600 Tage Migräne: Wie ich durch meine Krankheit zur Selbstliebe fand

BRIGITTE.de-Leserin Melanie Pignitter lernte durch ihre Migräne, sich selbst zu lieben. Heute ist sie dankbar für ihre Schmerzen.

Melanie Pignitter ist Autorin und diplomierte Mental- und Kommunikationstrainerin. Sie litt an einer seltenen Schmerzkrankheit: Mehr als 600 Tag wurde sie 24 Stunden täglich von Migräne gequält. Die 33-Jährige wurde durch ihren positiven Umgang mit ihrer Krankheit und ihren Lebensfreude-Blog honigperlen.at bekannt.


  

Der Beginn meiner Leidensgeschichte

Es war Sommer, als mein Leben in 1000 Scherben zerbrach. Noch einige Tage zuvor sagte eine Freundin zu mir: „Du bekommst vom Leben doch immer genau das, was du dir wünschst.“ Sie spielte damit auf meinen Traumjob, auf meine innige Beziehung zu meinem Partner und auf meine lebensfrohe Persönlichkeit an. Und sie hatte Recht - mein Leben bot damals tatsächlich viele Anlässe, mich stolz und zufrieden zu machen.

Als ich im Juli 2015 an einem Sonntagmorgen mit Kopfschmerzen erwachte, ahnte ich nicht, dass dieser Tag der Beginn meiner größten Lebenskrise sein würde. Ich vergrub mich im Schlafzimmer, schlussfolgerte, dass es sich bei dem Schmerz um einen Migräneanfall handelte und wartete geduldig ab. Der Migräneanfall aber nahm kein Ende. Nicht nach drei, nicht nach zehn und auch nicht nach 600 Tagen.

Auch 112 Ärzte konnten mir nicht helfen

Von einem auf den anderen Tag war ich ein körperliches und seelisches Wrack. Ich musste meinen Job aufgeben, war nicht mehr gesellschaftsfähig, konnte mich kaum konzentrieren, keinen Sport mehr treiben, und an manchen Tagen schaffte ich es nicht mal aus dem Bett.

Natürlich ließ ich nichts unversucht, um diesem grauenvollen Kopfschmerz zu entkommen. Ich suchte mehr als 112 Ärzte und Alternativmediziner auf, setzte mich zig Therapien aus und versuchte mich an diversen Arzneien. Nichts half.

Mein Weg zurück ins Leben

Ich war dem Aufgeben nahe, als ich durch Zufall an die Mentallehre erinnert wurde. Seit über zehn Jahren beschäftige ich mich schon mit Themen wie Glückstraining und  Selbstliebe. Nachdem sich mir keine andere Alternative mehr bot, beschloss ich, der Kraft meiner Gedanken und Gefühle eine Chance zu geben.

Fortan praktizierte ich täglich Mentaltraining. Ich visualisierte dabei, wie ich wieder glücklich und frei mein Leben beschreiten würde.

Ich sagte mir mehrmals täglich laut und in Gedanken: "Mein Körper ist in der Lage, sich selbst zu heilen."

Ich meditierte, praktizierte Entspannungsübungen, führte ein Glückstagebuch, in dem ich die wenigen erfreulichen Erlebnisse, die ich trotz des Schmerzes noch hatte, festhielt. Und ich lernte, mich selbst bedingungslos zu lieben.

Selbstliebe als Medizin

Nach einigen Wochen entstand in mir die fixe Idee, mich gesund zu lieben. Ich las unzählige Bücher über Selbstliebe und praktizierte diese in diversen Bereichen - mit  Selbstgesprächen, Selbstfürsorge und positive Überzeugungen.

1. Liebevolle Selbstgespräche

Ich besann mich auf Folgendes: Der Mensch hat circa 60.000 Gedanken pro Tag. Die meisten dieser Gedanken richtet er an sich selbst. Erschreckend dabei ist, dass mehr als die Hälfte davon negativ sind. Das bedeutet, wir kritisieren und beschimpfen uns täglich mehrfach.

Als mir das bewusst wurde, begann ich, meine Gedanken zu beobachten. Ich stand zum Beispiel vor dem Spiegel und hörte mich sagen: „Als wäre der grausame Kopfschmerz nicht genug, sehe ich auch noch total scheiße aus. Meine Figur ist im Eimer, mein Hintern mittlerweile monströs.“ Mein Gesicht verzog sich zu einer noch traurigeren Miene, bis ich  "Stopp!" rief.

Ich stellte mir vor, dass auf meiner rechten Schulter ein innerer bester Freund sitzen würde. Er würde mich niemals derart fertig machen. Im Gegenteil. Er würde mich trösten oder sogar etwas Aufbauendes sagen.

Also versuchte ich es erneut. Diesmal sagte ich: „Natürlich bist du von deiner Krankheit gezeichnet, aber das ist doch völlig klar bei alldem, was du durchmachen musstest. Egal wie groß dein Hintern ist, du bist immer eine schöne Frau.“ Tatsächlich ging es mir nach diesem Gedanken sofort besser. Und so integrierte ich Selbstgespräche dieser Art in meinen Alltag.

2. Selbstfürsorge

Außerdem brachte ich mir Selbstfürsorge bei. Ich stellte meine eigenen Bedürfnisse an oberste Stelle und übte täglich, diese besser wahrzunehmen und auch zu erfüllen.

3. Positive Überzeugungen
Ich spürte hinderliche Glaubensmuster auf und kehrte diese in selbstwertstärkende Überzeugungen um. Tief in mir war ich zum Beispiel überzeugt, dass ich nur liebenswert und wertvoll bin, wenn ich etwas leistete oder anderen Menschen half. Mit Selbstliebe-Mantras „überschrieb“ ich diese sabotierenden Überzeugungen. Heute weiß ich, dass ich unabhängig von Leistungen und Äußerlichkeiten einzigartig und wertvoll bin.

Gesund geliebt!

Als ich eines Morgens erwachte, war mein Kopfschmerz plötzlich sanfter. Meine Interventionen zeigten erste Resultate. Ich war völlig außer mir und wollte meine Erfahrung mit möglichst vielen Menschen teilen. Ich gründete meinen Lebensfreude-Blog honigperlen.at, auf dem ich Inspirationen rund um Mentaltraining und Selbstliebe teile.

Mein Kopfschmerz begleitet mich auch heute noch. Allerdings konnte ich seine Intensität  stark lindern. Manchmal habe ich sogar schmerzfreie Tage. Mit meinem Schicksal hadere ich schon länger nicht mehr. Im Gegenteil: Ich sehe meine Schmerzen mittlerweile als Geschenk.

Der Kopfschmerz hat mich Selbstliebe gelehrt

Der Kopfschmerz hat mich auf so viele neue Wege gebracht und mir die Möglichkeit der heilsamen Selbstliebe aufgezeigt. Er hat mich auch wieder zu meiner Leidenschaft, dem Schreiben, gebracht. Letztlich war er sogar dafür verantwortlich, dass ich mir einen meiner größten Lebensträume – mein Buch - erfüllen konnte. Der Titel lautet: „Als ich lernte meinen Hintern zu lieben, war mein Leben eine runde Sache.“

Der Hintern ist hierbei ein Synonym für alle jene Dinge, die uns das Leben vermiesen können. Das können eine Krankheit, Probleme in der Liebe, finanzielle Schwierigkeiten oder die Unzufriedenheit mit sich selbst sein. Doch wir können trotz Handicaps und Problemen glücklich werden: Wenn wir es schaffen, zur Liebe unseres Lebens zu werden.

600 Tage Migräne: Wie ich durch meine Krankheit zur Selbstliebe fand

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