Idris Elba - sexy, schlau und auch nur ein Mensch

Er ist der coolste Hollywoodstar,
 aber er hat einen Makel:
 Er legt schlechte Housemusik auf. 
Muss das sein?,  fragt BRIGITTE WOMAN-Autorin Arezu Weitholz.

Idris, wir müssen reden. Ich habe immer geglaubt, du seist der coolste Typ der Welt. Als gebrochener Kommissar in der Serie "Luther", mit Tiefgang als Nelson Mandela in "Der lange Weg zur Freiheit" und jetzt als Strafverteidiger Charlie Jaffey im fulminanten Poker-Drama "Molly’s Game" (ab 8. März). Mein Mann in Hollywood. Endlich mal einer, der diesen millennialen Waschlappen vormacht, wie das geht, männlich zu sein. Versteh mich nicht falsch. Gerade, weil es im reaktionären weißen Filmgeschäft für Schwarze kaum Charakterrollen gibt, gönne ich dir jede Sekunde deines Erfolgs.Vielleicht, weil du es nie leicht hattest.

Selfmade-Star: Vom Londoner Vorort nach Hollywood

Du wurdest 1972 im Londoner Stadtteil Hackney geboren und bist im Nordosten der Stadt aufgewachsen, so behütet, wie man es zwischen sozialen Wohnungsbauten eben sein kann.

Harry & Meghan: Der „Megxit“ soll verfilmt werden

Dein Vater kam aus Sierra Leone, deine Mutter aus Ghana. Du warst Einzelkind, Geld hattet Ihr nie.

Ohne das Stipendium vom Prince’s Trust hättest du es mit 16 wohl kaum auf die Schauspielschule geschafft. Du hast schon mit zwölf angefangen zu arbeiten, als DJ, in einem Callcenter, bei Ford in Dagenham schobst du Nachtschichten, wie dein Vater. Dort, sagtest du, gab es mehr ethnische Vielfalt als in der Film- und Fernsehbranche. Immer wieder brauchtest du diese Nebenjobs - selbst in New York, kurz bevor man dir die Rolle des Drogenhändlers Russel "Stringer" Bell in der Serie "The Wire" anbot, warst du oft pleite. Was dich nicht davon abhielt, eine Familie zu gründen. Aber ich will mit dir nicht über Frauen reden. Du hast einige Ehen und Affären hinter dir, du bist Vater zweier Kinder, jüngst wurdest du mit Naomi Campbell gesehen. Deine Sache.

"Ich bin auch nur ein Mensch"

Hast du mal gesagt. Nein, du bist viele: Du bist ein Jäger und ein Sammler, ein Vater und ein Kämpfer, ein Rasender und ein Kuschelbär. Es ist, als könnten sich die unbändigen Kräfte in dir nicht entscheiden, wo sie hinsollen. So wie bei Luther, deiner Paraderolle aus der gleichnamigen Serie, die dich 2010 berühmt machte. Dieser jähzornige, besessene Ermittler, der für Frauen die Dreifaltigkeit des Untergangs personifiziert: sexy, schlau, mit verborgenem Problem. Ja, auch sexy bist du. Du misst 1,90 Meter und giltst als bullig, vermutlich bloß, weil du da, wo andere Schauspieler Luft tragen, Muskeln hast. Und diese Bariton-Stimme. Lange hatte ich "My name is DCI John Luther. The question is: Who are you?" als Klingelton programmiert. Ich freute mich über jeden Anruf. Kate Winslet sagt übrigens, dass es von dir kaum Sexszenen gibt, weil du dich genierst.

Sie musste im Bett sogar ihre Socken anbehalten, damit du nicht schwach wirst, weil du auf Frauenfüße stehst. Auch das ist cool.

Nein, Idris, reden müssen wir nur über deine Musik. Du singst, du rappst, du schreibst Lieder – geschenkt. Aber deine DJ-Auftritte? Im Partyhotel „Ibiza Rocks“? Es ist stock finster. Plötzlich brüllst du "Where are my ladies at?" ins Mikrofon. Dann drehst du den "Summertime Sadness"- Remix auf, brüllst noch mal "Make some fuckin’ noise", und es donnert "Uffz Uffz Uffz" durch den Saal, irgendein Vollhorst schaltet das Stroboskop an, dann kommen die Sirenen. Idris. Aua. Bist du nicht viel zu substanziell für solche Schrottclubs? Bist du nicht viel zu cool, um zu Deiner eigenen Mucke hinterm DJ-Pult zu tanzen? Ist das Leben nicht zu kurz für schlechte Housemusik? Idris, sag schon. 

Brigitte WOMAN 04/2018

Wer hier schreibt:

Arezu Weitholz
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.