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Rumer: Eine der schönsten Pop-Stimmen

Rumer: Rumer
© LEON NEAL/AFP / Getty Images
Rumer hat eine der schönsten Stimmen des Pop. Aber eben auch ein gefährlich dünnes Fell.

Sarah Joyce ist das jüngste von sieben Geschwistern. Die anderen sind wie ihre Eltern groß und blond. Sie selbst ist das Gegenteil, und um ihren elften Geburtstag herum erfuhr die Engländerin, woran das liegt: Ihre Mutter offenbarte ihr, dass sie das Ergebnis einer Affäre mit einem pakistanischen Koch sei. "Ich hatte mich immer als Alien empfunden, als fremd in meiner Welt", sagt Joyce, "endlich wusste ich, warum das so war." Sie hat ihren Vater ein paar Jahre später in Pakistan gesucht, aber nur noch seine Witwe gefunden und einige Halbgeschwister – der Mann war kurz zuvor gestorben. Wenig später starb auch ihre Mutter. Sarah war sehr lange ein sehr einsames, zerbrechliches Mädchen.

Künstlername als Panzer 

Sarah Joyce ist aber auch eine außergewöhnliche Sängerin. Eine, die trotz ihrer wunderbaren Stimme eigentlich nicht gemacht ist für ein Leben im Musikgeschäft. Die einen Panzer dafür braucht, einen Künstlernamen, den sie sich von der britischen Schriftstellerin Margaret Rumer Godden geborgt hat. Rumer nennt sich Sarah Joyce, seit zehn Jahren ist sie unter diesem Namen eine internationale Marke, ein Qualitätssiegel für erwachsene, zeitlose Musik, die irgendwo an der Grenze zwischen Easy Listening und Oldschool-Songwriterpop beheimatet ist.

Musikalisch sucht sie dabei gern die Nähe zu Männern, die sie inspirieren: Auf dem Album "Boys Don’t Cry", das sie 2012 veröffentlichte, sang sie Stücke von männlichen Songwritern der 1970er und 1980er. 2016 nahm sie eine Platte mit den schönsten Liedern des legendären Burt Bacharach auf. Und jetzt sind es die Songs der Country-Ikone Hugh Prestwood, derer sie sich auf "Nashville Tears" (erscheint am 24. April) annimmt – auf ihre weiche, melancholische Rumer-Art, in der immer eine Sehnsucht steckt, auch wenn unklar bleibt, wonach eigentlich.

Weder die Musik noch ihr Künstlername können die 40-Jährige wirklich vor ihren Dämonen schützen. Sie ist von London nach Arkansas gezogen, der Heimat ihres Mannes Rob Shirakbari, eines Produzenten-Genies; sie ist Mutter geworden. Doch noch immer leide sie, so erzählte sie in einem Interview, unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Sarah Joyce ist im Grunde immer eine Fremde geblieben. Auch sich selbst.

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BRIGITTE 10/2020

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