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Traumjob gefunden - warum ich so gern als Check-in Agent arbeite

Frau kontrolliert Pass am Flughafen
© lunopark / Shutterstock
Stewardess zu werden war für Ines Schaub nie eine Option. Sie hat ihren Traumjob gefunden, ohne abzuheben - und gehört am Flughafen lieber zum Bodenpersonal. Warum Check-in, Abfertigung am Gate und Boarding einer Maschine bei ihr für Glücksgefühle sorgen, erzählt sie in der Leserkolumne "Stimmen".

Mein Versuch, in einer PR-Agentur zu arbeiten, scheiterte nach anderthalb Jahren. Für einen mittelständischen Innenausbauer sollte ich regelmäßig einen Newsletter schreiben. Gelangweilt sägte und schraubte ich die Wörter in meinen Texten so zusammen, dass das Resultat einer Spanplatte glich und nicht den eleganten Konstruktionen aus massivem Holz, die zu lobpreisen mein Auftrag war. Dem Kunden gefielen meine Artikel nicht. Er wollte, dass jemand, der mehr davon verstünde, sie neu schriebe.

Auf die Idee, am Flughafen zu arbeiten, brachte mich meine australische Gastmutter. Warum ich mir für einen Englischkurs ausgerechnet Australien ausgesucht habe, wollte sie eines Abends bei einem Glas Wein von mir wissen. Ich erzählte ihr, dass ich ständig Fernweh habe, außer wenn ich auf Reisen bin, und dass ich gern Menschen aus anderen Kulturen begegne. An einem anderen Abend berichtete ich ihr auch von meinem PR-Desaster und dass ich einen neuen Job suche. "Was hältst du davon, Flugbegleiterin zu werden?", schlug sie vor. "Das geht nicht", widersprach ich. "Ich liebe es zwar, im Flugzeug zu sitzen und unterwegs zu sein, aber ich hasse es, meinen Koffer zu packen." Das letzte Wort hatte sie: "Dann kannst du am Flughafen doch auch am Check-in arbeiten!"

Seit mehr als fünf Jahren bin ich nun Check-in Agent am Frankfurter Flughafen. Die Atmosphäre dort, eine Mischung aus kribbeligem Reisefieber, manchmal auch Ungeduld, unzähligen Menschen und Hautfarben, finde ich einzigartig. Zu meinen Aufgaben gehört, Pässe und Reisedokumente der Gäste zu überprüfen, ihnen im Flugzeug die gewünschten Sitzplätze zuzuweisen, ihr Gepäck entgegenzunehmen, zu wiegen, zu labeln und abzuschicken sowie das Handgepäck hinsichtlich Größe und Gewicht zu kontrollieren. Der wichtigste Aspekt meiner Arbeit ist, auf die Einreisebestimmungen des jeweiligen Landes zu achten. Wollen zum Beispiel Deutsche nach Ägypten einreisen, müssen ihre Reisepässe am Tag der Rückkehr noch zwei Monate gültig sein. Es gibt Angehörige anderer Nationen, die für die Einreise nach Ägypten sogar ein Visum benötigen. Ist das nicht im Pass vorhanden, verstößt der Gast gegen die Einreisebestimmungen. Das bedeutet, dass ich den Gast am Check-in nicht akzeptieren darf. Täte ich das dennoch, würde der Gast im selben Flugzeug zurückgeschickt werden. Meine Firma, für die ich arbeite, müsste dann eine hohe Einreisestrafe zahlen. Viele Gäste beginnen mit mir zu diskutieren, ich solle doch mal ein Auge zudrücken und eine Ausnahme machen. Ich hingegen erkläre ihnen, dass die Einreisebestimmungen vom jeweiligen Land festgelegt werden und nicht meiner Willkür unterliegen.

Zu meinen Aufgaben gehört auch die Abfertigung eines Flugs am Gate. Die Abwechslung zwischen Check-in und Gate schätze ich besonders. Am Gate kontrolliere ich, ob die Anzahl der Essen mit der Anzahl der akzeptierten Gäste übereinstimmt. Ich sehe noch einmal nach, ob "Specials" auf meiner Maschine sind, also zum Beispiel Gäste, die Hilfe beim Einsteigen benötigen, weil sie schlecht gehen können oder blind sind, oder Gäste, die einen kleinen Hund mit in die Kabine nehmen. Anhand eines Systems, das jedes eingecheckte Gepäckstück erfasst, überprüfe ich, ob jeder Koffer zum Verladen autorisiert ist, und falls nein, warum das so ist.

Als Gate Agent arbeite ich aber nicht allein. Ich bin Teil eines Netzwerks, das für die Gäste in der Regel unsichtbar ist. Mein wichtigster Ansprechpartner am Flugzeug ist der Ramp Agent, besonders, wenn das Flugzeug weit weg von mir auf einer Vorfeldposition steht und die Gäste mit Bussen dorthin gebracht werden. Hauptsächlich koordiniert er zusammen mit der Ladecrew die Beladung, aber er gibt mir auch das Okay zum Boarding, wenn die Crew bereit ist. Die Beladung wiederum erfolgt anhand des Ladeplans, den der sogenannte Loadcontroller erstellt.

Hat das Flugzeug eine Gebäudeposition, liebe ich es, an Bord zu gehen. Ich sage nicht nur der Crew guten Tag und bespreche, wann ich die Gäste einsteigen lassen darf, sondern ich genieße den Anblick über die noch leeren Sitzreihen, werfe einen Blick ins Cockpit, schnuppere den Geruch, der in jedem Flugzeug die gleiche Mischung aus Kerosin, Hydrauliköl und diskretem Schweiß ist.

Wenn ich dann mit dem Boarding beginnen kann, muss ich die Bordkarten mit dem maschinenlesbaren Feld auf ein Lesegerät legen. Das Gerät muss zweimal piepsen, dann ist der Gast geboardet. Oft treffe ich am Gate die Gäste wieder, die bereits bei mir am Check-in waren. Hat es ihnen mit mir gefallen, gibt esmeistens ein großes Hallo. Manche von ihnen sind regelrecht enttäuscht, wenn ich ihnen sagen muss, dass Fliegen nicht mehr zu meinen Aufgaben gehört. Sind alle Gäste eingestiegen, gehe ich an Bord und melde der Pursorin "Boarding completed", worauhin diese dann zum Mikro greift und ihrer Crew "Boarding completed" meldet. Sind die Flugzeugtüren geschlossen, muss bei einer Fingerposition der Brückenfahrer die Fluggastbrücke ablegen, begleitet von einem martialischen, aber für mich feierlichen Warngeräusch.

Zu meinen liebsten Momenten gehört, wenn der Pushbacktruck die roten Rundumleuchten einschaltet und das Flugzeug zurück aufs Vorfeld schiebt. Manche Kapitäne winken dabei sogar zum Abschied. Besonders schön finde ich, wenn es morgens noch dunkel ist und ich die vielen bunten Lichter auf dem Vorfeld betrachten kann, meiner Meinung nach der faszinierendste Ort am Flughafen. Auch nach so vielen Jahren finde ich es noch ein erhebendes Gefühl, dazu beigetragen zu haben, dass ein Flugzeug abheben kann.

Zuletzt möchte ich auch nicht das vielleicht wichtigste Argument verschweigen, warum ich lieber am Boden bleibe: Nichts finde ich erholsamer, als nach einer langen Schicht zuhause in meinem eigenen Bett zu schlafen.


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