"Dankbar sein - warum fällt uns das so schwer?"

Mit BRIGITTE.de-Leserin Marion Schick hat es das Leben nicht immer gut gemeint. Trotzdem – oder gerade deshalb - ist sie dankbar.

Marion Schick (47) kommt aus Dortmund. Nach einigen Wohnortwechseln, auch ins Ausland, liegt ihr Lebensmittelpunkt mit Mann und Hund mittlerweile im Sauerland.


Warum machen sich die Menschen das Leben so schwer? 

Gott sei Dank habe ich es größtenteils aufgegeben, mich aufzuregen. Über die Gedankenlosigkeit mancher Mitmenschen. Über Politik. Über rote Ampeln und ein schlechtes Fernsehprogramm. Und darüber, dass manche Menschen sich ständig beklagen. Der Sinn will mir einfach nicht in den Kopf.

Als ich einmal eine Bekannte fragte, wie es ihr denn ginge, bekam ich zur Antwort: „Wir sind gesund, der Kühlschrank ist voll – das ist doch eigentlich das Wichtigste.“ Ich weiß, dass diese Frau viel um die Ohren hat und dass sie aus diesem Grund genauso gut etwas anderes hätte antworten können. Tat sie aber nicht.

Die Antwort fiel mir auf, weil sie so ungewöhnlich ist. Oft habe ich das Gefühl, dass die ganze Welt sich zu beschweren scheint, nicht nur bei mir, wohlgemerkt. Und ich frage mich dann: „Warum machen diese Menschen sich selbst das Leben so schwer…?“

Jeder Tag bringt etwas Schönes

An jedem Tag warten so viele schöne Dinge auf uns. Kleinigkeiten manchmal. Aber schön genug, um den Tag zu erhellen, oder manchmal nur einen Augenblick. Es gibt so viel Schönes zu sehen. Und zu erleben. Und Dinge, für die wir dankbar sein können, sehr sogar. Jeder, der gesund ist, sollte im wahrsten Sinne des Wortes „ein Lied davon singen.“ Gesundheit ist unser höchstes Gut – etwas, das viele leider erst dann zu schätzen wissen, wenn eine Krankheit sie daran erinnert, dass Gesundheit nicht selbstverständlich ist.

Ich liebe es, Sonnenuntergänge zu sehen, und wie sich dabei die Farben am Himmel verändern. Oder den Sonnenaufgang, wenn der Tag noch „frisch“ und unverbraucht vor einem liegt wie eine unbeschriebene Seite. Ich liebe strahlend blauen Himmel über mir und das Rauschen der Wellen, das Rufen der Möwen. Das „mit allen Sinnen genießen“. Und eigentlich bin ich kein Freund von Eis und Schnee – aber das Winterwunderland in der vierten Jahreszeit, wenn der weiße Frost sich auf die Landschaft legt wie eine Decke, zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich liebe es, Zeit mit Menschen zu verbringen, die mir wichtig sind – mit meinem Mann, mit lieben Freunden. Den Anblick unseres Hundes, wenn er friedlich in seinem Kudde liegt und schläft. Jeder Tag hält so viele schöne Momente bereit, wenn man sich nur ein bisschen Mühe gibt, sie zu entdecken …

In Gedanken höre ich die eine oder andere von euch innerlich aufstöhnen: „Klar, wenn man immer nur Glück hat, kann das klappen …“.

Krankheit und Tod - auch das bringt das Leben mit sich

Aber auch ich habe nicht immer nur Glück. Ich habe, viel zu früh, meine Eltern verloren, beide waren noch viel zu jung. Mein Mann erlitt vor einigen Jahren eine Hirnblutung, überlebte nur mit sehr viel Glück und einer ganzen Heerschar von Schutzengeln und kämpfte sich zurück ins Leben. Ich selbst lebe mit einer rheumatischen Erkrankung und, seit November 2014, mit der Diagnose MS. Und trotzdem glaube ich, dass man jeden Tag, jeden Augenblick genießen muss. Oder gerade deshalb.

Ich sage nicht, dass ich immer gut gelaunt bin, dass immer alles einfach ist oder ich nicht mal einen schlechten Tag habe. Aber ich weigere mich, darin unterzugehen. Und dafür danke ich meinen Eltern: Sie haben mir vorgelebt, nicht aufzugeben. Sondern immer wieder aufzustehen und weiterzumachen, in jeder Situation das Positive zu suchen. Sich nicht unterkriegen zu lassen und bei all dem das Lachen und die Liebe nicht zu vergessen.

Das Leben ist endlich, machen wir das Beste daraus!

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