"Gott wird oft als Buhmann dargestellt"

In der Kolumnen-Reihe "60 Stimmen" schreiben unsere Leserinnen. In diesem Artikel schreibt Larissa McMahon darüber, warum Glauben eine Herzensangelegenheit für sie ist.

Larissa McMahon, 24, ist seit drei Monaten verheiratet und lebt in einer kleinen Wohnung in Hessen. Sie verbringt ihre Freizeit am liebsten mit Fotografieren, Backen und Do-it-yourself-Projekten. Darüber schreibt sie auch auf ihrem Blog: Lary Tales. Als sie 13 war, hat sie sich zum Konfirmationsunterricht angemeldet. Dass sich dadurch ihr ganzes Leben ändern würde, hätte sie damals nicht gedacht. Was sie gerne mal machen würde? Mit ihrem Mann und dem Rucksack zu Fuß durch die Wälder von Nordamerika streifen und dabei ganz viele Abenteuer erleben.

Hätte mir vor zehn Jahren jemand gesagt, ich würde mal einen Pastor heiraten, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Denn mit der Kirche hatte ich so gar nichts am Hut und meine Familie auch nicht. Eines stand jedoch fest, Konfirmation, das muss schon sein. Und so trat er ganz still und leise in mein Leben. Wie ein Gentleman. Jesus.

Heute, zehn Jahre später, sitze ich hier und schreibe diesen Artikel. Seit gut drei Monaten bin ich jetzt verheiratet, mit einem Theologiestudenten. Sein Wunsch? Pastor einer freien evangelischen Gemeinde zu werden. Was das für mich heißt? Ganz einfach: Frau eines Pastoren werden. So einfach ist das aber gar nicht. Ich sehe darin eine Berufung mit großer Verantwortung. Eine Aufgabe, auf die ich mich schon sehr freue, aber die mir auch Angst macht.

Die Frage, die ich nach unserer Hochzeit am häufigsten gestellt bekomme ist: „Und, wann kommt das erste Kind?“ Erst letzte Woche auf der Arbeit wurde ich nach unserem Kinderwunsch gefragt. Viele Bekannte waren auch der Meinung, wir heiraten so früh, weil wir Kinder wollen. Das ist aber gar nicht der Fall. Natürlich möchten wir irgendwann Kinder, am liebsten drei, aber nicht jetzt. Grundsätzlich finde ich den Gedanken, Mutter zu sein, den Haushalt zu schmeißen und in der Gemeinde aktiv zu sein, sehr schön. Wenn ich erzähle, dass ich es kaum erwarten kann, gar nicht mehr (oder weniger zu arbeiten) und mich voll unserem Haushalt und unserer Ehe widmen möchte, bekomme ich oft den ein oder anderen skeptischen Blick. Ich muss dann innerlich immer ein bisschen lachen, weil ich an diesem Wunsch überhaupt nichts Schlimmes sehe. Leider bin ich bei diesem Thema auch schon auf vehementen Widerstand gestoßen. Ich müsse doch Karriere machen. Zugegeben, den ein oder anderen Wunsch hätte ich in beruflicher Hinsicht schon. Aber die lassen sich mit meinem Lebensmodell wunderbar verknüpfen. Ich würde zum Beispiel gerne ein Buch schreiben und mit meinem Blog große Erfolge feiern. Ziele, an deren Verwirklichung ich arbeite.

Wie sieht mein Leben als Christin eigentlich noch so aus? Eine oft gestellte Frage ist, ob ich jeden Sonntag in die Kirche gehe. Das ist tatsächlich so. Ich genieße den Gang zum Gottesdienst total und freue mich nicht nur auf den Input, sondern auch auf die Gemeinschaft mit anderen Christen. Christin sein bedeutet für mich aber nicht nur, sonntags in die Kirche zu gehen, sondern mein ganzes Leben nach Jesus auszurichten und für das, was ich glaube, einzustehen. Oft wird mir mit Anfeindung und Unverständnis begegnet. Die Frage „Wo ist denn dein Gott bei all dem Leid?“ bekomme ich leider viel zu oft gestellt. Aber wie soll ich jemandem ernsthaft erklären, was ich glaube und fühle, wenn derjenige nicht offen dafür ist, sondern nur darauf aus, mit mir zu diskutieren? Selbst in den Medien wird Gott oft als großer Buhmann dargestellt, wie soll ich dagegen ankämpfen? Ich finde es so schade, dass die meisten Menschen so verschlossen gegenüber Gott und Jesus sind. Manchmal frage ich mich, wie ich anderen deutlich machen kann, wie sehr der Glaube Menschen befreien, glücklich machen und erfüllen kann.

Ich habe mittlerweile oft das Gefühl, dass ich mich für meinen Glauben und meine Ansichten schämen soll. Auch jetzt frage ich mich wieder, welche Kommentare werde ich bekommen? Was denken die Menschen, die diesen Artikel lesen? Habe ich die richtigen Worte gewählt, hoffentlich versteht mich niemand falsch. Und das liegt sicher nicht daran, dass mein Glaube mich unsicher macht, oder ich mich in den Tiefen meines Herzen tatsächlich dafür schäme. Es liegt viel mehr daran, dass es hier für mich um eine Herzensangelegenheit geht. Etwas, das tief mit Emotionen besetzt ist. Wenn mich jemand für meinen Glauben kritisiert oder mich verurteilt oder gar mir mit Hass begegnet, dann fühlt es sich für mich so an, als würde mich jemand dafür anprangern, das ich meinen Vater liebe. Was für mich das normalste der Welt ist. Ich will mich einfach nicht mehr für meinen Glauben schämen müssen. Das ist meiner Meinung nach auch nicht nötig, denn man muss sich einfach mal ernsthaft mit der Bibel und mit den Menschen, die diese für wahr halten, beschäftigen. Man kann so wundervolle Erfahrungen mit der Bibel machen.

Mein Glaube an Jesus hat mich zu einem anderen Menschen gemacht. Ich wage sogar zu behaupten, zu einem besseren! Ich bin selbstreflektierter, offener für andere Menschen und deren Gefühle und Gedanken. Es gibt Dinge in meinem Leben, die mir wichtig sind. Ich habe ein Ziel und einen Sinn gefunden. Deswegen ist es mir auch so wichtig, anderen von Gott zu erzählen. Der Glaube hat mein Leben so viel reicher gemacht. Dies wünsche ich auch anderen Menschen. Mein Leben und ich sind keinesfalls perfekt. Das möchte ich an dieser Stelle betonen, denn auch mir passieren schlimme Dinge. Ich mache schlechte Erfahrungen und auch viele Fehler. Aber mein Gott hilft mir jedes Mal aufs Neue dabei, und darüber bin ich mehr als glücklich und dankbar.

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