Michael Kiwanuka: Kein Typ wie Blitz und Donner

Musik gab es in seinem Zuhause nicht. Aber Michael Kiwanuka folgte der Stimme des Soul. 

An der Frage, ob Namen Schall und Rauch sind oder am Ende des Tages doch eine tiefere, den Charakter eines Menschen kennzeichnende Bedeutung haben, scheiden sich die Geister. Nehmen wir, nur mal so zum Beispiel, den in Ostafrika sehr gebräuchlichen Nachnamen Kiwanuka. Der bedeutet übersetzt: "Gott des Blitzes und des Donners". Und weil das so ist, stützt Michael Kiwanuka die Schall-und-Rauch-Theorie, denn von Blitz und Donner ist dieser sanfte, stille Typ so weit entfernt, wie der November vom nächsten Sommergewitter.

Brad Pitt, Jennifer Aniston

Stimme aus Samt 

Michael Kiwanukas Eltern flohen in den 1970er-Jahren vor der Schreckensherrschaft des Diktators Idi Amin aus Uganda nach England. Michael wurde 1987 im Norden Londons geboren, irgendwo zwischen dem Stadion der Tottenham Hotspurs und dem Highgate-Friedhof, auf dem Karl Marx begraben liegt. Und dass ihr Sohn einer der großartigsten Sänger und Songwriter des gesamten Planeten geworden ist, daran haben seine Eltern einen eher geringen Anteil. Deren Plattenspieler nämlich war kaputtgegangen, als Michael noch ein Säugling war, und ist nie repariert worden. "Musik", sagte Michael Kiwanuka einmal, "spielte zu Hause keine Rolle."

Es waren seine Freunde in der Schule, die ihn langsam an den Soundtrack seiner Jugend heranführten. An Bands wie Nirvana und die Red Hot Chili Peppers. Aber sein Leben verändert hat die Musik erst, als er Otis Redding, einen der einflussreichsten Soul-Sänger der 60er-Jahre, hörte und sein "Sittin’ On The Dock Of The Bay". An diesem Tag wurde aus einem Teenager, der ab und zu auf der Gitarre herumklampfte, ein ernsthafter Musiker, der seinen eigenen Sound gefunden hatte.

Die BBC setzte Michael Kiwanuka 2012 auf Platz eins ihrer "Sound of 2012"-Liste. Das ist der wahrscheinlich größte Karriereboost, den man als neuer, noch unbekannter Musiker in Europa bekommen kann. Michael Kiwanuka hat die Chance genutzt. Er macht Retro-Soul der allerschönsten Art, bei dem immer auch etwas Melancholisches mitschwingt. Er hat eine Stimme aus Samt, die zu seinem scheuen Wesen passt. Jetzt erscheint sein drittes Album, ein wunderschönes. "Kiwanuka" heißt es, schlicht und einfach. Das bedeutet … aber das weißt du ja schon.

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BRIGITTE 23/2019

Wer hier schreibt:

Stephan Bartels
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