Katrin Bauerfeinds Comedy-Serie: Zwischen Tugend und Tabubruch

Katrin Bauerfeind stellt in ihrer neuen Comedy-Serie die Geschlechter gleich.

Was an Katrin Bauerfeind oft als Erstes auffällt, ist ihr tiefes und wenig zurückhaltendes Lachen. Roger Willemsen sagte dazu mal, es habe „etwas Erdiges und Kühnes, weil es verrät, dass sie schlammigaufgewühlten Untergrund hat, aus dem dieses Lachen kommen kann. Das heißt: Manchmal ist es unschuldig, manchmal ist es definitiv schuldig.“

Erdig, kühn und nicht immer unschuldig: Das trifft auch die Persönlichkeit der 36-Jährigen ziemlich gut. Geprägt wurde sie in ihrer urschwäbischen Kindheit im baden-württembergischen Aalen. Schon damals fiel das laute, lustige und mit unendlicher Energie bevorratete Kind aus dem zurückhaltenden Rahmen. Als sie sieben war, drückte ihr ihre erschöpfte Mutter ein Saxofon in die Hand – fortan spielte Katrin viermal die Woche in einem Jugendorchester. Dort, sagt sie, habe sie die Disziplin gelernt, die sie bis heute an den Tag legt, ohne dabei die Freude an der Freigeistigkeit zu verlieren.

Schwäbische Tugenden und fröhliche Tabubrüche – in diesem Spannungsfeld passiert eigentlich alles in Katrin Bauerfeinds Leben. Ihr Technikjournalismus-Studium krönte sie 2005 mit der Moderation des Internetformats „Ehrensenf“. Später gehörte sie zum Ensemble der „Harald Schmidt Show“ und bekam dann bei 3sat diverse Formate, die ihren Namen trugen – alle zugeschnitten auf ihre Art, mit Humor und manchmal derber Herzlichkeit zu den wesentlichen Dingen vorzustoßen. So funktionieren auch ihre Bestseller-Bücher.

Und nun auch ihre neue Comedy-Serie „Frau Jordan stellt gleich“ (zu sehen auf dem kostenlosen Streaming-Portal Joyn), in der sie die Gleichstellungsbeauftragte Eva Jordan spielt. Weil die Serie von „Stromberg“-Erfinder Ralf Husmann ist, wird es politisch nicht allzu korrekt – aber unter all den Schenkelklopfern finden sich Wahrheiten, die zeigen, wie kompliziert es in der Welt wirklich zugeht zwischen Frauen und Männern, und dass noch viel zu tun ist bis zur Gleichberechtigung.

Wer könnte das besser vermitteln als Katrin Bauerfeind, die selbst Sätze sagt wie: „Die Leute denken, Feminismus ist wie Darmspiegelung: Irgendwie wichtig, aber total lästig“? Möge ihr herzhaft dröhnendes Lachen alle verknöcherten Ungerechtigkeiten hinwegdonnern. 


Andre Benda, BRIGITTE

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