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"Manchmal hilft blau"


In der neuen Kolumnen-Reihe "60 Stimmen" schreiben unsere Leserinnen. In diesem Artikel schreibt Chris Libuda darüber, warum es sich lohnt, sich vor der eigenen Hochzeit zu entspannen - und wie ihr das gelungen ist.

Chris Libuda teilt ihre Begeisterung für moderne Hochzeiten auf einhochzeitsblog.com. Wenn sie nicht gerade neue DIY-Ideen kreiert und fotografiert, schreibt Chris als Redakteurin des Hochzeitsmagazins marryMAG oder gibt Workshops. Zuvor war die studierte Fernsehjournalistin als Reporterin des SWR tätig und viele Jahre als TV-Nachrichtenredakteurin der Tagesschau bei der ARD in Hamburg aktiv.
Chris Libuda teilt ihre Begeisterung für moderne Hochzeiten auf einhochzeitsblog.com. Wenn sie nicht gerade neue DIY-Ideen kreiert und fotografiert, schreibt Chris als Redakteurin des Hochzeitsmagazins marryMAG oder gibt Workshops. Zuvor war die studierte Fernsehjournalistin als Reporterin des SWR tätig und viele Jahre als TV-Nachrichtenredakteurin der Tagesschau bei der ARD in Hamburg aktiv.
© www.dnaphotographers.com

Es gibt Hochzeitsbräuche und Traditionen wie Sterne am Himmel: unendlich viele. Es beginnt - zum Beispiel - bei der Idee, man müsse etwas Blaues zur Hochzeit tragen. Dieser Brauch hat sich wahrscheinlich schlicht deshalb etabliert, weil es sich im Englischen reimt: "Something old, something new, something borrowed, something blue". Das klingt schön. Das war's dann aber auch schon. Es gibt keinen Grund, warum erwachsene Frauen, die schwarzen Katzen unter Leitern tapfer ins Auge blicken, die Zahl 13 als gewöhnliche Ziffernfolge betrachten und auch sonst nicht dem Aberglauben verfallen sind, plötzlich der Meinung sind, sie dürften ohne etwas Blaues am Leib nicht heiraten. Weil das sonst Unglück bringe.

Doch, einen Grund gibt es: Sie sind Bräute. In den Monaten vom Heiratsantrag bis zur Trauung kann sich viel verändern.

Im besten Fall wollen zwei Menschen ein großes oder auch kleines Fest der Liebe feiern. Mit Freunden und Familie oder allein am Strand, im Schloss, der Gartenlaube oder Turnhalle. Das Paar lernt sich in der Zeit der Vorbereitung noch besser kennen und beide haben Freude daran, kleine und große Überraschungen für die Gäste vorzubereiten.

Manchmal passiert aber auch was anderes. Und hier sind Frauen ganz offensichtlich besonders gefährdet. Männer bleiben kopfschüttelnd und leicht hilflos zurück. Manche Frauen werden in der Zeit der Hochzeitsvorbereitung zu wahren Organisations-Furien. Sie legen alle ihre Erwartungen, Hoffnungen und Wünsche in diesen einen Tag. Über ein Jahr Vorbereitung, das ganze Ersparte und die ganze Energie.

"Manchmal hilft blau"
© www.dnaphotographers.com

Sie soll perfekt sein, diese Hochzeit: Die Sonne möge vom Himmel strahlen, aber es soll nicht zu heiß sein, bitte. Die komplette Hochzeitsgesellschaft, inklusive der neuen Freundin des Vaters, die kaum älter ist als man selbst und im siebten Monat schwanger, versteht sich hervorragend. Der DJ haut bis früh um vier Kracher-Stimmung aufs Parkett. Das Essen ist das feinste, was es je gegeben hat. Frisur und Make-up sitzen wie auf dem Titel der Vogue, Der Teint ist leicht gebräunt und das Wunschgewicht seit Wochen erfolgreich gehalten. Der Standesbeamte ist unterhaltsam und kennt die persönliche Geschichte des Brautpaares. Die Liste ist lang.

Viele Bräute bauen ihre Wohnung zu Management-Zentralen um und tapezieren Listen um Listen (natürlich hübsch mit bunten Klebestreifen aufgehängt) an die Wand. To-do und Must-Have. Cupcakes mit Topper, Etageren, Wimpelgirlande, Flip-Flops für die Gäste in allen Größen. Muss man alles dringend machen oder unbedingt noch besorgen. Bis die Braut unter Herz-Konfetti, Blumenkränzen und Gästelisten begraben die weiße Fahne schwenkt, nachts um zwei die beste Freundin anruft und schluchzend erklärt, sie können unmöglich heiraten, sie finde den blauen Herzanhänger der Oma nicht.

"Manchmal hilft blau"
© www.dnaphotographers.com

Diese Braut nennt sich dann Bridezilla und ist die 100-prozentige-Garantie dafür, dass alles schief geht.

Nur was sagt man diesen Bräuten? Entspannt euch? Feiert euer Fest und vergesst die Perfektionistin in euch? Eher kann man einem Haifisch das Singen beibringen. Drei Monate Bauchatmung trainieren im Yoga-Seminar? Keine Chance. Fünf Meter Wimpelkette wollen schließlich noch genäht werden.

Hier kommt mein Tipp für Euch, liebe Bräute, und alle, die Bridezillas treffen: Wie wäre es mit drei persönlichen und konkreten Hochzeits-Wünschen? Dinge, die auf Eurer Feier auf keinen Fall schief gehen oder fehlen dürfen. Wenn die erfüllt sind, ist alles andere gut, wie es ist.

Wäre ich Braut, würde mir erstens wünschen, dass ich mit diesem mehr als bodenlangen Hochzeitskleid und in den Mörder-Stilettos nicht die Treppe zum Klo runter krache und mit Gehirnerschütterung und Blaulicht ins Krankenhaus muss. Zweitens wäre es wirklich wünschenswert, wenn die Gäste mich nicht dazu nötigen, bei 30 Grad im Schatten einen Baumstamm zu zersägen, und drittens wäre es mein größter Wunsch, mein Liebster sagte an der richtigen Stelle "Ja".

Das reicht für eine gelungene Hochzeit. Ehrlich.

Ich freue mich auf eure Kommentare! Was sind eure Top-3-Hochzeitswünsche an euch selbst?

Eure Chris

P.S.: Ich habe übrigens am Elbstrand in Hamburg geheiratet. In einem kleinen Häuschen, wir hatten keine Trauzeugen und noch nicht einmal Ringe getaucht. Aber etwas Blaues hatte ich dabei. Man weiß ja nie.


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