Jane Birkin: Ihr engster Vertrauter ist ein Plüschaffe

Jane Birkin, einst Stilikone einer ganzen Generation, fühlt immer noch das Kind in sich.


Als Jane Birkin elf Jahre alt war, begann sie damit, Tagebuch zu führen. Genau genommen waren es Briefe, adressiert an Munkey. Das war ein Plüschaffe in Jockeykleidung, den ein Onkel bei einer Tombola gewonnen und ihr geschenkt hatte. Munkey begleitete Birkin, bis sie 44 war. Dann starb ihr Ex, der legendäre, provokative Allroundkünstler Serge Gainsbourg, und Birkin legte ihm ihren treuen Munkey in den Sarg. Warum? Na ja: "Um ihn im Jenseits zu beschützen", sagt sie.

Birkins Tagebücher

Munkey also ruht seit 1991 in einer der meistbesuchten Grabstätten des Pariser Friedhofs Montparnasse. Aber das, was seine ehemalige Besitzerin ihm zu erzählen hatte, wird erst jetzt öffentlich. In diesen Tagen erscheinen nämlich die "Munkey Diaries" (Penguin), Birkins sehr private Tagebücher aus den Jahren 1957 bis 1982. Darin ist nicht die Rede von ihren Filmrollen, ihrem verblüffenden Aufstieg zur Stilikone der 1960er und 1970er, nein: Um ihre sehr jungen Jahre geht es, um die "grässlichen" Mädchen in ihrem Schlafsaal im Internat. Die Sorge um ihren viel zu oft viel zu kranken Vater. Darum, wie der sie 1963 von London nach Paris schickt, weil er selbst so vernarrt ist in alles Französische. Wie sie dort von diesen "Beatniks und Künstlertypen" fasziniert ist, von denen sie da noch nicht weiß, dass sie später selbst dazugehören würde. Um ihre Männer geht es und ihre drei Töchter von drei verschiedenen Vätern, um ihr mangelndes Selbstwertgefühl, um Eifersucht und ihre endlose Suche nach ein bisschen Anerkennung. Jane Birkin hat Zeit ihres Lebens an sich und an diesem Leben gelitten, das macht diese Veröffentlichung so spannend. Aber klar ist auch: Die Leute um sie herum hatten es nicht leicht mit ihr.

Diese ersten Tagebücher enden 1982, kurz nach der Trennung von Serge Gainsbourg, dem Fixstern in ihrem Leben. Es wird noch einen Band geben, der 2013 endet. In jenem Jahr ist ihre älteste Tochter Kate Barry, eine Fotografin, in Paris aus dem Fenster ihrer Wohnung gestürzt und gestorben. Sie war gerade einmal 46 Jahre alt. Jane Birkin hat danach schlagartig aufgehört, ihr Tagebuch zu führen. Wenn man ein Kind verliert, gibt es wahrscheinlich nichts mehr, was man einem uralten Plüschaffen in einem zerfallenden Sarg noch erzählen müsste.

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BRIGITTE 21/2019

Wer hier schreibt:

Stephan Bartels
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