"Joggen oder Tanzen? Ging nur mit Slipeinlage"

Als Maria Herd ihr zweites Kind bekam, merkte sie mit Schrecken: Ihre Blase machte immer öfter, was sie wollte. Der Frauenarzt sprach von OP, der Urologe gab ihr Liebeskugeln, aber sie fand eine bessere Lösung: Yoga.

Maria Herd hat mit Yoga ihre Inkontinenz besiegt und entwickelte sich zu einer stärkeren Persönlichkeit. Sie unterrichtet heute mit viel Begeisterung als Yogalehrerin in ihrer eigenen Yogaschule (www.yoga-philippsburg.de). Und sie bietet darüber hinaus Beratung und Coaching zu allen wichtigen Lebensthemen an.

Inkontinenz - schon dieses Wort löst bei vielen Frauen Unbehagen und unschöne Erinnerungen an sehr peinliche Situationen aus. So ist das auch bei mir. Bloß nicht zu sehr lachen und beim Niesen die Pobacken ganz fest zusammenpressen. Joggen oder tanzen gehen? Aber bitte nur mit Slipeinlage oder - wie es die Werbung inzwischen zeigt - mit Windel-Pants unter der Jeans.

Ich kann inzwischen an diese schreckliche Zeit mit einem Siegerlächeln zurückdenken, denn ich habe - Gott sei Dank - einen Weg gefunden, um dieses Problem zu lösen.

Ich war schon immer sportlich. Daher ersparte ich mir nach der Geburt meines ersten Kindes die Rückbildungsgymnastik. Ich war der Meinung, dass ich meine alte Figur und körperliche Fitness auch so wiedererlangen würde.

Ich hatte damals den Bauchtanz für mich entdeckt. Tatsächlich meinte ich, dass mit den vielen Beckenbewegungen mein ganzer Unterleib ganz sicher wieder werden würde. Ich ging ganztags arbeiten, die Abende waren mit Kind und Haushalt ausgefüllt und einmal in der Woche tanzte ich meinen Bauch wieder fit. So dachte ich zumindest.

Immer öfter konnte ich das Wasser nicht halten

Nach der Geburt meines zweiten Kindes war dann gar nicht mehr an Rückbildungsgymnastik zu denken. Ich war vollständig ausgefüllt mit den beiden Kindern und dem Haushalt. Die psychische Last, die ich auf meinen Schultern mit mir herumtrug, aber auch die körperliche Belastung waren groß.

Mir wurde mehr und mehr bewusst, was ich vorher nie so richtig wahrgenommen hatte: Ich konnte immer öfter das Wasser nicht mehr halten. Wenn ich niesen oder husten musste, wenn ich aus der Hocke eines meiner Kinder hochnahm, selbst beim Toben mit meinem älteren Kind spürte ich, wie Wasser abging.

Zuerst recherchierte ich im Internet. Es gab viele Tipps gegen Blasenschwäche und genaue Anleitungen für Beckenbodengymnastik. Aber an einen geregelten Zeitplan mit den kleinen Kindern war nicht zu denken und so machte ich die für einen stabilen Beckenboden notwendige Gymnastik eher nur ab und zu.

Die Blasenschwäche blieb und die peinlichen Ereignisse auch. Einmal war ich tanzen - bis ich plötzlich zum Klo eilen musste und versuchte, mit Toilettenpapier die nasse Stelle im Slip und sogar in meiner Hose zu trocknen. Den Rest des Abends saß ich betroffen auf meinem Stuhl...

Der Urologe empfahl mir Liebeskugeln

Ich vereinbarte einen Termin bei meinem Frauenarzt. Emotionslos erklärte mir der Spezialist für Frauenthemen, dass ich in meinem Alter schon sehr früh dran sei mit einer solch massiven Schwäche. Die Bänder in meinem Unterleib seien nicht mehr straff genug und ich müsse sie mir operativ straffen lassen, wenn ich auf Dauer beschwerdefrei sein wolle.

Aber auf Dauer - das sei dann auch wieder so ein Thema. Gewöhnlich mache man das bei reiferen Frauen in den Wechseljahren. Die Bänder in meinem Becken würden mit der Zeit wieder überdehnen. Das könnte dann zu einem ernsthaften Problem führen, denn mehrmals operieren könne man das nicht. Sein Tipp war, ich solle die OP so lange wie möglich hinauszögern. Eine Untersuchung beim Urologen wäre auch noch eine Möglichkeit.

Meine Psyche war im Keller, der Termin beim Urologen schnell gemacht. Während des Gesprächs griff dieser mit bedeutungsvoller Geste in die unterste Schublade seines Schreibtisches und legte mir ein Paar Liebeskugeln in die Hand. "Probieren Sie es doch mal hiermit." Ich könne mithilfe der Kugeln während der ganz normalen Hausarbeit meine Beckenboden-Muskeln trainieren. Ich solle sie zu Anfang nur kurze Zeit tragen. Das ging auch gut soweit. Aber auch die Kugeln landeten irgendwann in der Schublade.

Die Lösung meines Problems hat vier Buchstaben

Ich war in der Zwischenzeit im Sportstudio angemeldet und nahm am Bauch-Beine-Po-Training teil. Vor und während des Trainings nahm ich aus Angst vor der Blasenschwäche keine Flüssigkeit zu mir. Wir trainierten, bis die Fensterscheiben beschlagen waren. Danach aber, zu Hause, war ich für den Rest des Tages platt. Für meinen Beckenboden zeigte das Training seine Wirkung, unten herum ging es mir tatsächlich besser. Ich war nach jeder Fitnessstunde aber völlig ausgepowert.

Ich meldete mich noch zusätzlich beim Yoga an. Denn ich hatte gehört, dass dabei nicht nur der Körper trainiert wird, die geistig-spirituelle Komponente sollte auch meine leidende Psyche stabilisieren.

Das erste, was mir auffiel, war, dass ich nach dem Yoga zu Hause richtig fit und leistungsfähig war, während ich nach dem Sportstudio immer zuerst meine Couch aufsuchen musste. Das zweite - und viel wichtigere - aber war die Erkenntnis, dass ich während des ruhigen Haltens der Körperstellungen meinen Unterleib viel besser und bewusster wahrnahm.

Ich fühlte beim gezielten Atmen in den Beckenboden, wie ich diese Muskeln im Inneren meines Körpers immer besser trainieren konnte. Ich hörte ganz mit dem Bauch-Beine-Po-Auspowern auf und machte täglich eine halbe Stunde Yoga für den Beckenboden. Das Üben lief nicht mehr nebenbei. Nein! Das bewusste, ruhige Arbeiten mit meinem Körper war für mich eine wunderbare Erfahrung völlig ohne störende Geräusche wie im Sportstudio.

Und dabei bin ich geblieben. Yoga ist das, was mich wieder gesund gemacht hat. Die Schwäche meines Unterleibs, mein geringes Selbstwertgefühl und die ständigen Selbstzweifel sind besiegt.

Ich bin inzwischen schon seit zwölf Jahren begeisterte Yogalehrerin und Yogatherapeutin. Ich erkläre meinen Schülerinnen, wie wichtig diese Beckenübungen für uns Frauen sind. Jede Asana (also jede Übung) im Yoga wirkt auf der muskulären Ebene. Aber durch das Halten der Asana, die Konzentration und das gezielte Lenken der Atemenergie auf das Becken und seine Organe wird auch die Durchblutung gefördert, Drüsen werden angeregt, Entspannung wird herbeigeführt. Das Verständnis für den eigenen Körper und seine Bedürfnisse wird geweckt. Auf emotionaler Ebene können Blockaden gelöst werden, die sich mit der Zeit aufgestaut und das Becken geschwächt haben. Unser Becken ist unsere Basis. Von hier aus baut sich die Wirbelsäule auf. Ein gesundes, stabiles und bewegliches Becken hilft uns, aufrecht und aufrichtig durchs Leben zu gehen.

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.