Ingenieurin Lara bekam zu hören: "Schöne Frauen wie ihr habt nichts im Kopf!"

BRIGITTE.de-Leserin Lara Wolynski (27) wusste schon als Kind, dass sie Ingenieurin werden will, doch die Männer machten es ihr schwer. Hier erzählt sie, wie sie trotzdem ihren Weg gegangen ist.

Ein Mädchen, das sich für Technik interessiert? Kam nicht gut an in der Schule

Seit ich denken kann, habe ich mich für Technik interessiert. Meine Eltern haben mein Interesse glücklicherweise immer unterstützt. Mein Vater wollte selbst Ingenieur werden, was aus diversen Gründen aber nicht geklappt hat. Dadurch konnte er mir alles erklären, was ich wissen wollte.

Erst auf dem Gymnasium fiel mir auf, dass es doch eher ungewöhnlich ist, dass ein Mädchen sich so sehr für Technik interessiert. Gleichaltrige Mädchen hatten andere Interessen. Sowohl Mädchen als auch Jungen beäugten mich wegen meines Technikinteresses kritisch. Verstanden fühlte ich mich von keinem, und ich wurde zur Einzelgängerin.

Ein Freund der Familie erzählte mir alles über technische Studiengänge. Er selbst war Ingenieur. Ab dem Zeitpunkt war für mich klar, was ich werden würde. Dabei war ich erst zwölf Jahre alt.

Nach dem Abitur gab es keine Alternative für mich und ich entschied, Mechatronik zu studieren. Wir waren anfangs fünf Frauen auf 20 Studierende – ein Rekordwert. Zwei von ihnen hörten allerdings schnell auf.

Im Studium bekamen wir Frauen sexistische Sprüche zu hören

Das Studium habe ich in keiner guten Erinnerung. Immer wieder wurden uns Frauen Steine in den Weg gelegt. Meistens unterschwellig, aber auch immer wieder direkt. Am meisten ist mir folgender Spruch im Gedächtnis geblieben: „Schöne Frauen wie ihr habt nichts im Kopf und hier nichts zu suchen.“

Seitdem kann ich jede Frau verstehen, die diesen Weg nicht gehen möchte. Wenn ich es nicht unbedingt gewollt hätte, hätte ich das Studium wegen solcher Reaktionen abgebrochen.

Es war eine harte Zeit, und ich habe mich oft wie ein Mensch zweiter Klasse gefühlt.

Ich hatte große Bedenken, dass es im Berufsleben ähnlich laufen wird.

Ich habe meine Bachelor- und meine Masterarbeit in der Automobilindustrie geschrieben, da mich Autos am meisten interessieren. Dort bin ich, für mich überraschend, sehr gut aufgenommen worden. Meine Ängste wurden glücklicherweise nicht bestätigt.

Der Weg hat sich gelohnt - in meinem Job werde ich endlich respektiert 

Nach meinem Studium habe ich sofort eine Stelle bei meinem Traumarbeitgeber bekommen und es damit allen Kritikern gezeigt. Hier werde ich respektiert und habe noch keine negativen Reaktionen erlebt. Tatsächlich stehen ältere Kollegen weiblichen Ingenieuren offener gegenüber als gleichaltrige. Das führe ich allerdings eher auf den Konkurrenzdruck zurück.

Ingenieurin Lara bekam zu hören: "Schöne Frauen wie ihr habt nichts im Kopf!"

Lies auch

Starke Frauen – starke Storys: Und was hast du zu erzählen?

Leider höre ich von anderen Frauen in technischen Berufen, die in dieser Hinsicht nicht so viel Glück gehabt haben wie ich, und die teilweise bei der Arbeit angegriffen werden, weil sie weiblich sind.

Ich würde es immer wieder genauso machen. Trotzdem würde ich mir sehr wünschen, dass uns technikaffinen Frauen genauso viel Respekt entgegen gebracht wird wie den Männern.

Die Autorin: Lara Wolynski ist 27 Jahre alt und studierte Ingenieurin. Seit 2016 arbeitet sie bei der Porsche AG. In ihrer Freizeit liest sie gern und ist kreativ. Ihr liebstes Hobby ist die Malerei.

Unsere Empfehlungen

Brigitte-Newsletter

Brigitte-Newsletter

Trends und Tipps aus den Bereichen Mode & Beauty, Reise, Liebe und Kochen - lies zum Wochenstart das Beste von Brigitte.