"... als hätte das Backen mich gefunden und nicht umgekehrt"

In der Kolumnen-Reihe "60 Stimmen" schreiben unsere Leserinnen. In diesem Artikel: Kathleen König liebt Backen und brach letzlich dafür sogar ihr Studium ab.

Kathleen König hat vor zwei Jahren aus ihrer Leidenschaft ein Geschäft gemacht: Nach diversen Jobs in Bäckereien hat sie ihr Studium an den Nagel gehängt – und 2012 königlich süß gegründet. Als Caterer zaubert sie seither für jeden Anlass „eine Landschaft aus süßen Träumen, von der Torte über Cupcakes bis hin zu Desserts, Mottokuchen und Konfekt.

Wenn ich zurückblicke auf die letzten Jahre, scheint es mir fast, als hätte das Backen mich gefunden und nicht umgekehrt. Wie viele habe ich schon als Kind gerne Teig geknetet und die Rührschüsseln ausgeleckt, aber erst mit Ende der Schulzeit wurde ich das Gefühl nicht los, dass Backen meine Berufung ist. Mit einem Kuchen in der 12. Klasse fing alles an - für den Englisch-Leistungskurs gab es einen herzförmigen Kirschkuchen zum Wahlsieg von Obama.

Vom Backen lassen konnte ich seither nie: Während verschiedener Auslandsaufenthalte war ich eigentlich die meiste Zeit damit beschäftigt, mir die Auslagen von Konditoreien anzusehen, in einheimischen Backbüchern zu blättern und mich über Trends zu informieren. Während meines Studiums arbeitete ich in unterschiedlichen Hamburger Konditoreien als Praktikantin und später als Aushilfskraft. In dieser Zeit wurde mir klar, dass es genau das ist, was ich für den Rest meines Lebens machen möchte: Backen und das Leben anderer versüßen. Denn dabei spürte ich eine Wärme und ein Gefühl von Zufriedenheit. Anderen Menschen eine Freude zu machen war und ist einfach das Schönste - und womit geht das besser als mit Schokotorte und Cupcakes?

Ein Freund hatte damals die Idee, dass wir Fotos von den Leckereien auf einem Blog veröffentlichen könnten. Ein paar Monate später, im Sommer 2011, war "Königlich Süß" geboren. Was als Hobby und Ausgleich zum Studium entstanden war, wurde plötzlich die Verwirklichung eines Traums, und so hängte ich 2012 mein Studium endgültig an den Nagel. Ich wollte mich voll und ganz auf mich und mein Unternehmen konzentrieren. Bei mir ist alles individuelle Handarbeit und Kunst zum Essen. Meine Kunden bestellen bei mir ein süßes Catering für ihre Feier, sie können aus sechs Varianten wählen, Farben und Geschmack sind dabei variabel - und ich setze das für sie dann in Kuchen um. Die Gäste trauten sich manchmal erst gar nicht zu essen - so schön schauen die Torten aus.

Am liebsten backe ich für Hochzeiten: Da ist die Torte ein wichtiger Bestandteil, und jeder bekommt ein Stück. Eine Hochzeit ist ein glücklicher Moment, und wenn der Stress vorbei ist, komme ich mit der Torte. Was gibt es Schöneres, als so einen Tag zu versüßen? Auch wenn manche Brautpaare sonderliche Wünsche haben: Eines wollte einmal statt Hochzeitspaar auf der Torte zwei Meerschweinchen.

Ich bringe jede Torte persönlich vorbei. Erstens weil Service dazu gehört, die Kunden den persönlichen Kontakt schätzen und ich alles dann auch aufbauen kann. Zweitens ist jede Torte ein Unikat und irgendwie auch mein Baby - das möchte ich sicher am Ziel wissen. Und die Leute freuen sich immer so sehr, das ist für mich der schönste Moment. Oft werde ich auch eingeladen, bei den Hochzeiten mitzufeiern. Das finde ich eine rührende Geste.

Inzwischen gehen mir mehrstöckige Torten, die mit der Liebesgeschichte des Paares dekoriert sind, zum Kleid passen und 250 Veganer satt machen, gut von der Hand. Aber meine erste mehrstöckige Torte war schon so ein Gänsehautmoment. Auch meine ersten 100 Likes auf facebook facebook waren ein Meilenstein, einfach weil ich merkte: Da sind Leute begeistert von dem, was Du machst. Aber am meisten begeistert ist wahrscheinlich immer noch mein Mitbewohner, denn der darf immer die Überproduktion essen. Wehe, wenn da mal ein Wochenende keine Hochzeit ist! Dass mir jemand die Torte ins Gesicht geschleudert hat, ist mir noch nie passiert. Nur einmal ist mir die Dekoration - eigentlich der Teil, den ich am meisten liebe an meiner Arbeit - einfach davon geschmolzen: Die Luftfeuchtigkeit war zu hoch.

Mein nächster großer Schritt: Ich möchte mich an Airbrush mit Lebensmittelfarbe rantrauen. Da habe ich noch großen Respekt vor. Dass ich jetzt aber soweit bin, macht mich glücklich. Es war ein weiter Weg. Viele Hürden gab es zu überwinden - und da waren auch immer die eigenen Unsicherheiten und Ängste. Dieser Weg hat mir eine große Kraft und Stärke gegeben, auf die ich sehr stolz bin. Ich bin glücklich, dass ich damals auf mein Herz gehört habe und den vielleicht ungewöhnlichen Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe. Einen Weg, den ich nur jedem raten kann. "In the end we only regret the chances we didn’t take."

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