VG-Wort Pixel

Natalia Wörner Schauspielerin stellt klare Forderungen an die Politik

Natalia Wörner
Natalia Wörner
© RTL
Solch ein TV-Programm gab es vorher noch nie: VOX setzt eine Woche lang die Frauen in den Fokus und beschäftigt sich unter anderem kritisch mit den Themen Diversity, Body Positivity und Gewalt an Frauen. Den Anfang macht die Infotainment-Show "#VOXforWomen – Das Event" (am 1. November 2021 um 20:15 Uhr auf VOX), welches von Natalia Wörner mitinitiiert wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass Natalia Wörner, 54, diese wichtigen Probleme in der Öffentlichkeit anspricht und sich vor allem aktiv einsetzt. Bereits 2020 gründete sie mit der Initiative "Sicherheim" eine Kampagne gegen häusliche Gewalt an Frauen – ein Thema, das der Schauspielerin besonders am Herzen liegt und für welches sie sich auch im Rahmen der Themenwoche #VOXforWomen (1. bis 7. November 2021) und im GALA-Interview stark macht

GALA: Frau Wörner, Sie sind Mitinitiatorin von #VOXforWomen. Was waren Ihre Beweggründe, bei dieser Aktion nicht nur dabei zu sein, sondern sie mit ins Leben zu rufen?

Natalia Wörner: Ich finde es beeindruckend, dass ein TV-Sender ein so innovatives Programm mit einer großen Selbstverständlichkeit gestaltet, das sich eine Woche lang dem Thema "Female Empowerment" widmet und dann noch einen Abend kreiert, an dem auch schwierige Themen rund um die Lebenswirklichkeit von Frauen besprochen werden. Das gab es so noch nie – aber das war notwendig. Es geht darum, die Gleichstellung der Frauen voranzutreiben.

Welche kritischen Inhalte werden das in der Infotainment-Sendung "#VOXforWomen – Das Event" genau sein?

Sheila de Liz, Jules Kremer, Wolke Hegenbarth, Thelma Buabeng, Natalia Wörner und Laura Wontorra bei "#VOXforWomen – Das Event"
Sheila de Liz, Jules Kremer, Wolke Hegenbarth, Thelma Buabeng, Natalia Wörner und Laura Wontorra bei "#VOXforWomen – Das Event"
© RTL

In der Sendung werden wir mit Expert:innen und prominenten Gäst:innen, zum Beispiel Wolke Hegenbarth, Riccardo Simonetti und Ursula Karven, über Inhalte wie Diversität, Body Positivity, Rollenbilder und gendersensible Erziehung sprechen. Wir sprechen aber auch über harte Themen wie Gewalt gegen Frauen, Übergriffe am Arbeitsplatz und sexualisierter Machtmissbrauch. Meiner Meinung nach können wir von einer wirklichen Gleichstellung der Frau nur dann reden, wenn wir dafür sorgen, dass jeglicher Gewalt an Frauen eine Null-Toleranz-Haltung entgegengebracht wird und an diesem Punkt in der Gesellschaft sind wir noch nicht. Aktuell ist das Thema ein Frauenthema, es müsste aber zu einem Männerthema gemacht werden, denn die Gewalt geht nun mal zum größten Teil von Männern aus.

Am aktuellen Beispiel des ehemaligen BILD-Chefredakteurs: Das ist zum einen ein Medien-Skandal – aber der wirkliche Skandal ist, dass wir nach wie vor in einer Gesellschaft leben, die Frauenverachtend ist. Man muss sich das vergegenwärtigen: über 63 Prozent der Frauen in Deutschland geben an, sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz erlebt zu haben. Dieser Fall hat gezeigt, dass wir es mit einem strukturellen Problem zu tun haben. Dieses System gilt es zu analysieren und daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Sie sind aber nicht nur Mitinitiatorin der Sendung, Sie wollen was verändern und stellen Forderungen. Was fordern Sie im Speziellen?

Natalia Wörner ist Mitinitiatorin der #VOXforWomen-Week (auf VOX und TVNOW)
Natalia Wörner ist Mitinitiatorin der #VOXforWomen-Week (auf VOX und TVNOW)
© RTL

Dass die Beendigung der Gewalt gegen Frauen in der Politik zur Chefsache gemacht und beim Kanzleramt angesiedelt wird, nicht nur im Familienministerium – und zwar jetzt! In den aktuellen Sondierungsgesprächen steht nichts davon, das ist sehr enttäuschend. Durch meine Arbeit als Schirmherrin bei "Sicherheim" habe ich festgestellt, dass es ein Hin- und Hergeschiebe zwischen Bund und Ländern gibt, was Verantwortlichkeiten und Finanzierungen angeht. Es müssen aber alle Resorts, die mit diesem Thema verankert sind – also Justiz, Gesundheit, Soziales, Innere Sicherheit und Familien – miteinbezogen werden.

Und was können wir in der Gesellschaft tun?

Das Thema in die Mitte der Gesellschaft rücken, mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität schaffen! Wir sind immer noch nicht an dem Punkt, dass die Menschen überhaupt wissen, wie weit das Thema "Gewalt gegen Frauen" wirklich reicht. Alle drei Tage wird eine Frau in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner umgebracht, das wissen die Wenigsten. Deswegen sind auch die Medien gefordert, mit diesem Thema viel umfassender und sensibler umzugehen.

Wir befinden uns gerade in einer Zeit, in der wir anfangen, anders zu denken. Es tun sich ganz neue feministische Denkräume auf und diese müssen mit Leben gefüllt und auch für ein junges Publikum nahbar gemacht werden.

Haben Sie selbst auch schon mal die Erfahrung gemacht, einzig und allein wegen Ihres Geschlechts Nachteile – ob in privaten oder beruflichen Situationen – zu erhalten?

Ich möchte meine Person oder meine eigenen Erfahrungen nicht in den Mittelpunkt der #VOXforWomen-Week stellen. Außerdem bin ich als Schauspielerin nicht so sehr in einer langfristigen Arbeits-Struktur verpflichtet, die sich über Jahre entwickelt sondern arbeite von Projekt zu Projekt. Ich sehe mich eher als Einzelkämpferin, deshalb lässt sich das schwer miteinander vergleichen.

Aber "Me too" entstand nicht umsonst aus einem Impuls innerhalb der Filmbranche. Dort existiert noch mal eine andere Art von Abhängigkeiten. Ich kann nur sagen, ich habe mich immer gewehrt. Aber ich möchte mich nicht als Heldin darstellen. Ich habe schon im jungen Alter klare Grenzen gesetzt, das entspricht einfach meinem Naturell und hat viel damit zu tun, dass ich sehr angstfrei aufgewachsen bin. Aber das ist nicht allen Frauen vergönnt.

Verwendete Quellen: eigenes Interview

Brigitte

Mehr zum Thema