„Traummann!? Brauch' ich nicht mehr!“

BRIGITTE.de-Leserin Sarah Piluso (32) hat ihren Traummann geheiratet. Der entpuppte sich als Alptraummann. Heute ist Sarah glücklicher Single. 

Sarah Piluso (31) lebt in Wolfsburg. Ihre dunklen Augen und Haare hat sie ihren italienischen Vorfahren zu verdanken - ihr gesundes Selbstbewusstsein hat sie erst nach ihrer Scheidung erlangt. Mit Anfang 30 hat sie ihr Leben komplett umgekrempelt und tut, was ihr Spaß macht: Schreiben! 


Wie Mädchenträume gemacht werden

„Es kommt immer anders als man denkt.“ Diesen Satz hört man öfters, aber ich hätte ihn niemals mit meinem Leben in Verbindung gebracht.

Schon als kleines Kind hatte ich eine konkrete Vorstellung davon, wie mein Leben ablaufen sollte. Ich träumte davon, eines Tages Mr. Right zu finden, ihn zu heiraten und eine Familie zu gründen.

Welches Mädchen träumte nicht davon? Wir haben es doch in die Wiege gelegt bekommen. Als Kinder durften wir bereits an Puppen das Familienleben üben, und in den Disney-Filmen tauchte zuverlässig der Märchenprinz auf, der unsere kleinen Herzen höher schlagen ließ. Wir verschmolzen unsere Augen mit unseren Herzen und wollten genau das Liebesleben führen, das uns in den kitschigen Märchen und Liebesgeschichten gezeigt wurde.

Schade nur, dass uns keiner darauf aufmerksam gemacht hat, dass die Realität ganz anders aussieht.

Seit dem sechsten Lebensjahr suchte ich meinen Traummann

Seit dem sechsten Lebensjahr konzentrierte ich mich darauf, den perfekten Mann zu finden, so dass mit Mitte 20 meine Wünsche erfüllt wären. Bei jedem Kerl, der mir über den Weg lief und der mir gefiel, sah ich den potenziellen Kandidaten, den Mann aller Träume. Ich malte mir aus, wie unsere Kinder aussehen würden, und welches Kleid ich zur Hochzeit tragen würde. Aber ... und jetzt kommt der Satz: Es kommt immer anders als man denkt!

Denn mittlerweile bin ich Anfang 30, geschieden, kinderlos und glücklicher Single.

Endlich würde ich heiraten!

Mit 21 Jahren war es soweit gewesen! Ich hatte ihn gefunden -  meinen angeblichen Mr. Right.

Er war überhaupt nicht so, wie ich ihn mir als Kind vorgestellt hatte. Er war nicht groß, hatte keine blauen Augen, und er kam auch nicht auf einem weißen Pferd angeritten. Aber was machte das schon, die Liebe war da.

Nach drei Jahren Beziehung verkündete ich die frohe Botschaft, dass ich endlich heiraten würde. Ich ignorierte die Warnungen meiner Bekannten, Freunde und Kollegen, zog meine rosarote Brille auf und ging voller Freude mit 24 Jahren zum Standesamt, wo ich mein “Ja, ich will“ endlich loswerden konnte. Mein Traum sollte nun in Erfüllung gehen, und das Leben zu zweit konnte endlich beginnen, genauso wie ich es mir immer erträumt hatte. Ich war so glücklich, dass ich mir nicht vorstellen konnte, mich eines Tages scheiden zu lassen.

 Nach nur vier Jahren beendete ich diese Ehe mit dem Satz: „Ich möchte die Scheidung!“

Eheglück? Eine Illusion

Jeden Abend, wenn ich mal wieder allein zu Bett ging, weil mein Mann sich bei seinen Affären, in Bars oder Spielcasinos rumtrieb, fragte ich mich: Läuft so eine Ehe ab? Ist das das Leben, das ich mir erträumt hatte? Wird so mein ganzes Leben ablaufen? Einsam in der Ehe? Unglücklich? Unzufrieden? Mit Angstzuständen?

Ich erkundigte mich bei meinen Freunden, wie eine Ehe aussehen sollte. Sie beschrieben sie mir so, wie wir sie von unseren Eltern und Großeltern kannten - voller Geborgenheit, Liebe und Unterstützung. Und voller Respekt, den mein Mann mir gegenüber leider nicht aufbrachte.

Er zog es vor, mich zu belügen und mich mit seiner Arbeitskollegin zu betrügen. Die Kollegin, wegen der er mich verrückt und geisteskrank nannte, weil ich ihm eine Affäre mit ihr unterstellte. Die Affäre, mit der er mit meinem Geld in den Urlaub flog.

Ich kämpfte mich ins Leben zurück

Nachdem ich mich von ihm getrennt hatte, versuchte er, mir Schuldgefühle einzureden. Wir hätten uns nur auseinandergelebt, weil ich mich nach dem Tod meines Bruders negativ verändert hätte. Ich wäre zu sehr mit meiner Trauer beschäftigt gewesen, hätte meine ehelichen Pflichten nicht erfüllt und ihm nicht meine volle Aufmerksamkeit geschenkt. Mein Bruder war kurz nach unserer Hochzeit bei einem Verkehrsunfall gestorben.

Mein Mann hatte von mir gefordert, dass ich nach nur 14 Tagen über den Tod meines Bruders hinwegkommen musste. Nach nur 14 Tagen! Mein Bruder war ein wichtiger Mensch für mich! Ich ignorierte die Worte meines Mannes und blieb an seiner Seite. Vier Jahre versuchte ich, um diese Ehe zu kämpfen. Eines Tages gab ich auf und kämpfte mich stattdessen zurück ins Leben.

Meine gescheiterte Ehe hat mich selbstbewusster gemacht

Mein Ex-Mann war ein Egoist ohne Gewissen, der nur an sich dachte. Ich bereue diese Ehe zum Teil, aber andererseits bin ich froh, diese harte Erfahrung gemacht zu haben. Diese Ehe hat mich stärker und selbstbewusster gemacht. Wer solche Erfahrungen im Leben macht, muss sich entscheiden: Entweder man geht daran kaputt, oder man kämpft sich durch und findet das schönste Geschenk im Leben: das Glück.

Manchmal bildet man sich ein, dass man einen anderen Menschen braucht, um glücklich zu sein.  Aber das ist nicht wahr. Ich bin jetzt glücklich, weil ich mit den Menschen meine Zeit verbringe, die mir wichtig sind. Glücklich, weil ich endlich das tue, was mir wirklich Spaß macht, und ich versuche, meine Träume wahr werden zu lassen. Ich schreibe. Es ist mir egal, ob ich damit eines Tages Erfolg haben werde. Es macht mich glücklich.

Irgendwo da draußen, da ist er. Mein Mr. Right. Ich suche nicht nach ihm, irgendwann werden wir uns begegnen. Bis dahin lebe ich mein Leben und tue das, was mich glücklich macht. 

 

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