"Ich habe es geschafft, mich ungeschminkt zu lieben"

In der Kolumnen-Reihe "60 Stimmen" schreiben unsere Leserinnen. In diesem Artikel: Bloggerin "Erbse" Huth erzählt, wie sie sich früher mit Make-Up maskierte, und wie sie einen Weg gefunden hat, sich selbst zu lieben.

"Erbse" Huth ist 26 Jahre alt und wohnt in Europas Waschbärenhauptstadt Kassel. Sie schreibt auf kosmetik-vegan.de über vegane Kosmetikprodukte, Nachhaltigkeit und Tierversuche, sowie über die Branche an sich. Aber auch DIY-Rezepte, Nageldesigns und Make-ups finden dort Platz.

Eule. So nannten mich meine Mitschüler damals in der siebten Klasse. Und irgendwie hatten sie mit dieser Assoziation recht. Wenn ich mir die Fotos von damals anschaue, wie ich meine großen Augen noch extra mit einer ordentlichen Menge schwarzem Eyeliner umrandete, frage ich mich wirklich, wie ich es so habe übertreiben können. Ich ging nie ungeschminkt vor die Tür. Nie. Viele Jahre lang bestimmten Foundation, Puder, Rouge, Lidschatten, Eyeliner und Mascara meine tägliche Morgenroutine. Und das keineswegs, weil ich oberflächlich war.

Ich war damals ein sehr unsicheres und sehr sensibles Mädchen, was sich hinter dieser dicken Schicht Make-Up versteckte und auch schon mal um fünf Uhr morgens aufstand, damit noch vor der Schule alles perfekt saß. Das gab mir unheimlich viel Sicherheit. Ich habe wirklich versucht, perfekt zu sein. Zumindest äußerlich. Letztendlich hätte man mir meinen Schminkkasten wegnehmen und mir lieber dabei helfen sollen, ein gesundes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aufzubauen. Aber wem fiel es schon auf, wie es mir als junges Mädchen mitten in der Pubertät erging, wenn ich doch diese Maske trug.

Mittlerweile ist das schon viele Jahre her und aus dem Mädchen von damals ist eine 26 Jahre junge Frau geworden, die es geschafft hat, die Eulenmaske abzusetzen. Ich würde zwar nicht behaupten, vor Selbstvertrauen zu strotzen, aber eines habe ich gelernt: Ich brauche mich nicht zu verstecken. Bis ich das verinnerlicht hatte, benötigte es viele Erkenntnisse und einige Tiefschläge.

Ich habe zu Anfang meinen Konsum runtergeschraubt und gleichzeitig nach veganen Schminkmöglichkeiten geforscht. Und davon gibt es, so kann ich verraten, zum Glück eine große Anzahl aus jeder Produktsparte. Vegane High-End-Marken, aber auch vegane, günstige Drogerieartikel. Dabei braucht es nicht mal das, denn besonders Pflegeprodukte lassen sich aus wenigen Küchenzutaten ganz leicht selbst anrühren.?Ich hätte also gar nicht auf irgendetwas verzichten müssen. Hätte mich also nach wie vor hinter der Eulenmaske verkriechen können.

In dieser Zeit jedoch legte sich bei mir ein Schalter um. Für mich ist das Schminken mittlerweile keine tägliche Belastung mehr, sondern eine kreative Abwechslung, die mir Spaß bereitet. Und das Herstellen von eigenen veganen Kosmetika, aus natürlichen Zutaten und ganz ohne Plastikmüll oder synthetische Stoffe, ist tatsächlich zu einer spannenden Freizeitaktivität geworden. Mir haben die möglichen Konsequenzen meines Konsums gezeigt, dass meine Mitmenschen mich an meinen Taten messen sollten, nicht etwa an meinem Äußeren.

Das Ablegen alter Gewohnheiten ist schwer. Aber ich habe es geschafft mich auch ungeschminkt zu lieben und anderen damit die Chance gegeben, mich so mögen zu lernen, wie ich wirklich bin.

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