Neue Filme mit Hugh Grant: Seine Zeit ist jetzt!

Jahrelang schien es, als wäre die Karriere von Hugh Grant vorbei. Aber nun, mit fast 60, ist er gefragt wie nie – nicht nur beruflich. 

Knapp zehn Jahre ist es her, dass Hugh Grant kurz vor seinem 50. Geburtstag erklärte, er wolle seinen Ehrentag bei der Sterbehilfeorganisation Dignitas in der Schweiz verbringen und dort seinem Leben ein Ende setzen. Er fürchte sich einfach zu sehr vor diesem runden Geburtstag: "50 ist genug!" Ein Scherz hart an der Grenze zur Geschmacklosigkeit, klar, typisch für Hugh Grants beißenden Spott, mit dem er auch und gerade sich selbst noch nie verschont hat. Gleichzeitig muss in dem bösen Witz auch Wahrheit gesteckt haben.

Ein vielschichtiger Charakterdarsteller

Es war nachvollziehbar, dass ein Schauspieler, dessen Rollen sich bis dahin fast ausschließlich aus dem vermeintlich jungenhaften Charme des Engländers gespeist hatten, das Älterwerden fürchtete. Zumal die großen Erfolge in den Jahren zuvor schon rar geworden waren. Auch Hugh Grants Privatleben stellte sich zu diesem Zeitpunkt eher chaotisch dar. Seit der Trennung von seiner langjährigen Freundin Liz Hurley datete er sich in den Nullerjahren durch eine Reihe junger Frauen, von denen keine lange blieb. Gut möglich also, dass Hugh Grant im September 2010 tatsächlich mit einem gewissen Überdruss in die Zukunft sah.

Man kann in jeder Hinsicht froh sein, dass Hugh John Mungo Grant seinen Fünfzigsten in guter Gesundheit überlebt hat. Denn die zehn Jahre seitdem sind wahrscheinlich die besten in seinem Leben gewesen. In kurzer Folge bekam der Mann, der früher in Interviews gern erklärt hatte, dass er Kinder nicht länger als vier Minuten erträgt, fünfmal Nachwuchs und schwärmt seitdem von "all der Liebe", die ihn dadurch umgibt. Mit 57 hat er zum ersten Mal geheiratet, und nach einem mehrjährigen Karrieretief ist er plötzlich wieder da – älter, reifer und mit Rollen, von denen er früher nur träumen konnte.

Im September wird er 60, und aus dem süßen, tapsigen Charmeur aus den Neunzigerjahre-Filmen ist plötzlich ein vielschichtiger, interessanter Charakterdarsteller geworden, der alles spielen kann – vor allem alles, was ihm früher keiner zugetraut hat.

Fluffy Films – Der ewige Flausch-Freund 

Gerade scheint eine gute Zeit für Comebacks zu sein. Auch Brad Pitt und Renée Zellweger haben sich in den letzten Monaten nach längeren Durststrecken mit gefeierten Filmen zurückgemeldet und dafür jede Menge Preise eingesackt. Aber bei Hugh Grant liegt die Sache noch ein bisschen anders. Denn der Schauspieler, der nach einer (mit kleinen Unterbrechungen) sieben Jahre währenden Leinwandabstinenz wieder aufgetaucht ist, ist nicht mehr der, der im Jahr 2009 verschwunden war – nach nicht so geglückten Exkursionen ins US-Kino wie "Mitten ins Herz" (mit Drew Barrymore) und "Haben Sie das von den Morgans gehört?" (mit Sarah Jessica Parker).

Wir erinnern uns, natürlich, mit ewiger Liebe an den Hugh Grant der Neunziger, in Produktionen, die er selbst seine "fluffy films" nennt, seine Flausch-Filme: "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" (sein großer Durchbruch), "Sinn und Sinnlichkeit" an der Seite von Emma Thompson, "Notting Hill" mit Julia Roberts. Die Typen, die er spielte, strubbelten sich konfus durch die Haare, stammelten rum, waren voller Bindungsangst und gleichzeitig zum Bersten reif für die große, romantische Liebe. "Nach dem Erfolg von 'Vier Hochzeiten' habe ich den Charakter meiner Figur dort in alle folgenden Filme durchsickern lassen, ich habe immer genau den gleichen Typen gespielt", hat Grant dem Magazin "GQ" kürzlich gesagt. "Das war ein großer Fehler." Denn irgendwann hat ihm niemand mehr geglaubt, dass er auch was anderes draufhat. "Alle dachten, dass ich mich mit diesen Kerlen selbst spiele, was lächerlich war", sagt er. Die Rolle, die seinem wahren Ich am nächsten gekommen sei, sei der zynische, hedonistische Daniel Cleaver aus "Bridget Jones" (2001) gewesen, der Schwarm der gleichnamigen Titelheldin.

Als Hallodri ging er bei seinen Fans gerade noch durch, zumal Grant damit in der vertrauten Manege der romantischen Komödie blieb. Aber sobald er sich mal an was anderem versuchte (dem gefloppten Medizin-Thriller "Extrem ... mit allen Mitteln" zum Beispiel) oder/und in den USA drehte, maulte das Publikum und blieb weg. Und der knuddelige Flausch-Freund der Neunziger war irgendwann einfach ausgereizt. Danach schien es mit Hugh Grant, dem Filmstar, vorbei zu sein.

Perfektes Familienglück

Doch das so entstandene Vakuum hat der Mensch Hugh Grant zu nutzen gewusst – oder besser: Das Leben hatte dann erst mal was anderes mit ihm vor. Im September 2011, ein Jahr nach seinem verhassten 50. Geburtstag, wurde er zum ersten Mal Vater, eines kleinen Mädchens namens Tabitha. Mit Tabithas Mutter, der 19 Jahre jüngeren Hotelfachfrau Tinglan Hong, zeigte sich Grant allerdings so gut wie nie öffentlich. Genau ein Jahr danach wurde sein zweites Kind geboren, Sohn John Mungo, was auch Hugh Grants zweiter und dritter Vorname ist. Mutter des Jungen ist die schwedische Fernsehproduzentin Anna Eberstein.

Und im Dezember desselben Jahres, also nur drei Monate später, brachte wiederum Tinglan Hong Grants Sohn Felix zur Welt. Als perfekter Gentleman hat er den beiden Müttern seiner Kinder schöne, geräumige Häuser in London gekauft. Und dann mit Anna Eberstein, 39, noch zwei weitere Kinder bekommen und sie 2018 in kleinem Kreis geheiratet. Das sei ihnen beiden als "netter, kuscheliger Schritt" erschienen.

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"Er ist ein zauberhafter Vater", hat ausgerechnet Hugh Grants Ex-Freundin, Model und Schauspielerin Liz Hurley, in einem TV-Interview geschwärmt. Hurley und Grant waren von 1987 bis 2000 ein unfassbar attraktives Glamour-Paar, und bisher war er noch mit keiner anderen Frau so lange zusammen. Nach der Trennung blieben sie Freunde, Grant ist der Patenonkel von Hurleys Sohn Damian. "Er ist wirklich sehr, sehr süß", lobt Liz Hurley den Vater Hugh Grant und scherzt: "Ich hätte nie gedacht, dass er mal so viele Kinder haben würde. Es hat ihn von einem unzufriedenen Menschen zu einem nur noch leicht unzufriedenen Menschen gemacht."

Die Kinder haben mich zu einem besseren Schauspieler gemacht

Hugh Grant dagegen wird ungewohnt unironisch, wenn er über seine Kinder spricht: "Plötzlich liebt man andere Menschen mehr als sich selbst. Es ist natürlich ein Klischee, aber diese reine, bedingungslose Liebe kennenzulernen ist gut für einen." Gegenüber dem US-Magazin "Vanity Fair" hat er sogar spekuliert: "Möglicherweise haben die Kinder mich zu einem besseren Schauspieler gemacht."

"Wenn Sie mich fragen: Genauso ist es. Er wurde Vater und ist erwachsen geworden", sagt der Filmemacher Stephen Frears ("Die Queen") im selben Artikel. Frears war derjenige, der Hugh Grant die Rolle anbot, die sein Comeback einläutete. "Ich fand schon immer, dass Hugh ein sehr, sehr guter Schauspieler ist. Weil er viele leichte Komödien gemacht hat, neigen die Leute dazu, das zu übersehen", so Frears.

In Frears "Florence Foster Jenkins" (2016, nach einer wahren Geschichte) spielt Hugh Grant einen sehr schlechten, sehr eitlen Schauspieler, dem es das Geld seiner viel älteren Millionärsgattin (Meryl Streep) ermöglicht, sich Auftritte zu kaufen. Aber er sieht nicht nur seinen Vorteil in dieser Ehe, sondern achtet seine Frau aufrichtig und versucht unermüdlich, sie vor der Lächerlichkeit zu bewahren, wenn sie, obwohl eine grauenhafte Sängerin, Konzerte vor handverlesenem Publikum gibt.

Das Beeindruckendste an Hugh Grants Darstellung in diesem Film ist, wie er es schafft, sich vollkommen uneitel zurückzunehmen und die Leinwand der großen Meryl Streep zu überlassen – und ihren Gatten doch mit großer Zärtlichkeit spielt, ohne vergessen zu machen, wie sehr der von ihrem Arrangement profitiert.

Hugh Grant wieder im Fernsehen

Seitdem geht es mit Grants Karriere wieder so rasant bergauf, als wäre er gerade erst entdeckt worden. In "Paddington 2" begeisterte er Kritiker und Publikum mit seinem herrlich selbstironischen, rasend komischen Auftritt als Schauspieler, der seine besten Zeiten hinter sich hat und jetzt Werbung für Hundefutter macht. Danach drehte er, wieder mit Stephen Frears, den ersten TV-Mehrteiler seines Lebens – "Fernsehen? Ich mach doch kein Fernsehen!", habe er bei dem Angebot erst voller Dünkel gedacht. Um dann für "A Very English Scandal" gefeiert zu werden als schwuler englischer Politiker in den Sechzigerjahren, der seinen jungen Geliebten umbringen will, als der damit droht, ihre Beziehung öffentlich zu machen. Noch nie durfte Hugh Grant so unsympathisch und gleichzeitig so gebrochen sein. In Guy Ritchies Gaunerkomödie "The Gentlemen" gibt er aktuell einen Fiesling mit Kinnbart, getönter Brille und zu enger Lederjacke, und demnächst wagt er sich wieder ins Fernsehen, im HBO-Krimi "The Undoing" mit Nicole Kidman.

Lange Zeit wäre man nie darauf gekommen, dass gerade ein Mangel an Eitelkeit sich einmal als eine der großen Stärken von Hugh Grant erweisen würde. Früher musste er immer gut aussehen. Jetzt zeigt er sich mit überraschend tiefen Falten, leicht fleckiger Haut und weich gewordenen Wangen. Rein äußerlich ist er, das kann man ruhig so sagen, keiner dieser Männer, die mit den Jahren immer besser werden. Und er hat überhaupt kein Problem damit, das durch unvorteilhafte Kostüme zu unterstreichen. Aber weil echte Schönheit von innen strahlt und er keinen Hehl daraus macht, so glücklich zu sein wie noch nie, und dazu endlich, endlich zeigen kann, was in ihm steckt, bekommen wir jetzt den besten Hugh Grant, den es je gab.

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BRIGITTE 06/2020

Wer hier schreibt:

Stefanie Hentschel
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