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Nora Tschirner Sie verschwieg ihre Depression: "Ich hab kategorisch gelogen"

Nora Tschirner: Sie verschwieg ihre Depression: "Ich hab kategorisch gelogen": Nora Tschirner auf dem roten Teppich
© Future Image / imago images
Nora Tschirner ist für ihre quirlige, freche Art bekannt – dass sie mit Depressionen zu kämpfen hatte, vermutete lange kaum jemand. Aus Angst vor beruflichen Nachteilen behielt die Schauspielerin die Diagnose lange für sich.

Nora Tschirner (39) will das Thema Depression aus ihrem Schattendasein befreien. Bereits vor einem Jahr sprach die Schauspielerin darüber in dem Podcast "Hotel Quarantäne" mit Moderator Matze Hielscher. Nun gab sie in einem aktuellen Zeitungsinterview an, wie ihr Leben mit Depression ist.

Nora Tschirner: Mit 18 hatte sie ihre erste depressive Phase

Im Podcast erzählte die Schauspielerin, dass sie erstmals im Biologieunterricht von der Erkrankung gehört habe: "Damals war mir noch völlig unklar, was das sein soll. Nicht viele Jahre später erfuhr ich am eigenen Leib, was das ist", gab die 39-Jährige preis. Mit 18 habe sie ihre erste depressive Phase gehabt, aber vor zehn Jahren habe sie ihren Tiefpunkt gehabt, berichtet der "Tatort"-Star jetzt gegenüber "Süddeutsche Zeitung". Sie habe auf der Website einer Depressionsklinik eine Prüfliste ausgefüllt, so Tschirner weiter: "Da stand: Wenn Sie bei den folgenden zwanzig Fragen drei mit ja beantworten, wäre es ganz gut, wenn Sie zeitnah vorbeikommen. Bei mir waren es 19."

Trotz dieser Diagnose behielt die Berlinerin ihre Depression für sich. Zum einen, weil sie "als privilegierte Person" das Gefühl hatte, diese Probleme nicht haben zu dürfen. Zum anderen hatte sie aber auch Angst vor beruflichen Nachteilen. Aus diesem Grund habe sie in den Fragebögen für die Versicherung stets falsche Angaben gemacht:

"Wenn ich angebe, dass ich in den vergangenen fünf Jahren psychische Erkrankungen gehabt habe, kommt die Frage: Ist deswegen irgendwann ein Drehtag ausgefallen? Egal ob die Antwort ja oder nein lautet, die Produktion wird sich daraufhin gut überlegen, ob sie es sich leisten will, dich zu besetzen. Ich habe kategorisch gelogen, weil ich sonst keinen Job mehr bekommen hätte."

Depressionen – "das große, dunkle, merkwürdige Fass"

Ihre Erfahrung mit der psychischen Erkrankung hat Nora Tschirner auch die Augen für das Thema im Freundeskreis geöffnet. So habe sie viele Leute davon überzeugen können, in Therapie zu gehen, und sie dabei begleitet, erzählte die Schauspielerin vor einem Jahr im Podcast "Hotel Quarantäne". Dass die Krankheit vor allem in älteren Generationen bis heute tabuisiert wird, sieht sie als großes Problem, vor allem in der aktuellen Krisenzeit. "Das, was in der Therapie passiert, ist dass man in dieses große, dunkle, merkwürdige, bedrohliche Fass guckt, was jeder in sich hat. Das eigene Ich, die eigenen Ängste, die ganzen unbearbeiteten Emotionen", erklärte der "Tatort"-Star Matze Hielscher. "Viele Leute verbringen ihr Leben damit, dass dieses Fass hinter ihnen steht und tun, als gäbe es dieses Fass nicht. Sich umzudrehen und mal hinzugucken, ist eigentlich der Schritt, wenn man eine Therapie anfängt."

Nora Tschirner: "Ich hatte Angst, ich würde mich auflösen"

Auch für die Schauspielerin selbst war es kein leichter Schritt, sich in Behandlung zu begeben. "Ich weiß noch, als ich das erste Mal in Therapie gegangen bin, dass ich wirklich Angst hatte, ich würde mich auflösen", erinnert sie sich, macht jedoch Mut: "Spoiler alert: Das ist so nicht! Aber das ist die Hürde. Und bei einer Generation, die noch älter ist als wir, ist diese Hürde noch größer."

Eine große Schwierigkeit sieht die Berlinerin in dieser Haltung. "Wenn wir es jetzt nicht hinkriegen, mit unseren Ängsten umzugehen und sie zu entdecken und zu zähmen, bevor hier bestimmte Zahlen von Todesfällen und wirtschaftliche Problemen auftreten, dann kann es sein, dass uns das zusätzlich noch mal sehr um die Ohren fliegt", warnt sie. 

Wie geht es Nora Tschirner heute?

Inzwischen sei sie seit vielen Jahren frei von Symptomen, erzählt Tschirner heute der "Süddeutschen Zeitung". Sie habe sich außerdem ein gutes Umfeld gebaut und treffe Vorkehrungen, ergänzt sie in dem Gespräch. "Vermutlich hätte ich die Krankheit niemals komplett verhindern können, aber wenn ich mich besser um mich gekümmert hätte, wäre ich so tief nicht gefallen", lautet ihr Fazit heute.

Wichtiger Hinweis für Betroffene:
Leidest du unter Depressionen, hast du Selbstmordgedanken oder kennst du jemanden, der solche schon einmal geäußert hat? Die Telefonseelsorge bietet Hilfe an. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0800/1110111 und 0800/1110222 erreichbar.
Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf GALA.de erschienen.

Verwendete Quelle:  "Hotel Quarantäne", sueddeutsche.de

spg

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