ihnen rum. Das ist zumindest der Eindruck, den ich aktuell vermittelt bekomme. Offenbar fühlen sich mehrere Menschen dazu provoziert, die neue, verletzliche Seite der Royals als Angriffsfläche zu nutzen – zumindest wenn es nach einer amerikanischen Talkmasterin geht. Wendy Williams richtete ihre Worte im US-TV an Herzogin Meghan persönlich: "Meghan, du tust niemandem leid. Du wusstest, worauf du dich eingelassen hast, Mädchen.“ Derartige Boshaftigkeit wirft in mir gleich mehrere Fragen auf: Seit wann sucht man sich aus, wen man liebt? Und wann haben Frauen angefangen, so unfassbar bösartig zueinander zu sein? Liebe Menschen, wo bleibt unsere Menschlichkeit?

Warum darf ein Mensch in der Öffentlichkeit keine Schwäche zeigen – ob Royal oder nicht?!

Herzogin Kate sah man nur sieben Stunden nach der Geburt wie frisch aus dem Ei gepellt ihren Fans winken. Ob und wie sich eine Frau kurz nach einer psychischen und physischen Extremsituation der Öffentlichkeit präsentiert, sei jeder selbst überlassen.

Aber ein solches Verhalten baut Druck auf. Druck auf jede Frau da draußen, die sich eine perfekt frisierte, rosig lächelnde Prinzessin anschaut, wie sie vorspielt, eine Geburt wäre ein Kinderspiel. Denn die Realität sieht nun einmal meist anders aus.

Und das wiederum ist alles, was Meghan uns in ihrem Interview gesagt hat – dass eben nicht alles kinderleicht ist. Sie hat ausnahmsweise nicht nur gelächelt. Sie hat ehrlich auf die Fragen geantwortet, die ihr gestellt wurden. Nur wird sie nun von der Öffentlichkeit dafür verurteilt, dass es für manche offensichtlich die falschen Antworten waren.

Willkommen in der Realität! Ich habe noch nicht einmal Kinder und kann mir trotzdem vorstellen, dass Hormone, Schlafentzug, Geburtsnachwirkungen, ein schreiendes Baby und ein Umfeld, das Perfektion fordert, nicht gerade einfach zu handhaben sind. Ist unserer Gesellschaft denn ihr letztes Fünkchen Empathie abhandengekommen?

Warum in Meghans Verletzlichkeit vor allem Stärke liegt

Die wahre Stärke liegt darin, Gefühle zu zeigen, statt zu verstecken. Es gehört meiner Meinung nach viel mehr Überwindung dazu, sich der Öffentlichkeit von seiner verletzlichen Seite zu zeigen, als stets Perfektion zu simulieren. Denn mehr als das ist letzteres nicht: Eine Simulation seiner Selbst, eine Fassade, die man aufrecht erhält, seinem Umfeld und vielleicht sogar sich selbst vorspielt. Perfekt ist meines Wissens nämlich niemand.

Meghan als Vorbild für Frauen

Auch mein Eindruck von Meghan hat sich mit den Interview-Aufnahmen verändert. Wenn ich sehe und höre, wie sie mit klarer Stimme einem Journalisten gegenüber zugibt, dass es ihr eben nicht gut ging und ihre Augen dabei verräterisch glänzen, sehe ich eine starke Frau – stärker, als ich sie bisher wahrgenommen habe.  

Ich würde sogar soweit gehen, dass Herzogin Meghan mit ihrer neuen Seite eine Vorbildfunktion für Frauen weltweit einnimmt. Sie zeigt, dass Frauen verletzlich sind und sein dürfen. Dass man nicht alles wegstecken kann und muss.

Also lasst uns doch alle einmal aufatmen, uns entspannen und dankbar sein, dass diese Frau gerade einen großen Brocken Perfektionslast von unseren Schultern genommen hat.

Heute Abend im TV – die Harry & Meghan-Doku

Heute Abend seht ihr übrigens die ganze Doku "Harry & Meghan: An African Journey" um 20.15 auf ARD.

mjd
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